Drei Schweizer Museen haben achtzehn Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben – ein weiterer Schritt im jahrzehntelangen Kampf um geraubtes Kulturerbe.
Nigerias geraubtes Kulturerbe kehrt nach und nach nach Hause zurück.
Am Montag haben die Schweizer Behörden Nigeria in einer Zeremonie im Nationalmuseum in Lagos 18 während der Kolonialzeit geplünderte Artefakte übergeben.
Die Rückgabe ist das Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses zwischen Schweizer Museen und ihren nigerianischen Partnern im Rahmen der Benin Initiative Switzerland. Das Programm startete 2021 und untersucht die Herkunft von Benin-Objekten in Schweizer Sammlungen.
Die Zeremonie am Montag bildet den ersten Schritt zur Umsetzung eines Abkommens, das im März 2026 unterzeichnet wurde. Darin verpflichtet sich die Schweiz, Nigeria nach und nach das Eigentum an insgesamt 28 Stücken zu übertragen.
„Die Rückkehr unseres Kulturerbes bedeutet mehr als die Wiedererlangung von Artefakten. Sie zeigt die Kraft von Dialog, Vertrauen und internationaler Zusammenarbeit“, erklärte Nigerias Kulturministerin Hannatu Musa Musawa auf X.
14 der Stücke stammen aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich, zwei aus dem Museum Rietberg Zürich und zwei aus dem Musée d’Ethnographie de Genève.
Die 18 Artefakte gehören zu den berühmten Benin-Bronzen des Landes. Die Gruppe umfasst Hunderte Skulpturen und Plaketten, meist aus Metall und Elfenbein, die den Königspalast des Königreichs Benin schmückten, heute der südliche nigerianische Bundesstaat Edo. Sie erfüllten politische und religiöse Funktionen und waren zentral für die Macht des Königreichs.
Britische Kolonialtruppen raubten den Großteil dieser Objekte 1897 bei einer brutalen Strafexpedition, bei der Tausende Menschen starben.
Nach dem Überfall ging das Königreich Benin im kolonialen Nigeria auf. Die geraubten Stücke wurden später an mehr als 130 Museen in 20 Ländern verkauft, vor allem im Vereinigten Königreich und in Deutschland.
Die Übergabezeremonie in Lagos umfasste auch die Rückgabe eines Bronzearmbands und vier archäologischer Monolithe aus der Nigerdelta-Region Nigerias. Sie waren in der Schweiz im Rahmen eines Strafverfahrens beschlagnahmt und anschließend dem Staat übergeben worden, wie das Eidgenössische Departement des Innern in einer Mitteilung erklärte.
Die Schweiz und Nigeria haben zudem ein Kooperationsabkommen unterzeichnet, das den Schutz des Kulturerbes weiter stärken soll – Teil „einer umfassenderen Anstrengung, historisches Unrecht aufzuarbeiten“.
Jahrzehntelanger Kampf um Restitution
Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker haben gezeigt, dass die Forderungen afrikanischer Staaten und Gemeinschaften nach Rückgabe während der Kolonialzeit geraubter Artefakte so alt sind wie die Diebstähle selbst. Spürbare Rückgaben setzen jedoch erst seit einigen Jahren ein, und Nigeria gehört zu den Ländern, die an dieser Front besonders aktiv sind.
Im vergangenen Jahr gab die Niederlande 119 Benin-Bronzen an Nigeria zurück – die bislang größte physische Rückgabe solcher Artefakte an das Land.
Im Februar 2026 übertrug die Universität Cambridge das rechtliche Eigentum an 116 Benin-Bronzen auf Nigerias National Commission for Museums and Monuments (NCMM). Der tatsächliche Transport der Werke steht noch aus.
Auch andere afrikanische Staaten verzeichnen Erfolge. Benin erhielt 2021 26 königliche Schätze aus Frankreich zurück, ein Prozess, den der preisgekrönte Dokumentarfilm Dahomey von Mati Diop nachzeichnet. Französische Kolonialtruppen hatten die Stücke 1892 bei der Eroberung des Königreichs Dahomey geraubt.
Zu Beginn dieses Jahres gaben französische Behörden auch die Djidji Ayôkwé, eine heilige sprechende Trommel, an die Elfenbeinküste zurück – 110 Jahre nach ihrer Beschlagnahme durch die Kolonialverwaltung.
Der Kampf um Restitution bleibt jedoch von Vorbehalten und Konflikten begleitet. Nigeria stellte im Oktober 2021 einen formellen Rückgabeantrag an das British Museum. Das Haus besitzt über 900 Objekte aus dem Königreich Benin, darunter 203 Benin-Bronzen, weigert sich aber bislang mit Verweis auf das rechtlich unveräußerliche Sammlungsvermögen, sie zurückzugeben.
Eigentumskonflikte können auch nach einer Rückführung weitergehen. Im November 2025 störten Demonstrierende die Eröffnung des Museums für westafrikanische Kunst in Nigerias Benin City. Sie warfen der Institution vor, mit ihrem Umgang mit zurückgegebenen Artefakten die Autorität der traditionellen Herrscher der Stadt zu untergraben. Die Museumseröffnung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Einige der von der Schweiz am Montag zurückgegebenen Artefakte werden im Nationalmuseum in Lagos gezeigt. Die meisten sollen in ihre ursprüngliche Heimat im Bundesstaat Edo zurückkehren und vorübergehend im Nationalmuseum in Benin City eingelagert werden.
„Die NCMM plant die Einrichtung einer Ausstellungsgalerie von Weltklasse, in der alle kürzlich zurückgekehrten Benin-Artefakte präsentiert werden. Dazu zählen nicht nur die Schweizer Rückgaben, sondern auch die im vergangenen Jahr aus den Niederlanden zurückgekehrten Stücke und die erwarteten Rückgaben aus Cambridge“, teilte das Eidgenössische Departement des Innern mit.