Italien, Spanien, Rumänien und Nordmazedonien stehen auf der Übertragungskarte der Behörden. In Griechenland gilt das Virus inzwischen tatsächlich als "etabliert", in Deutschland ebenfalls.
Die Saison der Übertragung des West-Nil-Virus läuft in vielen Regionen Europas, und auch Griechenland gehört nun zu den Ländern, in denen menschliche Infektionen erfasst wurden. Auf der europäischen Überwachungskarte kommen laufend neue Gebiete hinzu.
Nach den neuesten Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) (Quelle auf Englisch) wurden bis Mitte Juli lokal übertragene Fälle in Griechenland, Italien, Spanien, Rumänien und Nordmazedonien gemeldet.
In Griechenland meldet die dortige Gesundheitsbehörde EODY (Quelle auf Griechisch), dass seit Beginn der Überwachungssaison 2026 bis einschließlich 22. Juli 21 einheimische Fälle einer Infektion mit dem West-Nil-Virus diagnostiziert wurden.
Bei Patienten zeigte sich eine Beteiligung des zentralen Nervensystems, etwa mit Enzephalitis, Meningitis oder akuter Lähmung. Ein Fall verlief mit milden Symptomen. Bislang sind keine Todesfälle bekannt. 13 Erkrankte liegen derzeit im Krankenhaus.
Schwere Krankheitsverläufe sind selten, können aber insbesondere bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem auftreten.
In der letzten Woche kamen 14 neue einheimische Fälle hinzu. Außerdem entdeckten die Fachleute einen weiteren Fall mit komplexer Reisegeschichte, einschließlich eines Aufenthalts in einem endemischen Staat im Ausland. Für diese Person ist das wahrscheinliche Infektionsland noch unklar, sie fließt deshalb nicht in die epidemiologische Analyse des EODY ein.
In Deutschland etabliert
Das Virus hat sich inzwischen auch in Deutschland etabliert und wird in den Sommermonaten durch einheimische Stechmücken übertragen. Seit 2019 werden jährlich lokal erworbene Infektionen registriert.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden 2024 insgesamt 26 Fälle gemeldet, 2025 waren es bislang vier. Die meisten Infektionen traten in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf. Rund 80 Prozent der Infizierten entwickeln keine Symptome.
West-Nil-Virus: Lage im übrigen Europa
Nach den bis zum 15. Juli 2026 an das ECDC übermittelten Daten wurden insgesamt 33 lokal übertragene Fälle des West-Nil-Virus in fünf Staaten Europas und ihrer direkten Nachbarschaft registriert.
Italien verzeichnet die stärkste Ausbreitung mit 20 Fällen in 16 Regionen. Die meisten Meldungen kamen aus Novara mit drei Fällen sowie aus Cremona und Verona mit jeweils zwei. Weitere Infektionen traten unter anderem in Mailand, Florenz, Neapel, Padua, Modena und Ferrara auf.
In Nordmazedonien wurden zwei Fälle in den Regionen Skopje und Vardar gemeldet. Zwei Infektionen wurden in Rumänien registriert, in den Kreisen Argeș und Suceava, sowie zwei in Spanien, je ein Fall in Alicante und Sevilla.
Die Karte des ECDC zeigt sowohl Gebiete mit bereits gemeldeten Fällen als auch Regionen, die in der letzten Berichtswoche erstmals als betroffen eingestuft wurden. In Italien kamen in dieser Woche elf der 16 betroffenen Gebiete neu hinzu. Das verdeutlicht, wie schnell sich das Virus ausbreitet.
Griechenland im Überblick: Die meisten Infektionen in Attika
Die große Mehrheit der Fälle tritt in Attika auf, der Region um die Hauptstadt Athen.
Fälle wurden in folgenden Gemeinden registriert: Spata–Artemida (6), Markopoulo Mesogaias (2), Pallini (2), Agia Paraskevi (2), Vari–Voula–Vouliagmeni (1), Kropia (1), Lavreotiki (1), Nea Ionia (1), Chalandri (1), Gemeinde Athen, 6. Stadtbezirk (1), Glyfada (1).
Außerhalb Attikas verzeichneten die Behörden jeweils ein Fall in der Regionaleinheit Larisa und in der Gemeinde Palamas.
Obwohl dort bislang keine menschlichen Infektionen bekannt sind, stuft EODY die Gemeinden Paiania, Rafina–Pikermi, Marousi, Iraklio Attikis und Filothei–Psychiko als Hochrisikogebiete ein.
Die Einstufung stützt sich auf epidemiologische und geomorphologische Daten sowie auf die Nähe zu Gebieten, in denen das Virus bereits zirkuliert.
EODY weist darauf hin, dass das nahezu jährliche Auftreten von Fällen seit 2010 zeigt: Das West-Nil-Virus hat sich in Griechenland etabliert, wie auch in mehreren anderen europäischen Staaten.
Das ECDC veröffentlicht in der Sommerzeit wöchentliche Lageberichte, da die Übertragung des Virus von den Wetterbedingungen, der Zahl der Mücken und den Wanderbewegungen von Wildvögeln abhängt, die als natürliche Reservoirs des Virus gelten.
Die Gesundheitsbehörde empfiehlt landesweit persönlichen Schutz vor Mücken, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, welche Regionen in der diesjährigen Übertragungssaison betroffen sein werden.