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Vergeben oder vergessen: Met Gala ehrt John Galliano und sorgt für Streit

John Galliano zählt zu drei noch lebenden Designern, denen das Met eine große Werkschau widmet.
Met ehrt John Galliano: Einer von drei lebenden Designern mit großer Karriere-Retrospektive Copyright  AP Photo / Remy de la Mauviniere, File
Copyright AP Photo / Remy de la Mauviniere, File
Von Craig Saueurs
Zuerst veröffentlicht am
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Die Rückschau auf die Karriere des visionären Designers entfacht eine Debatte über Vergebung, Vergessen und die höchste Auszeichnung der Mode.

Die Met Gala sorgt fast ein Jahr vor ihrer nächsten Ausgabe schon für heftige Diskussionen.

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Am 31. Juli gab das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art bekannt, dass seine Frühjahrsausstellung 2027 dem Werk des legendären britischen Designers John Galliano gewidmet wird.

Unter dem Titel „John Galliano: Horizons“ zeigt die Schau eine Retrospektive auf seine über Jahrzehnte laufende Karriere. Die dazugehörige Met Gala stellt Galliano selbst ins Zentrum des Themas.

Die Entscheidung löste sofort Kritik in der Popkultur aus.

Zwar prägte Galliano die Luxusmarken Givenchy und Dior entscheidend. Bekannt ist er heute aber vor allem für antisemitische und rassistische Ausfälle, wegen derer ein Gericht ihn 2011 wegen eines Hassverbrechens verurteilte.

Wer ist John Galliano?

Galliano wurde in Gibraltar geboren. Mit sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Großbritannien. 1984 begann er ein Studium an der renommierten Hochschule Central Saint Martins. Sein Talent als Designer war schon anerkannt, bevor er überhaupt beruflich einstieg.

Seine Abschlusskollektion „Les Incroyables“ griff die aristokratische Ausschweifung nach der Schreckensherrschaft der Französischen Revolution auf. Das britische Kaufhaus Browns kaufte diese Entwürfe vollständig.

Mit Unterstützung der damaligen „Vogue“-Chefredakteurin und Met-Gala-Stammgästin Anna Wintour gelang Galliano Anfang der 1990er Jahre der Durchbruch in Paris. 1994 wurde er Chefdesigner von Givenchy – als erster Brite an der Spitze eines großen französischen Modehauses.

1996 versetzte LVMH, der Konzern hinter Givenchy und vielen anderen Marken, Galliano zu Dior. Von da an schoss seine Karriere in die Höhe.

Galliano entwarf die Dior Saddle Bag – eine der bekanntesten Handtaschen überhaupt, berühmt geworden auch durch die Figur Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“. Anfang der 2000er Jahre war er fest im Popkultur-Kanon verankert.

Was geschah 2011?

Kurz vor der Herbst/Winter-Modewoche 2011 in Paris holte ihn die Realität ein. Ein Video zeigte, wie Galliano in einem Pariser Café einem Paar eine Reihe rassistischer und antisemitischer Beschimpfungen entgegenschleuderte. In einer Sequenz ist zu hören, wie er sagt: „Ich liebe Hitler.“

Dior entließ ihn daraufhin. Später verurteilte ihn ein Gericht wegen öffentlicher Beleidigungen aufgrund Herkunft, Religion, Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit – Äußerungen, die der Staatsanwalt als „erbärmlich und schrecklich“ bezeichnete. Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 6.000 Euro und ließ seine Begründung unberücksichtigt, er sei nach dem Tod eines engen Freundes psychisch angeschlagen gewesen.

Doch bereits 2013 begann seine öffentliche Rehabilitierung. Wintour verschaffte ihm vor der Herbst-Modewoche 2013 in New York einen befristeten Aufenthalt im Atelier des dominikanischen Designers Oscar de la Renta. Die Zusammenarbeit erhielt viel Lob; Kritiker hoben Gallianos typische Theatralik in de la Rentas Prêt-à-porter-Kollektion hervor.

2014 übernahm er die kreative Leitung des französischen Hauses Maison Margiela und blieb dort bis 2024.

Im März dieses Jahres schloss Galliano zudem eine auf zwei Jahre angelegte kreative Partnerschaft mit Zara.

Blick über „Horizons“ hinaus

Galliano ist heute 65 Jahre alt. Er hat sich mehrfach für seinen Ausbruch entschuldigt und erklärt, er habe unter Alkoholismus und Drogensucht gelitten. Viele jüdische Führungspersönlichkeiten halten seine Reue inzwischen für glaubwürdig.

Bevor die Ausstellung „Horizons“ Gestalt annahm, suchten Wintour und Andrew Bolton, Kurator des Costume Institute, das Gespräch mit mehreren jüdischen Führungspersönlichkeiten, darunter der Anti-Defamation League und der Union for Reform Judaism. Alle gaben ihre Zustimmung.

„Niemand verdient eine Ausstellung in diesem Umfang mehr als John Galliano“, sagte Wintour. „Er ist ein großartiger Designer, und seine Laufbahn wird nicht von einem einzigen Moment bestimmt – auch wenn er diese Episode sein Leben lang mit sich tragen wird.“

Die Ankündigung hat die Debatte über seinen Weg zur Wiedergutmachung dennoch neu entfacht.

Kritiker stellen infrage, ob es angemessen ist, Galliano in den Mode-Olymp zu erheben und ihn – nach Yves Saint Laurent 1983 und Rei Kawakubo 2017 – erst zum dritten lebenden Designer mit einer eigenen Costume-Institute-Schau zu machen. Zumal antisemitische Vorfälle in Europa und den USA derzeit zunehmen.

Jonathan Greenblatt, Vorstand der Anti-Defamation League, sagte gegenüber Page Six (Quelle auf Englisch): „Jetzt, da die Entscheidung gefallen ist, liegt es am Met und seinen Partnern, nicht nur symbolische Gesten rund um eine Ausstellung zu zeigen, sondern echten Einsatz gegen Antisemitismus.“

Auch die Autorin und Modejournalistin Dana Thomas erinnerte an weniger bekannte, aber ebenso problematische Episoden in Gallianos Vergangenheit.

In einem Meinungsbeitrag für die New York Times (Quelle auf Englisch) schilderte sie unter anderem seine Launen und Beschimpfungen im Arbeitsalltag. Sie erinnerte auch an den Vorfall im Ritz-Hotel in London, wo er hinausgeworfen wurde, nachdem er sich nackt ausgezogen, einen Aufzug besetzt und Gäste angeknurrt hatte, die einsteigen wollten – mit der Behauptung, er sei ein Löwe.

Das Museum betont jedoch, die Schau zu Galliano werde keine unkritische Feier seines Werks. „Horizons“ umfasst mehr als vier Jahrzehnte Arbeit und zeigt über 200 Kleidungsstücke, Entwürfe und Archivmaterial. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich ausdrücklich mit seinen antisemitischen Äußerungen von 2011 und seiner Rückkehr in die Modebranche.

In einer Mitteilung erklärte das Museum: „Neben Gallianos außergewöhnlichen kreativen Leistungen thematisiert die Ausstellung das abwertende Verhalten, das seine Karriere und seine öffentliche Wahrnehmung grundlegend verändert hat. Damit soll gezeigt werden, wie künstlerischer Erfolg im Verhältnis zu moralischer Verantwortung zu bewerten ist.“

Die Ausstellung wird am 9. Mai 2027 eröffnet – eine Woche nach der Met Gala am 3. Mai.

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