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Charli XCX: „Music, Fashion, Film“: Euronews Culture mit Kritik und Fazit

Charli XCX – „Music, Film, Fashion“: Euronews Culture zieht Kritik und Fazit
Charli XCX: „Music, Film, Fashion“ – die Euronews-Culture-Kritik Copyright  Aidan Zamiri / Atlantic Records - Press - Canva
Copyright Aidan Zamiri / Atlantic Records - Press - Canva
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Auf ihren globalen 2024‑Megahit zu folgen ist schwer. Charli XCX legt mit elf kurzen Gitarrensongs nach – ein Anti-„Brat“, das viel verspricht, aber kaum Eindruck hinterlässt.

Ich muss zugeben: Schon von Beginn an hat mich Charli XCXs ‚Music, Fashion, Film‘ nicht recht gefallen.

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Nicht, weil ich verzweifelt auf ‚Brat 2.0‘ gehofft hätte oder alles andere als ein weiteres, epochales Nachfolgewerk sofort als Enttäuschung abgetan hätte. Im Gegenteil: Der Gedanke an eine neue Richtung nach einem Werk, das zu den meistgelobten Alben der vergangenen fünf Jahre zählt, war reizvoll und künstlerisch nötig. Noch einmal auf dieselbe Weise den Zeitgeist einfangen zu wollen, hätte eher töricht und verzweifelt gewirkt.

Ich war einfach nicht überzeugt.

Zunächst einmal gibt es die Vorabsingle ‚Rock Music‘ mit verzerrten Gitarren und einigen, ehrlich gesagt, furchtbaren Zeilen wie „Me and my friends, we go out / We take pictures and make stuff together / And sometimes we cry / We kiss each other, real incestuous vibes“ und „I think the dancefloor is dead / So now we’re making roooooock music“.

Die Selbstironie und der sarkastische, meta-hafte Humor zünden nicht, und die Formulierung „real incestuous vibes“ wirkt wie eine betont provokante Pose, die verzweifelt nach Aufmerksamkeit schreit.

Das dazugehörige Video hilft auch nicht weiter. Es sieht nach inszenierter Schrillheit aus; Charli XCXs Cigfluencer-Posen wirken wie angestrengtes Auftreten mit dem Social-Media-Requisiten-Trend der Stunde. Selbst mit voller Zustimmung zur Chandler-Bing-Weisheit „The bottom line is smoking is cool and you know it“ bleibt das alte Gleichsetzen „smoking = rebellion“ alles andere als ungestüm oder hedonistisch. Es wirkt bemüht und erschreckend uninspiriert.

Dann ist da das Albumcover, das passend zum Titel Gründungsmitglied der Velvet Underground John Cale, Modedesigner Marc Jacobs und Kultregisseur Martin Scorsese zeigt – jede dieser Größen steht für einen der drei Aspekte des Albums.

Es ist beeindruckend, dass alle drei Ikonen für das Fotoshooting von Aidan Zamiri in einem Raum standen. Trotzdem wirkt das Konzept allzu vorhersehbar und plakativ.

Trotzdem hoffte ich, dass mein erster Eindruck sich beim Hören von Charli XCXs siebtem Album als falsch erweisen würde. Ich bin seit ‚Sucker‘ aus dem Jahr 2014 Fan, habe ‚Charli‘ von 2019 leidenschaftlich verteidigt und mich gefreut, dass die britische Popmusikerin 2024 endlich den hart erkämpften, breiten Kritikerzuspruch bekam.

Charli XCX - Music, Fashion, Film
Charli XCX - Music, Fashion, Film Aidan Zamiri / Atlantic Records

Die neue, sehr schlanke, 30-minütige LP beginnt mit ‚Rock Music‘ – ein wenig vielversprechender Auftakt, der aber rasch von ‚SS26‘ gerettet wird. Der Song klingt wie eine polierte Apokalypse und ist wohl das stärkste Stück der Platte.

Danach geht es frustrierend bergab. Charli XCX setzt sich mit ihrer Identität, ihrem Selbstwert und dem Druck auseinander, der mit dem Ruhm nach ‚Brat‘ einhergeht. Das sind spannende Themen. Doch ihre Gedanken wirken verworren, als hätte diese existenzielle Krise noch etwas Zeit gebraucht, um sich zu sortieren, bevor sie in Songs gegossen wurde.

Das spiegelt sich in den Stücken selbst: Die meisten dauern kaum zwei Minuten. Viele sind verzichtbar – das blutleere ‚2007‘ oder das ultraminimalistische Nichts von einem Song namens ‚Yeah‘ stechen im negativen Sinn heraus. Die wenigen Titel, die wirklich hängenbleiben, wie das Grunge-Zitat ‚Card Declined‘ oder das vielversprechende ‚Camera‘, sind zu Ende, bevor sie sich entfalten können. Oder überhaupt Bedeutung entwickeln.

In ‚Camera‘ verbinden sich ein starker Hook und ein durchaus gelungener Moment der Selbstreflexion: „I don't feel embarrassed even if I suck / I'm always craving an experience that feels dangerous / And maybe this is it, maybe it's what I need / 'Cause it's the only way to feel like I'm not actually me.“ Frustrierend ist, dass der Song genau dort abbricht. Es entsteht der Eindruck, ‚Music, Fashion, Film‘ sei ein hastig veröffentlichtes Skizzenbuch aus halbfertigen Ideen und Songs.

Dieses anfängliche Versprechen, Charli XCXs Gemütszustand in Vignetten einzufangen, die dann ins Leere laufen, verdichtet sich im Song ‚Wink Wink‘.

Der Track wirkt deutlich weniger wie eine Demo als manche andere Stücke und hat Momente echter Ohrwurmbrillanz. Doch ein halb bewusstseinsstromartiger Text verwandelt diese Ansätze in nervige Pointe-Jagd.

I used to lick cream off strawberries in the summer...“ – schön für dich. Das versprüht reine britische Oberschicht-Sommerstimmung; bitte erzähl weiter, es ist schließlich ein köstlicher Zeitvertreib.

And maybe I fucked your dad...“ – wie gewagt. Was soll der Landadel jetzt von dir halten?

Just kidding, I'm only saying that for effect...“ – ein Schwenk zur Selbstreflexion, der ein „Cool Girl“-Klischee zerlegen könnte und zeigen soll, dass du über deinen eigenen Witz stehst und alles durchschaut hast.

But my point is I think people can change.“ – stimmt. Aber es klingt längst nicht so tiefgründig, wie du offenbar glaubst.

Diese selbstreferenzielle Hin-und-her-Inszenierung gipfelt in „I'm not a bad girl anymore / Wink, wink“. Spätestens da denkt man an jene unerträgliche Person, die im Gespräch etwas unnötig Verletzendes oder Widerliches sagt und sich dann mit einem Grinsen und dem Spruch rettet: „Kannst du keinen Spaß vertragen? Ist doch nur Banter!“

Wer diesen Einwand schon einmal gebracht hat oder den Begriff „banter“ gern benutzt, sollte sich klarmachen, dass diese passiv-aggressive, verantwortungsscheue Floskel lediglich die Verharmlosung von Mobbing kaschiert. Hör damit auf. Hol dir Hilfe.

Zu Charli XCXs Verteidigung: ‚Music, Fashion, Film‘ hat seine flüchtigen Momente, und ein Album wie ‚Brat‘ zu übertreffen, ist keine leichte Aufgabe.

Wer zu stark abbiegt, vergrault die Fans. Wer einfach weitermacht wie bisher, tritt auf der Stelle. Doch wenn das Nachfolgealbum zu einem globalen Erfolgswerk kaum Eindruck hinterlässt – trotz ‚SS26‘, dem echten Schlag in die Magengrube namens ‚I'm Afraid‘ und dem abschließenden Stück ‚No One Lasts Forever‘ mit der eindrucksvollen Beteiligung von Regisseur David Cronenberg –, dann ist etwas schiefgelaufen.

Und wenn die eigene Sinnsuche am Ende eher selbstgefällig als tiefgründig oder wenigstens ironisch witzig wirkt, bestätigt die Enttäuschung nur, dass erste Eindrücke sich oft nicht mehr retten lassen.

‚Music, Fashion, Film‘ ist ab sofort erhältlich.

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