Wer in einem KI-Clip auf einen Popkultur-Klassiker anspielt, sollte die Vorlage wenigstens in ihren Grundzügen verstanden haben.
Noch ein Tag, noch ein Ausraster mit KI-Müll von Donald Trump. Seine jüngste Posting-Orgie auf Truth Social hat das Netz zu einer einhelligen Reaktion gebracht: Es reicht.
Trump ist mit massenhaft geposteten KI-Bildern bestens vertraut. Beobachter sprechen von „memetischer Kriegsführung“ – einer Taktik, bei der er und seine Regierung die sozialen Medien mit KI-generierten Bildern fluten, um seine Basis und darüber hinaus anzusprechen. Doch die immer häufigeren und zahlreicheren Posts – dazu noch ihr bizarrer Inhalt – lassen viele ernsthaft an der geistigen Verfassung des Präsidenten zweifeln, an der Sicherheit der Welt und am brüchigen Verhältnis des Trump-Teams zur Popkultur.
Eine Nutzerin in den sozialen Medien schrieb: „Mit dem Präsidenten stimmt ganz offensichtlich etwas nicht. Und trotzdem hat er noch die Codes für unser Nukleararsenal und ist der einzige Mensch, der ihren Einsatz anordnen kann.“ Ein anderer Nutzer kommentierte: „Der Mann mit den Nuklearcodes. Man würde sich Sorgen machen, wenn solche Posts von einem älteren Verwandten kämen.“
In seiner jüngsten Posting-Serie taufte Trump den Bundesstaat New Mexico in „New America“ um, teilte ein Bild, das seine Silhouette über Iran zeigt, schlug neue Uniformen für die United States Space Force vor (mit deutlicher Starship Troopers-Faschismus-Ästhetik) und erklärte sogar den Mond zum Hoheitsgebiet der USA …
Ja, wirklich. Er erklärte, der Himmelskörper „gehört uns“.
Dabei ist klar: Den Mond besitzt niemand; so steht es in Artikel II des Weltraumvertrags von 1967. Trotzdem erinnerte das Netz Trump daran, dass es deutlich dringendere Baustellen gibt.
„Vielleicht solltest du erst einmal die Straße von Hormus unter Kontrolle bekommen, bevor du dich an den Mond machst“, schrieb ein Nutzer. Eine andere formulierte ein fiktives Interview: „Reporter: Was sagen Sie zu Amerikanerinnen und Amerikanern, die sich bezahlbare Lebensmittel, Sprit, Gesundheitsversorgung und Frieden wünschen? Trump: Der Mond gehört uns.“
„WTF? Ehrlich, der Typ verliert langsam den Verstand“, kommentierte jemand anders.
Besonders ein KI-generiertes Bild hat Comic- und Filmfans verärgert – und das nicht zum ersten Mal.
Trump hat sich schon öfter an ikonischen Popkultur-Motiven bedient, darunter Superman, Hannibal Lecter, Jedi und Spider-Man. Jede dieser Anspielungen ist ihm um die Ohren geflogen – nicht nur, weil sie die ursprünglichen Schöpferinnen, Schöpfer und Fans verärgert hat, sondern auch, weil sie zeigt, wie wenig das Trump-Lager seine eigenen Referenzen versteht oder zu schätzen weiß. Das legt auch dieser Beitrag nahe: „kulturell ahnungslos“.
Diesmal zeigt ein Bild Trump als Superhelden aus dem DC-Universum. Er trägt einen Green-Lantern-Ring und scheint mit dessen Kraft eine leuchtend grüne Grenzmauer hochzuziehen. Dazu erscheint eine holografische Stadtsilhouette mit der Aufschrift „American manufacturing“, bevor grüne Militärflugzeuge über seinem Kopf hinwegfliegen.
Man könnte es sich kaum absurder ausdenken.
Verbreitet wurde der Clip vom offiziellen Account des Weißen Hauses. In der Bildunterschrift zweckentfremdete das Team den Eid des Green-Lantern-Korps: „Im hellsten Tag, in schwärzester Nacht, kein Böses entgeht meinem Blick. Diejenigen, die der Macht des Bösen huldigen, sollen sich vor meiner Kraft fürchten … das Licht des Green Lantern!“
„Die USA werden offenbar von einem Zwölfjährigen mit iPad-Erlaubnis regiert“, wie eine Person treffend auf X kommentierte (Quelle auf Englisch). Zugleich kämpfen die Menschen im Land mit sehr realen Problemen – „Tag 190 des Iran-Kriegs“, erinnerte jemand, eine andere Stimme schrieb: „Hauptsache, irgendetwas, das von den Spritpreisen ablenkt.“
Und doch beweist Trumps Weißes Haus einmal mehr, dass es Popkultur-Referenzen falsch einsetzt und den offensichtlichen Spott, der darin steckt, gar nicht bemerkt.
Schon das Jedi-Bild ging nach hinten los – rote Lichtschwerter sind für die Bösen, Donald. Ebenso ironisch: Trump als Superman, der auf der Erde streng genommen ein illegaler Einwanderer ist, und Spider-Man, der ICE in Wahrheit bekämpfen würde, nicht unterstützen. In genau diese Reihe reiht sich nun auch der Green-Lantern-Clip ein.
Denn das Green-Lantern-Korps ist eine intergalaktische Friedens- und Ordnungstruppe, die das gesamte Universum schützt – ohne Grenzen. Diese Figur zu kapern, um eine „America First“-Agenda zu bebildern, und den Ring zum Bau einer physischen Grenzmauer zu nutzen, widerspricht den Grundprinzipien des fiktiven Charakters.
Außerdem werden eingeschworene Nerds den Clip sofort korrigieren: Trump wäre in diesem Universum gar kein Green Lantern, dessen Farbe für Hoffnung steht. Treffender wäre Gelb, für die Lust am Chaos, oder Orange – vor allem wegen seiner Gier und Machtbesessenheit.
Zu der These, dass die Trump-Regierung kulturell ahnungslos sein könnte, kommt noch etwas hinzu: Wer mit Hilfe künstlicher Intelligenz übermenschliche Stärke und Dominanz inszeniert, zeigt vor allem eines – imaginäre Macht. Keine echte Stärke, die sich in konkreter Politik niederschlagen würde.
Wer seine Anspielungen nicht versteht, riskiert, dass sie auf einen zurückfallen – und einen wie kosmische Peinlichkeiten aussehen lassen.
„Im hellsten Tag, in schwärzester Nacht, keine zurückfeuernde KI soll meinem Gerät entkommen, solange mir niemand das iPad wegnimmt.“
Zugegeben, das klingt nicht ganz so griffig. Aber aus solchen Fehltritten ließe sich etwas lernen.