Das Rüstungsunternehmen Quantum System tut sich für autonome Konvois im Auftrag der Bundeswehr mit dem Automobil-Gigangen Daimler Truck zusammen. Die LKWs sollen die Logistik unter schwierigen Einsatzbedingungen übernehmen.
Hochautomatisiert, unbemannt und aus der Ferne zu steuern - so stellt sich die Bundeswehr LKWs in der Verteidigung künftig vor. Solche Konvois könnten beispielsweise medizinische Versorgung zu gefährlichen Einsatzorten transportieren.
Dafür hat die Bundeswehr einen Auftrag an das Rüstungsunternehmen Quantum Systems und den Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler Truck vergeben. Die Unternehmen sollen gemeinsam eine unbemannte Konvoilösung entwickeln und auch selbst erproben.
Ziel ist es dabei auch, einen neuen Grundsatz für die Zulassung autonomer Transportfahrzeuge bei der Bundeswehr aufzustellen.
Unbemannte LKWs für Einsatzgebiete der Bundeswehr
Dabei stellt Daimler Truck die Fahrzeugplattformen zur Verfügung. Die Technologie für das autonome Fahren und das Steuern soll Quantum Systems mitbringen.
"Die Fahrzeuge sollen künftig in der Lage sein, Konvoifahrten automatisiert oder teleoperiert durchzuführen", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. So sollen auch schwierige Einsatzbedingungen und eingeschränkte Kommunikationsinfrastruktur überwunden werden.
Es wird davon ausgegangen, dass künftig mehr logistische Leistung mit relativ wenig Personal erbracht werden soll. "Der massive Aufwuchs der Logistiktruppe der Bundeswehr, kann nur durch hochautomatisierte und autonome Bodenfahrzeuge gelingen", sagt Hendrik Kramer, Vice President Land Domain bei Quantum Systems. "Die Bundeswehr benötigt eine skalierbare und belastbare Logistik, die auch bei begrenzten personellen Ressourcen zuverlässig funktioniert", erklärt er weiter.
Autonome Konvoilösungen sieht Kramer als elementaren Bestandteil der Drehscheibe Deutschland. Denn die geplante Erweiterung der Bundeswehr-Truppe erfordert gleichzeitig mehr Material, Transport und Versorgung. Vor diesem Hintergrund gewinne die Automatisierung llogistischer Prozesse zunehmend an strategischer Bedeutung, so Quantum weiter.
Projekt noch in der Forschung
Die Automatisierung von Transporten soll die Logistik effizienter machen, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. Das würde die operative Belastung von Soldaten reduzieren und ermöglichen, dass verfügbares Personal gezielter eingesetzt werde. Auch die Versorgung in Gebieten, in denen Kampfhandlungen stattfinden oder ein großes Risiko dafür besteht, soll somit besser absichert werden. Autonome Fahrzeuge könnten die Resilienz und Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte erhöhen.
"Im Forschungsvorhaben InterRoC untersuchen wir, wie sich unsere bewährte Fahrzeugtechnologie mit den KI-basierten Autonomiefunktionen von Quantum Systems verbinden lässt", erklärt Daniel Zittel, Chief Sales Officer von Daimler Truck Defence. Auch Zittel betont, dass damit der Umfang, die Effizienz und die Resilienz der Logistik der Bundeswehr gesteigert werden soll. Sie würden einem vernetzten und hochautomatisierten Ansatz folgen und wollen so "die Grundlage für die nächste Generation militärischer Transport- und Versorgungssysteme schaffen".
Nach der Erprobung könnten die Fahrzeuge außerdem den Grundstein für eine neue Zulassung legen. Denn in Zukunft könnte der Einsatz autonomer Fahrzeuge Alltag in der Bundeswehr werden.
Unternehmen kennen bereits Ansprüche der Bundeswehr
Daimler Truck hat bereits öfter Aufträge der Bundeswehr bekommen, sowohl für Logistik als auch für Einsatzfahrzeuge wie den sogenannten "Wolf". Die militärische Version der Mercedes-Benz G-Klasse gehört inzwischen zu den Standardfahrzeugen der Truppe. Die Bundeswehr nutzt Daimler-Fahrzeuge hauptsächlich für Transport, Versorgung, Sanitätsdienste und Mobilität.
Die Ausweitung in die Rüstung hat das Unternehmen mit der Marke "Daimler Truck Defence" im laufenden Jahr bestätigt. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben an, den Umsatz im Verteidigungsbereich bis 2028 auf rund eine Milliarde Euro zu steigern.
Auch für Quantum System ist die Bundeswehr kein unbekannter Auftraggeber. Das Unternehmen aus dem Raum München ist zu einem wichtigen Drohnenlieferanten geworden. Quantum Systems soll beispielsweise 747 Twister-Aufklärungsdrohnen an die Bundeswehr liefern. Der zunächst bekannte Auftragswert liegt bei etwa 85 Millionen Euro.
Neben Drohnentechnologie bietet das Unternehmen auch Software-Lösungen an, wie etwa das KI-gestützte MOSAIC-System. Die Bundeswehr sieht das Unternehmen darüber hinaus als Technologiepartner für die Digitalisierung.