US-Präsidents Äußerungen zu Grönlands Annexion stoßen in Dänemark und Europa auf Kritik.
Nach der US-Razzia in Venezuela, die zur Festnahme von Präsident Nicolás Maduro führte, bekräftigte Donald Trump erneut seine Absicht, Grönland für die Vereinigten Staaten zu annektieren. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte mit ihrer bislang schärfsten Kritik und erklärte, Trumps Forderungen nach einem Anspruch auf die Insel müssten umgehend beendet werden.
Grönland ist eine halbautonome Region des Königreichs Dänemark, das sowohl der NATO als auch der Europäischen Union angehört. Seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt Anfang 2025 hat Trump mehrfach erklärt, die USA sollten Grönland übernehmen. Nach dem Sturz Maduros äußerte er diese Forderung erneut öffentlich.
„Wir brauchen Grönland für unsere nationale Sicherheit“, sagte Trump am Sonntag vor Journalisten an Bord der Air Force One. Die Insel sei von enormer strategischer Bedeutung und derzeit von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. Mit Blick auf Dänemark fügte er spöttisch hinzu: „Wissen Sie, was Dänemark zuletzt für die Sicherheit getan hat? Sie haben einen weiteren Hundeschlitten hinzugefügt.“
Bereits einen Tag zuvor hatte Trump dem Magazin The Atlantic gesagt: „Wir brauchen Grönland unbedingt. Wir brauchen es für die Verteidigung.“
Frederiksen wies diese Aussagen entschieden zurück. „Es ergibt absolut keinen Sinn, davon zu sprechen, dass die USA Grönland übernehmen müssen“, erklärte sie. Die Vereinigten Staaten hätten keinerlei Recht, eines der drei Länder des dänischen Königreichs zu annektieren.
Warum will Trump Grönland?
Kurz vor Weihnachten ernannte Trump den ehemaligen Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zum Sondergesandten für Grönland. Landry erklärte in sozialen Medien, er fühle sich geehrt, in einem „freiwilligen Amt“ daran zu arbeiten, Grönland zu einem Teil der USA zu machen.
Trump begründet seine Ambitionen regelmäßig mit nationalen Sicherheitsinteressen. Grönland liegt strategisch günstig im Arktischen Ozean entlang wichtiger Schifffahrtsrouten und gehört geografisch zu Nordamerika. Durch den fortschreitenden Klimawandel öffnen sich zunehmend neue Routen in der Arktis, was die Bedeutung der Insel weiter erhöht.
Bereits seit 1951 unterhalten die USA ein Verteidigungsabkommen mit Grönland. Rund 150 US-Mitarbeiter sind auf der Raumfahrtbasis Pituffik stationiert, die der Raketenfrüherkennung und Weltraumüberwachung dient.
Nach Einschätzung von Ian Lesser, einem renommierten Experten des German Marshall Fund, verfügt Washington damit bereits über ein solides sicherheitspolitisches Standbein auf der Insel. Die eigentlichen Interessen der Trump-Administration lägen vermutlich eher im Bereich natürlicher Ressourcen.
„Der Präsident misst Rohstoffen, Energieressourcen und Handelsmöglichkeiten großen Wert bei“, sagte Lesser gegenüber Euronews. Selbst wenn deren wirtschaftliche Nutzung schwierig sei, überrasche es ihn nicht, dass diese Aspekte derzeit verstärkt in den Fokus rückten.
Reaktionen aus Europa
Frederiksen wiederholte ihre Kritik in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung. Die Vereinigten Staaten hätten keinerlei rechtliche Grundlage, Grönland zu übernehmen.
Auch Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen äußerte sich empört und bezeichnete es als respektlos, die Grönlandfrage mit der militärischen Intervention in Venezuela zu verknüpfen. Frankreich stellte sich ebenfalls hinter Dänemark. Außenamtssprecher Pascal Confavreux betonte, Grönland gehöre den Menschen in Grönland und in Dänemark; Grenzen dürften nicht mit Gewalt verändert werden.
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson erklärte, nur Dänemark und Grönland hätten das Recht, über ihre Territorien zu entscheiden. Die EU hatte entsprechende US-Vorschläge bereits im vergangenen Jahr mehrfach verurteilt.
Lesser hält eine gewaltsame Annexion zwar für unwahrscheinlich, schließt sie jedoch nicht völlig aus. Die Ereignisse in Venezuela hätten gezeigt, dass Trumps Drohungen ernst genommen würden. Denkbar sei vor allem politischer, wirtschaftlicher oder diplomatischer Druck, um den USA weitergehenden Zugang zu Grönland zu verschaffen.
Was kann Europa tun?
Während die dänische Regierung im Krisenmodus betont, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe, sieht Lesser dennoch Handlungsspielräume. Da die US-Regierung wirtschaftlichen und handelspolitischen Fragen hohe Priorität einräume, könnte ein umfassendes transatlantisches Verhandlungspaket geschnürt werden.
Allerdings sieht er zwei zentrale Probleme: Die Ziele des US-Präsidenten seien nicht eindeutig, und Europa reagiere deutlich langsamer als Washington. Zwar seien EU und NATO grundsätzlich handlungsfähig, doch das Tempo sei auf dieser Seite des Atlantiks geringer.
Gefahr für die NATO?
Frederiksen erinnerte in ihrer Reaktion darauf, dass Dänemark als NATO-Mitglied unter den Schutz der kollektiven Sicherheitsgarantie fällt. Sie forderte die USA eindringlich auf, ihre Drohungen gegen einen engen Verbündeten einzustellen.
Zwar habe es auch in der Vergangenheit Spannungen zwischen NATO-Mitgliedern gegeben, etwa zwischen Griechenland und der Türkei. Doch in diesem Fall stünden sich ausgerechnet der Garant der europäischen Sicherheit und ein von ihm geschütztes Land gegenüber.
„Das untergräbt den inneren Zusammenhalt des Bündnisses auf sehr grundlegende Weise“, warnte Lesser. Alles, was über die bisherige Rhetorik hinausgehe, könne eine ernsthafte Krise innerhalb der NATO auslösen und die ohnehin belasteten transatlantischen Sicherheitsbeziehungen weiter destabilisieren.