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Hantavirus-Ausbruch: EU dringt auf engere Gesundheitskoordination über Grenzen hinweg

Ein Passagier besteigt am Sonntag auf dem Flughafen Teneriffa ein spanisches Regierungsflugzeug, nachdem er das vom Hantavirus betroffene Schiff MV Hondius verlassen hat.
Ein Passagier besteigt am Sonntag auf dem Flughafen von Teneriffa einen spanischen Regierungsjet, nachdem er das Hantavirus-Schiff MV Hondius verlassen hat. Copyright  AP Photo/Arturo Rodriguez
Copyright AP Photo/Arturo Rodriguez
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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EU-Staaten verstärken nach einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff ihre Gesundheitsabstimmung; Experten betonen: kein zweites Covid.

Die Covid-19-Pandemie wirkt nach. Gesundheitsexperten betonen zwar, dass der Hantavirus-Ausbruch kaum mit dem Coronavirus zu tun hat. Dennoch wollen die EU-Mitgliedstaaten ihre Abstimmung und Vorsorge verstärken.

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Die EU-Botschafter beraten in Brüssel über gemeinsame Reaktionspläne und den Austausch von Informationen.

Ziel des Treffens ist, dass die Staaten ihre Daten teilen und im Schengen-Raum vergleichbare Abläufe einführen.

Inzwischen haben die Behörden alle Passagiere in ihre Herkunftsländer gebracht. Dort gelten nun die jeweiligen nationalen Vorschriften.

Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehen eine strenge Überwachung zu Hause oder in einer Quarantäneeinrichtung für 42 Tage vor, beginnend am zehnten Mai.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte jedoch, jedes Land könne diese Empfehlungen an seine nationale Lage anpassen.

Derzeit unterscheiden sich die Vorgaben je nach Land. Spanische Passagiere verbringen ihre Quarantäne im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Madrid. In den Niederlanden und in Belgien isolieren sich die Rückkehrer dagegen zu Hause.

„Wir dürfen nicht vergessen: Sie waren einen Monat auf einem Schiff. Kein Besuch, keine Nähe zu ihren Angehörigen. Auch das müsse man berücksichtigen“, sagte Gianfranco Spiteri, Leiter des Bereichs globale Epidemieüberwachung und Gesundheitssicherheit beim Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

„Doch die oberste Priorität ist, dass es für die Passagiere und ihre Angehörigen sicher ist.“

Spiteri ergänzte, die Staaten entschieden selbst, wo und wie sie die Passagiere isolieren. Sie berücksichtigten dabei, welche medizinischen Einrichtungen zur Verfügung stehen, ob jemand zu Hause geeignete Bedingungen für eine Quarantäne hat und wie gut eine Behandlung im Notfall erreichbar ist.

Zwei Passagiere – einer in Frankreich, einer in Spanien – haben während der Quarantäne Symptome entwickelt und werden nun im Krankenhaus behandelt.

Das ECDC bestätigte zudem, dass die Behörden alle europäischen Passagiere des Schiffs ausfindig gemacht haben und dass sie nun die erforderlichen medizinischen und Quarantänevorgaben befolgen.

Hantavirus-Ausbruch: EU setzt auf engere Abstimmung

Der Hantavirus-Ausbruch hat die Notfall- und Koordinierungsmechanismen der Europäischen Union in Gang gesetzt.

Der Ausbruch habe „uns allen unsere Verwundbarkeit im Bereich Gesundheit vor Augen geführt“, sagte der EU-Kommissar für internationale Partnerschaften, Joseph Sikela, am Mittwoch bei der Vorstellung der Global Resilience Initiative.

„Wir erinnern uns alle an die Folgen von Covid-19 für unser Leben. Tatsächlich nehmen Häufigkeit und Intensität von Krankheitsausbrüchen zu“, fügte er hinzu.

Die Initiative ist der jüngste Versuch der EU, globalen Gesundheitskrisen mit besserer Prävention und schnelleren Reaktionen auf künftige Bedrohungen zu begegnen.

Nachdem auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius ein Ausbruch festgestellt worden war und feststand, dass das Schiff in Spanien anlegen würde, aktivierte das Land den EU-Katastrophenschutzmechanismus. Über dieses Instrument können sich die Mitgliedstaaten bei Notlagen gegenseitig unterstützen.

Über diesen Mechanismus beteiligten sich mehrere EU-Länder mit Evakuierungsflügen und Transportlösungen an einem gemeinsamen Einsatz.

Nach Angaben der EU-Kommission haben Frankreich, die Niederlande, Griechenland und Irland Evakuierungsflüge durchgeführt, die von der EU koordiniert und mitfinanziert wurden. Drehkreuz war der Flughafen Teneriffa Süd.

„Gesundheitsbedrohungen machen vor Grenzen nicht halt. Deshalb ist Abstimmung entscheidend“, sagte die EU-Kommissarin für Krisenvorsorge und -management, Hadja Lahbib.

Hantavirus unterscheidet sich deutlich von Covid-19

Trotz der vielen Vergleiche stellen Fachleute klar: Hantavirus ist etwas anderes als Covid-19.

„Es hat mit Covid überhaupt nichts zu tun. Es ist ein anderes Virus, mit einem anderen Krankheitsverlauf“, sagte Luke O’Neill, Professor für Biochemie am Trinity College Dublin, in der Euronews-Morgensendung Europe Today.

Sein Rat an die Menschen lautet: „Machen Sie sich keine Sorgen.“

O’Neill erklärte, anfangs habe es die Sorge gegeben, das Virus könne mutiert sein. Inzwischen stehe fest, dass es sich um den bereits bekannten Anden-Stamm handelt.

„Das Thema ist überall in den Medien, die Menschen in Europa sind beunruhigt. Alles, was wir tun können, um sie zu beruhigen, ist daher besonders wichtig“, so O’Neill weiter.

Auch die WHO-Epidemiologin für Infektionskrankheiten, Maria Van Kerkhove, beruhigte bei einer Pressekonferenz: „Das ist nicht SARS-CoV-2. Das ist nicht der Beginn einer neuen Covid-Pandemie. Es handelt sich um einen Ausbruch, den wir auf einem Schiff beobachten.“

Sie erläuterte, Hantaviren verbreiteten sich nicht wie Coronaviren, sondern vor allem durch „engen, intimen Kontakt“.

Wie geht es weiter?

Das ECDC richtet seine Untersuchungen nun darauf, wie sich die Passagiere angesteckt haben und was sich noch über das Virus lernen lässt.

„Unsere derzeitige Arbeitshypothese ist, dass sich der erste Fall wahrscheinlich während einer Reise in Argentinien infiziert hat, in den Wochen vor dem Einschiffen“, sagte Spiteri. „Sehr wahrscheinlich hat dieser Passagier das Virus dann an die anderen weitergegeben, die es an Bord erworben haben. Die bekannten Inkubationszeiten passen zu diesem Ablauf.“

Die Behörde stellte klar, dass es keinen Hinweis auf ein neues Virus oder einen neuen Virusstamm gibt.

„Wir hoffen, aus diesem Ereignis und aus diesen Ausbrüchen künftig viel zu lernen. Das wird uns helfen, besser zu reagieren und Erkrankungen zu verhindern“, fügte er hinzu.

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