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Paris: knapp 100 000 Unterschriften gegen neuen Pavillon der Nationalversammlung

Die Nationalversammlung im Jahr 2013.
Die Nationalversammlung im Jahr 2013. Copyright  AP Photo/Remy de la Mauviniere
Copyright AP Photo/Remy de la Mauviniere
Von Djeneba Sharon Camara
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Geplanter Besucher-Pavillon der Nationalversammlung stößt auf heftigen Widerstand. Eine seit über einem Jahr laufende Petition nähert sich 100.000 Unterschriften, nachdem der Pariser Stadtrat gelockerte Bauvorschriften am Palais-Bourbon billigte.

Seit fast zwei Jahren sorgt diese vielschichtige Affäre mit immer neuen Wendungen für Streit. Beteiligt sind die Nationalversammlung und ihre Präsidentin Yaël Braun-Pivet, die Stadtverwaltung von Paris sowie der Verein Sites & Monuments.

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Das Projekt für ein neues Empfangsgebäude der Nationalversammlung ist äußerst umstritten. Die Präsidentin des Parlaments treibt es persönlich voran. Vorgesehen ist, den historischen Pavillon aus Stein aus dem Jahr 1888 durch eine moderne Glasstruktur zu ersetzen. Der Neubau soll einen Shop, eine Cafeteria und Bildungsflächen beherbergen. Für die Vereinigung Sites & Monuments sind solche Angebote für ein Parlament zweitrangig.

„Das Problem ist, dass dieses Gebäude die Symmetrie zerstören und sehr viel Glas einführen würde“, sagt Julien Lacaze, Präsident von Sites & Monuments, zu Euronews. Er erinnert daran, dass das Projekt in einem als Site patrimonial remarquable ausgewiesenen Bereich des siebten Arrondissements entstehen soll, innerhalb einer Zone, die zum Unesco-Welterbe gehört.

Nach seiner Einschätzung durchbricht der Entwurf die historische Harmonie der Seine-Ufer gleich mehrfach. Er zerstöre die Achse zwischen der Madeleine und der Kolonnade des Palais-Bourbon, führe in ein von Stein geprägtes Ensemble massenhaft Glas ein und verändere zudem die horizontale Linienführung und die architektonische Einheit des Ortes.

„Am gravierendsten ist es, ein historisches Gebäude abzureißen. Wenn man etwas zerstört und an seiner Stelle etwas errichtet, das nicht zu dem Ort passt, ist das endgültig. Das lässt sich nicht rückgängig machen“, kritisiert der Präsident der 1901 gegründeten Vereinigung, die seit 1936 als gemeinnützig anerkannt ist und über eine Zulassung für den Umweltschutz verfügt. Sites & Monuments hat sich auf den Schutz von Kulturerbe spezialisiert.

„Wir wollen einen Ort bewahren, der der ganzen Welt gehört.“

Aus Sicht des Vereinsvorsitzenden gibt es andere Lösungen, die den ursprünglichen Charakter des Gebäudes stärker respektieren und die man genauer prüfen sollte.

Er verweist vor allem auf den Entwurf des japanischen Büros SANAA, Träger des Pritzker-Preises. Dieser sah vor, den Pavillon von 1888 zu erhalten und mit einer zeitgenössischen Erweiterung aus Stein zu ergänzen – nicht aus Glas wie im aktuellen Projekt. Damit, so Lacaze, ließen sich die funktionalen Bedürfnisse der Nationalversammlung erfüllen, ohne das Stadtbild grundlegend zu verändern.

Baukosten des Projekts in der Kritik

Neben den aus seiner Sicht bedrohten ästhetischen und historischen Werten stößt das Projekt auch wegen seiner Kosten auf Widerstand. Das veranschlagte Budget von 52,8 Millionen Euro hält Julien Lacaze in Zeiten knapper Kassen für überzogen. Hinzu komme, dass die Rechnung während der Bauarbeiten weiter steigen könnte. Zwar finanziert die Nationalversammlung den Bau aus eigenen Mitteln, trotzdem betont er: „Es geht um Geld der Französinnen und Franzosen. In einem Moment, in dem man sie zum Sparen anhält, 53 Millionen Euro für ein Gebäude mit Shop und Cafeteria auszugeben, wirft Fragen auf.“

Seit der Ankündigung des Projekts beobachtet der Vereinspräsident nach eigenen Angaben mehrere problematische Aspekte im Umgang mit der Planung. So seien fast ein Jahr lang nach Abschluss des Architekturwettbewerbs keine Informationen zum Fortgang des Projekts veröffentlicht worden. Eine erste Baugenehmigung sei eingereicht worden, obwohl sie dem Plan de sauvegarde et de mise en valeur (PSMV) des siebten Arrondissements widersprochen habe – unter anderem wegen der übermäßigen Gebäudehöhe, der Inanspruchnahme geschützter Flächen sowie Eingriffen in historische Gärten und Innenhöfe.

Angesichts drohender Klagen sei diese Genehmigung wieder zurückgezogen worden. Danach, so Lacaze, hätten die Behörden eine gezielte Änderung des PSMV in Gang gesetzt, um das Projekt mit den geltenden Bauvorschriften in Einklang zu bringen.

„Ein Problem des Egos“

Die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, treibt dieses Architekturprojekt seit 2025 voran.

Julien Lacaze wirft ihr vor, ihrem Mandat ein dauerhaftes Denkmal setzen zu wollen – mit einer Architektur, die angeblich die Transparenz der Institution verkörpern soll.

„Man kann [Yaël Braun-Pivet] nicht vorwerfen, dass sie keine hohe Architekturkompetenz hat. Aber man kann ihr vorwerfen, dass sie nicht zuhört.“

„Es gibt sehr renommierte Beratungsgremien, als gemeinnützig anerkannte Vereine und Architekturhistorikerinnen und -historiker: Alle sagen, dieses Projekt dürfe nicht umgesetzt werden. Das ist ein Problem des Egos.“

Im Gespräch mit Franceinfo erklärte die Präsidentin der Nationalversammlung, sie sei „überrascht von der Heftigkeit der Kritik an einem Projekt, das die meisten gar nicht kennen“.

Der Verein Sites & Monuments erhält in seinem Vorgehen Unterstützung von mehreren politischen Verantwortlichen, vor allem aus den Reihen der Républicains (LR) und von La France insoumise (LFI), aber auch von der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal.

Die Petition, die vor etwas mehr als einem Jahr auf der Plattform Change.org gestartet wurde, erlebt in den vergangenen Wochen neuen Auftrieb. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nähert sie sich der Marke von 100 000 Unterschriften.

Die Nationalversammlung reagierte auf die Anfrage von Euronews nicht.

Die Stadt Paris teilte uns per E-Mail mit, „dieses Projekt ziele darauf ab, die Bedingungen für den Empfang der Öffentlichkeit im Palais-Bourbon zu modernisieren und zu verbessern, indem die dafür vorgesehenen Flächen vergrößert werden“. Nun müsse das Vorhaben „Gegenstand eines Antrags auf Baugenehmigung sein, der vom Staat geprüft wird und bei dem die Stadt lediglich konsultiert wird“.

„Falsch“, entgegnet der Vereinsvorsitzende. Er verweist auf Unterlagen, nach denen die Stadt bereits Stellung zugunsten des Projekts bezogen habe, da der Pariser Stadtrat die Änderung des Plan de sauvegarde et de mise en valeur (PSMV) gebilligt habe, die notwendig ist, um das Vorhaben an die städtebaulichen Regeln anzupassen.

„Es gab einen Beschluss der Stadt Paris, der den Änderungsentwurf am sechzehnten Juli gebilligt hat“, sagt Lacaze. Damit habe die Rathausmehrheit dem Projekt aus seiner Sicht klar ihre Unterstützung gegeben.

„Emmanuel Grégoire stellt sich klar hinter das Vorhaben. Trotz einer starken Opposition hat Paris seine Zustimmung erteilt.“

Nach Angaben von Julien Lacaze steht hinter dem Projekt auch ein Teil der Regierung. Die Anforderung zur Änderung des PSMV sei vom Präfekten der Region und vom Polizeipräfekten von Paris ausgegangen. Nach seiner Interpretation bedeutet das, dass auch das Kulturministerium das Projekt unterstützt.

„Wir werden alles ausschöpfen, was rechtlich möglich ist. Wir haben das Recht, Petitionen zu organisieren, und wir werden die Baugenehmigung vor Gericht anfechten“, kündigt er an.

„Wenn dieses Gebäude entsteht, wird es zum Symbol für mangelnde Sensibilität, Starrsinn und das überdimensionierte Ego mancher Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Paris.“

Der Verein will weiter Unterschriften für seine Petition sammeln, sich in das laufende öffentliche Verfahren zur Änderung des PSMV einbringen und anschließend juristisch gegen die künftige Baugenehmigung vorgehen.

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