Loader
Finden Sie uns
Werbung

Australien verbannt KI-generierte Musik aus den offiziellen Charts

Auf dem Computerbildschirm sind Wellenformen von Aufnahmen verschiedener Instrumente zu sehen. Auf SUNO entsteht ein KI-Musikstück.
Auf einem Computerbildschirm sind Wellenformen von Tonspuren verschiedener Instrumente zu sehen, während auf SUNO ein KI-Musikstück entsteht. Copyright  Credit: AP Photo
Copyright Credit: AP Photo
Von Theo Farrant
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Australiens Schritt erfolgt, während KI-Musik die Streamingdienste flutet; laut einer neuen Studie war im Juli 38,5 % der weltweit veröffentlichten Titel KI-generiert.

Australien hat weitgehend oder vollständig KI-generierte Songs aus seinen offiziellen Musikcharts verbannt. Veröffentlichungen müssen künftig „überwiegend von Menschen gemacht“ sein.

WERBUNG
WERBUNG

Die Australian Recording Industry Association (ARIA) erklärt, die neuen Regeln sollen die „menschliche Seite von künstlerischer Arbeit“ stärken. KI-Tracks tauchen inzwischen immer häufiger auf Streaming-Plattformen, im Radio und sogar in den Charts auf.

Der Schritt folgt einer Kontroverse um den australischen DJ Josh Fawaz. Sein KI-gestütztes Cover von Madonnas „Like A Prayer“ stand kürzlich auf Platz eins der ARIA-Dance-Single-Charts und erreichte insgesamt Rang zwei.

Nach heftiger Kritik ergänzte Fawaz die Credits des Songs um Hinweise auf generative KI. Allein bei Spotify wurde der Titel mehr als 48 Millionen Mal gestreamt.

Neue Regeln: Was Künstler dürfen und was nicht

Nach den neuen ARIA-Regeln können Künstler KI weiterhin im kreativen Prozess einsetzen. Den Song selbst müssen aber Menschen schreiben. Auch Hauptgesang und zentrale Instrumente müssen von Menschen stammen. KI-unterstütztes Mastering bleibt ebenfalls erlaubt.

ARIA-Chefin Annabelle Herd sagt: „Künstler nutzen schon heute KI-Werkzeuge in ihrer Arbeit. Die Charts können und sollten sich weiterentwickeln, um dafür Raum zu lassen. Aber Musik, die komplett von Diensten erzeugt wird, die auf den Aufnahmen von Künstlern basieren, ist etwas anderes.“

Sie ergänzt: „Eine Chart, die nicht lizenzierte KI-Produktionen belohnt, würde die Grundlage der aufgenommenen Musik untergraben, die wir vertreten sollen.“

Zuletzt erklärte der siebenfach mit einem Grammy ausgezeichnete Produzent Dr. Dre in einem Interview mit der New York Times, er sehe KI als weiteres Werkzeug im Musik-Tech-Werkzeugkasten. Er sagte: „Ich sehe darin keine Bedrohung. Bedroht fühlen sich aus meiner Sicht nur Menschen, denen das Kreativsein schwerfällt.“

Er fügte hinzu: „Ich habe vor ein paar Tagen mit einigen Leuten diskutiert. Sie waren gegen KI, und ich meinte: ‚Okay, du klingst wie jemand, der damals auch gegen die Drum-Machine gewesen wäre, als sie herauskam. Oder gegen Synthesizer, oder?‘“

Wachsende Sorge über KI-Musik

Die ARIA-Entscheidung fällt in eine Zeit, in der KI in der Musikwelt immer präsenter wird und kaum noch zu übersehen ist.

Eine neue Studie von SubmitHub, einer Onlineplattform für das Einreichen von Musik an Playlists und Blogs, zeigt: Fast 40 Prozent der weltweit im Juli 2026 veröffentlichten neuen Songs nutzten KI bei der Entstehung.

Das Unternehmen analysierte mehr als eine Million Titel mit seinem KI-Detektor SH Labs. Ergebnis: 23,2 Prozent waren komplett KI-generiert. Weitere 15,3 Prozent enthielten KI-Audio, das von Menschen „verändert oder weiterverarbeitet“ worden war.

Ein Computerbildschirm zeigt die frühen Schritte bei der Entstehung eines KI-Songs.
Ein Computerbildschirm zeigt die frühen Schritte bei der Entstehung eines KI-Songs. Credit: AP Photo

SubmitHub-Gründer Jason Grishkoff erklärte in einer Stellungnahme: „Der Weg für KI-Musik führt über Transparenz. Die Menschen sollten selbst entscheiden können, ob sie sich mit KI-generierter Musik beschäftigen wollen.“

Spotify ergreift nun Maßnahmen, damit Hörer KI-generierte Künstler schneller erkennen. Ab September will der Streamingriese einigen Profilen ein „AI Persona“-Label hinzufügen. Nutzer können so leichter erkennen, welche Künstler ihre Musik möglicherweise mit Hilfe künstlicher Intelligenz erzeugen.

KI-Personas sollen zudem aus den redaktionellen und algorithmischen Empfehlungen von Spotify herausfallen. So will die Plattform Musik von echten menschlichen Musikerinnen und Musikern stärker sichtbar machen.

Im vergangenen Jahr teilte die Plattform mit, sie habe innerhalb von zwölf Monaten 75 Millionen Spam-Titel entfernt. KI-Werkzeuge hätten zu einer Flut minderwertiger und betrügerischer Musik beigetragen.

KI-Musik: Beunruhigender Erfolg

Aber hören die Menschen diese KI-generierte Musik tatsächlich? In manchen Fällen ja.

The Velvet Sundown lieferte einen frühen Eindruck davon, wie mühelos KI-Künstler in den Mainstream vordringen können. Das psychedelische Rockprojekt tauchte 2025 bei Spotify auf und gewann schnell mehr als eine Million monatliche Hörer. Im Juni erschienen zwei Alben.

Die angeblich vier Mitglieder – mit Namen, Fotos und ausführlichen Biografien, angeführt vom Sänger und „Mellotron-Zauberer“ Gabe Farrow – ließen die Band wie ein echtes Quartett aus den USA erscheinen.

KI-generiertes Bild der fiktiven Band The Velvet Sundown
KI-generiertes Bild der fiktiven Band The Velvet Sundown Credit: The Velvet Sundown

Bald kamen Zweifel auf. Reddit-Nutzer stellten die Echtheit der Band infrage, nachdem ihre Songs in den Discover-Weekly-Playlists der Hörer auftauchten. Die Bilder und das Promo-Material der Gruppe wirkten zudem offensichtlich künstlich.

Die Social-Media-Kanäle der Band wiesen die Vorwürfe zunächst zurück. Man beharrte darauf, die Musik sei von „echten“ Menschen mit „echten Instrumenten, echtem Verstand und echter Seele“ geschaffen worden.

Schließlich wurde das Spotify-Profil von The Velvet Sundown aktualisiert und die Wahrheit offengelegt. Die Band bezeichnet sich seitdem als „synthetisches Musikprojekt unter menschlicher kreativer Leitung“. Musik, Stimmen, Texte und Bilder entstehen mit Unterstützung von KI.

Die Gruppe verzeichnet weiterhin mehr als 100.000 monatliche Hörer, mehrere Songs kommen auf über eine Million Streams.

Das Phänomen zeigt sich inzwischen auch in klassischen Erfolgsmetriken. Das KI-Country-Projekt Breaking Rust erreichte im vergangenen Jahr mit „Walk My Walk“ Platz eins der Billboard-Chart Country Digital Song Sales.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Studie: Fast 40 Prozent der im Juli 2026 weltweit erschienenen Musik nutzt KI

Gestohlenes geistiges Eigentum: deutsches Gericht sieht KI-Musikdienst Suno im Rechtsbruch

Australien verbannt KI-generierte Musik aus den offiziellen Charts