Ursula von der Leyen stärkt Grönlands territoriale Integrität. Sie stellt ein Investitionspaket von 200 Millionen Euro gegen Trumps Annexionsdrohungen vor.
Die Europäische Union will in den kommenden zwei Jahren zusätzlich 200 Millionen Euro in Grönland investieren. Damit will sie die wirtschaftlichen Beziehungen zu der Insel vertiefen und den Abbau von Rohstoffen vorantreiben. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag bei einem offiziellen Besuch auf der riesigen Arktisinsel an.
"Wir wissen, dass die Arktis zu einem der Orte geworden ist, an denen die tektonischen Platten der Geopolitik aufeinanderprallen. Deshalb haben wir ein direktes Interesse daran, was hier geschieht", sagte von der Leyen in Nuuk.
Mit dem Finanzpaket will die EU ihre Präsenz in dem halbautonomen Gebiet ausbauen. Grönland steht seit Längerem im Fokus von US-Präsident Donald Trump. Trump hatte das transatlantische Bündnis belastet, indem er versuchte, Grönland dem Königreich Dänemark abzuluchsen. Die Spannungen erreichten im Januar ihren Höhepunkt, als Trump mit hohen Zöllen drohte, um Dänemark unter Druck zu setzen und zur Aufgabe des Gebiets zu bewegen. Nach heftiger Kritik nahm er später Abstand von seinen Drohungen.
Doch im Juli hat Trump seinen Plan, die Insel zu annektieren, überraschend wieder aufgegriffen und damit gezeigt, dass das Thema für ihn weiterhin ganz oben auf der Agenda steht. Von der Leyen nutzte ihre Reise nach Nuuk, um die europäische Unterstützung angesichts des von ihr beschriebenen "enormen Drucks" zu bekräftigen. Den Namen Trump erwähnte sie dabei nicht.
"Die Europäische Union steht in voller Solidarität mit dem Königreich Dänemark und den Menschen in Grönland. Dabei wird es bleiben. Und wir wollen hier sehr klar sagen und noch einmal wiederholen: Über die Zukunft Grönlands entscheiden die Menschen in Grönland und in Dänemark. Niemand sonst", sagte sie vor der Presse.
"Territoriale Unversehrtheit, Souveränität, die Unantastbarkeit von Grenzen. Das sind grundlegende Prinzipien des Völkerrechts." Neben von der Leyen bedankten sich Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen und Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen für ihre klaren Worte.
"Grönland braucht die Europäische Union, und die Europäische Union braucht Grönland", sagte Nielsen. "Ich bin fest davon überzeugt. Wir brauchen einander." Auch Frederiksen dankte von der Leyen: "Ihre Stimme war in den vergangenen Jahren sehr klar. Das haben wir gebraucht, und wir brauchen es auch jetzt. Deshalb vielen Dank."
Frederiksen sagte, Dänemark sei offen für eine engere Zusammenarbeit mit den USA und Europa bei Sicherheits- und Verteidigungsfragen in der Arktis. Der Klimawandel macht die Region für die Weltmächte immer attraktiver. Das Paket über 200 Millionen Euro soll drei Bereiche abdecken: digitale Vernetzung, etwa durch Unterseekabel und Satelliteninfrastruktur; saubere Energie mit einem Schwerpunkt auf Wasserkraft; sowie den nachhaltigen Abbau kritischer Rohstoffe.
Grönland verfügt über 25 der 34 Mineralien, die Brüssel für den Ausbau erneuerbarer Energiesysteme und moderner Technologien in Europa als unverzichtbar einstuft. Der Markt wird allerdings von China beherrscht, sodass die EU weiterhin von Pekings Exportkontrollen abhängig ist. Der Bergbau auf der Insel bleibt dennoch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die schwierigen Bedingungen durch Gletscher und Eis schrecken Investoren von den kostspieligen Projekten ab. Auch die Mineralvorkommen führte Trump als Begründung für seine Drohung an, Grönland zu übernehmen. In der New York Times sagte er, am Ende gehe es um den Besitz der Insel.
Außerdem beklagte er, dass Verbündete zu wenig in der Region investiert hätten. Die Europäer versuchen seither, Trumps Darstellung mit eigenen Zusagen an Grönland entgegenzutreten. In den kommenden zwei Wochen nehmen Soldaten aus zehn Ländern an dem NATO-Manöver "Arctic Shield" teil. Parallel dazu arbeitet die Kommission an einer Aktualisierung ihrer Arktis-Strategie. In ihrem Vorschlag für den nächsten EU-Haushalt hat sie außerdem 530 Millionen Euro speziell für Grönland vorgesehen.