Die WHO warnt: Rauch aus Waldbränden in Südeuropa wird zur wachsenden Gesundheitsgefahr. Behörden sollen gefährdete Menschen besser schützen.
In Südeuropa wüten derzeit Brände. Es ist eine der schlimmsten Waldbrandsaisons seit Jahren. Die Feuer zwingen Behörden zu Massenevakuierungen, zerstören Infrastruktur und fordern Menschenleben.
Die Belastung für die Gesundheit der Menschen und für die Gesundheitssysteme nimmt in der ganzen Region ebenfalls zu.
„Das sind nicht nur einzelne Brände, die die Existenzgrundlagen zerstören und eine unmittelbare Gefahr schaffen; es handelt sich um einen echten Notfall für die Gesundheit“, sagte Dorota Jarosinska, Programmleiterin am Europäischen Zentrum der Weltgesundheitsorganisation für Klima, Umwelt und Gesundheit, gegenüber Euronews Health.
Sie betonte, dass die Folgen lange nach dem Löschen der Brände anhalten können und sich noch in großer Entfernung vom Brandort bemerkbar machen.
„Der Rauch aus Waldbränden kann Hunderte, wenn nicht Tausende Kilometer weit ziehen. Er verschlechtert die Luftqualität in Regionen weit entfernt vom Brandherd, auch in dicht besiedelten Städten, und kann dadurch sehr viele Menschen betreffen“, sagte Jarosinska.
„Man muss die Flammen oder die Rauchwolke nicht sehen, um einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt zu sein.“
Rauch aus Waldbränden: Was darin steckt und warum er der Gesundheit schadet
Rauch aus Waldbränden besteht aus einem Gemisch aus giftigen Schadstoffen, Feinstaub und Gasen. Die Gesundheitsrisiken hängen davon ab, was brennt. Oft geraten auch Kunststoffe, Elektronik und Farben in Brand, die zusätzliche giftige Chemikalien in die Luft freisetzen.
„Diese winzigen, feinen Partikel können aus der Lunge in den Blutkreislauf eindringen. Sie lösen Reaktionen im Körper aus, aktivieren das Immunsystem und führen zu Entzündungen“, erläuterte Jarosinska.
Bei gesunden Menschen bleiben die Symptome oft mild, etwa Halsreizungen oder eine laufende Nase. Menschen mit Vorerkrankungen können jedoch deutlich stärker betroffen sein, warnte Jarosinska.
Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma oder chronischen Lungenerkrankungen, ebenso Herzkranke sowie Kinder und ältere Menschen.
„Die Symptome sind vielfältig und reichen von milden Beschwerden bis hin zu sehr schweren, sogar lebensbedrohlichen Verläufen“, sagte Jarosinska.
Gesundheitsschutz: Warnhinweise dürfen niemanden ausschließen
Jarosinska kritisierte jedoch, dass viele Gesundheitsempfehlungen sehr allgemein bleiben. Sie richten sich an die Gesamtbevölkerung und gehen zu wenig auf besonders gefährdete Gruppen ein.
Hinweise wie möglichst im Haus zu bleiben und körperliche Anstrengung zu reduzieren sind für alle sinnvoll, auch wenn der Bedarf je nach Luftqualität schwankt. Jarosinska fordert darüber hinaus differenziertere Empfehlungen, die die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen stärker berücksichtigen.
„Oft wird auch empfohlen, Klimaanlagen und hocheffiziente Filter zu nutzen. Das ist ein sehr guter Rat für all jene, die über solche Geräte verfügen“, sagte Jarosinska.
Sie warnte jedoch, dass solche Empfehlungen Menschen ausschließen können, die keinen Zugang zu dieser Technik oder zu klimatisierten beziehungsweise sauberen Luftschutzräumen haben.
Nach Ansicht von Jarosinska müssen Behörden Orte bereitstellen, an denen sich Menschen abkühlen können und saubere Luft vorfinden. Diese Angebote sollten allen Menschen in einer Gemeinde offenstehen.
„Behörden müssen auch diejenigen im Blick haben, die benachteiligt sind, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, die Landessprache nicht sprechen oder keine Informationen erhalten“, ergänzte sie.
Gesundheitssysteme geraten zunehmend unter Druck
Die Bemühungen um mehr Widerstandsfähigkeit und bessere Vorbereitung auf Klimaextreme müssen nach ihren Worten auch die Stärkung der Gesundheitssysteme einschließen.
„Wenn wir über die Belastung durch Rauch aus Waldbränden und die Folgen für die Gesundheit sprechen, denken wir oft an einzelne Menschen, an ihr Leid und ihre Probleme. Doch die Situation bedeutet auch eine enorme Belastung für das gesamte Gesundheitswesen.“
Sie betonte, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen geschult werden und die richtigen Informationen erhalten müssen. Sie sollten verstehen, was schlechte Luftqualität bedeutet, wie sie darüber sprechen und welche Ratschläge sie einzelnen Patientinnen und Patienten geben.
„Vordringlich ist es jetzt, die Rolle des Gesundheitssektors zu stärken: Menschen zu schulen und auszustatten, damit gesundheitliche Aspekte deutlicher kommuniziert und in lokale Maßnahmen einbezogen werden“, sagte Jarosinska.