Eine Deutsche, die als Kontaktperson einer der auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" verstorbenen Deutschen gilt, ist inzwischen ins Universitätsklinikum Düsseldorf gebracht worden. Wie wird es den übrigen Passagieren ergehen, wenn sie von Bord gehen können?
Eine 65-jährige Deutsche, die als Kontaktperson eines der drei Hantavirus-Todesopfer auf der "Hondius" gilt, ist Medienberichten zufolge am Mittwochabend nach einem Flug mit einem Spezialflugzeug nach Amsterdam mit einem Hochinfektions-Konvoi der Feuerwehr in das Universitätsklinikum Düsseldorf eingeliefert worden. Die Frau ist bislang asymptomatisch und ein Verdachtsfall, eine Infektion wurde zunächst nicht bei ihr festgestellt. Sie soll in dem auf hochansteckende Infektionsfälle spezialisierten Krankenhaus beobachtet und behandelt werden. Sofern dies aus medizinischer Sicht möglich ist, soll sie in die Nähe ihres Heimatortes verlegt werden.
Drei Verdachtsfälle waren am Mittwochvormittag im Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia von der "Hondius" abgeholt worden, nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters und des niederländischen Außenministeriums die Deutsche und zwei erkrankte Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und den Niederlanden.
Was passiert mit den übrigen Passagieren an Bord des Kreuzfahrtschiffes? Die "Hondius" brach am Mittwochabend Richtung Teneriffa auf. Spaniens Regierung hat in Aussicht gestellt, dass das Schiff dort anlegen kann. Unsere Redaktion in Madrid hat die Details für die spanischen Passagiere recherchiert:
Die 14 Spanier an Bord der "Hondius" werden nach dem Eintreffen auf Teneriffa nach Madrid überführt werden. Dort werden sie bis zu 45 Tage lang in der modernsten Isolierstation Spaniens unter Quarantäne gestellt. Die Hochisolationseinheit im Gómez Ulla Central Defence Hospital in Madrid wurde 2014 nach der Ebola-Krise eingerichtet und schon bei der Rückführung von Bürgern aus Wuhan zu Beginn der COVID-19-Pandemie genutzt.
Die Hochisolationseinheit ist keine herkömmliche Krankenhausstation. Sie verfügt über acht doppelt verschlossene Zimmer und arbeitet mit einem mehrstufigen Unterdrucksystem, das verhindert, dass Krankheitserreger nach außen dringen können.
Von einem zentralen Kontrollraum aus können die Patienten mit hochauflösenden Kameras überwacht werden, ohne dass ein ständiger Körperkontakt erforderlich ist. Dies ist insofern von Bedeutung, als es mindestens 15 Minuten dauert, bis das Personal die Schutzausrüstung korrekt angelegt hat. Die Patienten sollen direkt von der Tiefgarage aus in einem speziellen Hubwagen mit eigenem gefiltertem Belüftungssystem eingeliefert werden.
Warum so lange Quarantäne?
Die Inkubationszeit des Hantavirus kann bis zu 45 Tage betragen, wie Gesundheitsministerin Mónica García und Maria João Forjaz, Präsidentin der Spanischen Gesellschaft für Epidemiologie, mitteilten.
Entsprechend diesem Zeitraum, gerechnet ab der letzten möglichen Exposition gegenüber dem Virus, wird die Dauer der Isolierung festgelegt. Die Infektionen an Bord der Hondius wurden nach Angaben der WHO zwischen dem 6. und 28. April festgestellt, so dass es schwierig ist, genau zu bestimmen, ab welchem Datum die Frist beginnt.
Einige Experten haben die Frage gestellt, ob es möglich wäre, die Quarantäne durch serologische Tests zu verkürzen. Die Antwort lautet nein. Forjaz stellte klar, dass Menschen ohne Symptome keine Blutindikatoren haben, die bestätigen, ob sie infiziert sind oder nicht. Die einzige Möglichkeit ist die kontinuierliche Überwachung der Symptome.
Der Prozess beginnt mit einem grippeähnlichen Bild (Fieber, Unwohlsein, möglicherweise gastrointestinale Symptome) und entwickelt sich in schweren Fällen zu pulmonalen Komplikationen, die intensivmedizinische Betreuung erfordern. Zwischen den ersten und den schwersten Symptomen können drei bis sechs Tage vergehen. Es ist also entscheidend, schnell zu reagieren.
Kein Impfstoff, kein Medikament: Timing ist alles
Für das Hantavirus gibt es weder eine spezifische Behandlung noch einen Impfstoff. Was es gibt, sind lebenserhaltende Maßnahmen: Auf der Intensivstation bekämpft der Körper des Patienten die Infektion selbst. Die Sterblichkeitsrate kann bis zu 50 % betragen, sie sinkt jedoch erheblich, wenn der Patient im Frühstadium behandelt wird.
Deshalb ist der Aufenthalt im Gómez Ulla nicht nur eine Eindämmungsmaßnahme, sondern auch eine Garantie für den sofortigen Zugang zur Intensivmedizin, falls einer oder eine der Betroffenen während der Überwachungszeit Symptome entwickelt.
Das Zentrum verfügt auch über ein Biosicherheitslabor, das in der Lage ist, Hochrisikoanalysen durchzuführen, ohne dass Proben aus der Einheit entnommen werden müssen, und das die Anforderungen der "Stufe 4", der anspruchsvollsten Reaktionsstufe, erfüllt.
Geringes Risiko für die Bevölkerung, aber maximale Protokolle
Alle Passagiere, die in Teneriffa ankommen, sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden asymptomatisch und bei guter Gesundheit. Das Schiff wird im Hafen von Granadilla de Abona anlegen, einem Hafen mit wenig Verkehr, um den Kontakt mit der Bevölkerung zu minimieren. Das sie betreuende Gesundheitspersonal wird eine vollständige persönliche Schutzausrüstung tragen und strenge Protokolle für das An- und Ausziehen einhalten.
Das Risiko einer Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut WHO sehr selten. Bei der auf der "Hondius" aufgetretenen Virusvariante handelt es sich um den ursprünglich aus Argentinien stammenden Andenstamm, der durch sehr engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, z. B. zwischen Menschen, die zusammenleben, oder zwischen einem Patienten und dem ihn betreuenden Gesundheitspersonal.
Nach Einschätzung von Nacho de Blas, Professor für Tierpathologie an der Universität Zaragoza, handelt es sich um ein Virus, das "sehr tödlich, aber nicht sehr ansteckend" ist. Ähnlich wie die Experten in Deutschland beruhigt auch Epidemiologin Forjaz für ihr Land: "Wir werden in Spanien auf keinen Fall eine Hantavirus-Epidemie bekommen".