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Frankreich verbietet Telefonwerbung: das ändert sich ab dem elften August

Eine Person nutzt ihr Handy nahe der Tour Eiffel in Paris am Mittwoch, 31. August 2022.
Eine Person schaut auf ihr Smartphone nahe dem Eiffelturm in Paris am Mittwoch, 31. August 2022. Copyright  AP Photo/Aurelien Morissard, File
Copyright AP Photo/Aurelien Morissard, File
Von Nathan Joubioux mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Telefonwerbung begleitet den Alltag der Französinnen und Franzosen so stark wie nie zuvor, trotz vieler neuer Regeln. Jetzt zieht die Regierung die Zügel an.

Telefonwerbung steht vor dem Aus – zumindest in ihrer bisherigen Form. Am Dienstag, dem elften August, tritt ein Gesetz in Kraft, das von der Regierung Emmanuel Macrons unterstützt wird und die Regeln deutlich verschärft. Unerwünschte Werbeanrufe sollen damit verboten werden. Ziel ist es, Verbraucher vor aufdringlichen Verkaufsversuchen zu schützen und besonders verletzliche Menschen vor betrügerischen Praktiken zu bewahren.

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Künftig ist es verboten, Verbraucher ohne ihre vorherige Zustimmung anzurufen. Diese Einwilligung „kann jederzeit widerrufen werden“, betont Alice Vilcot, Kabinettschefin der französischen Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung.

Ganz verschwinden die Anrufe dennoch nicht. Zwei Ausnahmen bleiben: Unternehmen dürfen Sie weiterhin kontaktieren, wenn Sie dem bei einem Kauf, einem Besuch im Geschäft oder über ein Formular vorher zugestimmt haben. Zulässig sind Anrufe auch, wenn sie sich auf einen Vertrag beziehen, den Sie bereits abgeschlossen haben.

Die Regierung verweist auf jahrelange Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Behörden schätzen, dass in Frankreich rund drei Viertel der Menschen mindestens einmal pro Woche einen unerwünschten Werbeanruf erhalten, viele noch deutlich häufiger.

Darauf weist auch der Content-Produzent Micode auf seinem Youtube-Kanal hin. In einer monatelangen Recherche (Quelle auf Französisch) zeigt er, wie Telefonwerber arbeiten – von aggressiven Verkaufstechniken bis zu Konstruktionen, die Opfer von rechtlichen Schritten abhalten sollen.

Schon 2024 hatten elf Verbraucherorganisationen gemeinsam ein Verbot gefordert. Sie prangerten das „unablässige Belästigen der Verbraucher durch zahllose unerwünschte Werbeanrufe auf Festnetz- und Mobiltelefonen an – eine Zumutung, die mittlerweile zum festen Bestandteil ihres Alltags geworden ist“.

Bei Verstößen drohen hohe Strafen. Privatpersonen können zu Geldbußen von bis zu 75.000 Euro je Anruf verurteilt werden. Für Unternehmen sind Strafen von bis zu 375.000 Euro pro Anruf möglich.

Bisherige Maßnahmen greifen kaum

In den vergangenen 15 Jahren hat der Staat schon mehrere Regeln erlassen: Werbeanrufe von Mobilnummern mit 06 oder 07 sind verboten, ebenso Anrufe zu bestimmten Tageszeiten und am Wochenende. Betroffen waren bislang aber nur einzelne Branchen, etwa die berufliche Weiterbildung, der Umbau von Wohnungen für Menschen mit Behinderung oder ältere Personen sowie die energetische Sanierung. Nun gilt das Verbot fast für alle Bereiche.

Eine weitere Möglichkeit war bislang die Eintragung in eine Plattform, um nicht kontaktiert zu werden. „Wir wechseln damit von einem Widerspruchsmodell zu einem Modell mit vorheriger Zustimmung“, heißt es im französischen Finanzministerium in Bercy.

Für die Verbraucherorganisation Que Choisir (Quelle auf Französisch) ist damit jedoch noch nicht Schluss. Denn ohne Telefon bleibt vielen Betrügern nur der nächste Kanal. „Zahlreiche Gauner werden versuchen, sich ein neues Spielfeld zu suchen und verstärkt auf Haustürgeschäfte setzen“, warnt die Vorsitzende Marie-Amandine Stévenin. Sie fordert bereits jetzt klare Regeln für diese Form des Verkaufs.

Marokko: Sorge um Callcenter-Jobs

Das neue französische Gesetz sorgt in Marokko für Unruhe. Arbeitsminister Younes Sekkouri teilte Abgeordneten mit, dass in den Callcentern des Landes bis zu 50.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Die Branche habe rund 100 Millionen Dollar an Investitionen angezogen und erwirtschafte jährlich mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz, sagte er.

Niedrige Lohnkosten, viele frankophone Arbeitskräfte und vergleichsweise schwache Gewerkschaften haben Marokko für internationale Konzerne attraktiv gemacht – vor allem für französische Unternehmen, die ihre Kosten senken wollen.

Youssef Chraïbi, Präsident der marokkanischen Föderation für ausgelagerte Dienstleistungen, sagte der Tageszeitung Le Matin, der französische Markt habe historisch mehr als 80 % des Branchenumsatzes ausgemacht. „Reines Telefonmarketing macht inzwischen nur noch 15 bis 20 % der gesamten Aktivität aus“, ergänzte er und betonte, dass sich der Sektor über klassische Callcenter-Dienste hinaus deutlich diversifiziert habe.

Andere Länder schränken Telefonwerbung ein

Deutschland hat seit 2009 ein ähnliches System. Die Niederlande haben die Regeln für Telefonwerbung im vergangenen Monat weiter verschärft. Dort waren unerwünschte Verkaufsanrufe bereits verboten. Neu ist, dass Unternehmen nun auch ihre eigenen Kundinnen und Kunden nicht mehr ohne vorherige Zustimmung mit Sonderangeboten anrufen dürfen.

Viele weitere Staaten setzen auf sogenannte Opt-out-Systeme. In den USA können sich Menschen in das nationale Verzeichnis „Do Not Call Registry“ eintragen lassen, um die Zahl unerwünschter Werbeanrufe zu verringern.

Kanada hat seine eigene „Liste d’opposition“, Großbritannien den Telephone Preference Service. Unternehmen, die Personen trotz deren Eintrag in diese Listen anrufen, müssen mit Geldbußen von bis zu 500.000 Pfund (583.000 Euro) pro Anruf rechnen.

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