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Boomendes Geschäft mit Prüfungstraining für EU-Aufnahmetests

Ein fester Job bei der EU - für viele ein Traum, der sich nicht erfüllt
Ein fester Job bei der EU - für viele ein Traum, der sich nicht erfüllt Copyright  European Union , 2026
Copyright European Union , 2026
Von Evi Kiorri
Zuerst veröffentlicht am
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Nach sieben Jahren Pause gibt es für Jobs in den EU-Institutionen wieder einen Aufnahmetest des Europäischen Amts für Personalauswahl (EPSO) . Die Vorbereitung darauf wird zur lukrativen Einnahmequelle für private Coaches.

Der EPSO-Wettbewerb AD5, der zu Stellen in der Verwaltung der EU-Institutionen führt, ist nach sieben Jahren Pause zurück. Zuvor hatten viele Faktoren für Verzögerungen gesorgt: IT-Pannen, die Pandemie, ein abgesagter Wettbewerb, der für rund 300.000 Euro neu angesetzt werden musste, sowie Kritik der Europäischen Bürgerbeauftragten an einem veralteten und intransparenten Testsystem. Die EPSO-Spitze räumt ein, dass der Ruf der Institution darunter gelitten hat.

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In dieser Zeit haben private Coaching-Anbieter die Kandidatinnen und Kandidaten weiter betreut. Unternehmen wie EU Training und ORSEU Concours boten Kurse, Webinare, Probeklausuren und Einzelcoaching an. Jetzt, da die AD5-Prüfung zurück ist, greifen die Bewerber verstärkt auf diese Angebote zurück.

Der Einsatz ist hoch. Eine unbefristete Stelle in einer EU-Institution bringt bis zu 7.000 Euro netto im Monat, Jobsicherheit und einen Platz in der ersten Reihe der europäischen Politikgestaltung. Die Erfolgsquote lag zuletzt nur bei rund drei bis vier Prozent, bei über 40.000 Bewerbungen pro Runde. In diesem Umfeld zählt jeder messbare Vorteil.

Daten zeigen, dass die Bewerber mit Vorbereitungsmaterialien ihre Chancen um 40 Prozent steigern. Wer sowohl EU Training als auch ORSEU Concours nutzt, erzielt im Schnitt neun Punkte mehr von maximal sechzig. In einem so harten Auswahlverfahren können neun Punkte darüber entscheiden, ob jemand auf die Reserveliste kommt oder ausscheidet.

Coaching aus der eigenen Erfahrung heraus

Andras Baneth, Gründer von EU Training, erzählt, sein Unternehmen sei aus seinen eigenen Erfahrungen mit EPSO-Prüfungen als junger Berufseinsteiger aus Ungarn im Jahr 2003 entstanden. „Damals gab es kein gutes Material, weder Bücher noch Websites, um Bewerberinnen und Bewerbern durch dieses komplexe Verfahren zu helfen“, erzählt er Euronews. Zunächst schrieb er 2006 ein Buch, später folgte eine Website. Heute betreibt er eine Plattform mit über 35.000 Übungsfragen, Webinaren und Coaching für jede Phase – von der Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch.

ORSEU Concours gibt es noch länger. Caroline Fiche erläutert, dass das Unternehmen in den neunziger Jahren als Beratungsfirma für die Europäische Kommission begann. Später bat eine Gewerkschaft das Team, ihre Mitglieder auf schriftliche Prüfungen vorzubereiten. „Wir waren eine der ersten Adressen auf dem Markt“, erinnert sie sich.

Beide Firmen bieten verschiedene Pakete an. Bei ORSEU beginnen die Angebote bei 65 Euro für einen Kurs zu Logiktests und reichen bis 333 Euro für einen kompletten Videokurs mit vierzehn Stunden Material. EU Training verlangt ab 135 Euro für ein Basispaket mit Übungsfragen, bis zu 625 Euro für ein Komplettpaket mit vier Webinaren. Einzelcoaching kostet noch mehr.

Ein Test wie kein anderer

Beide Anbieter sehen eine echte Lücke, die sie schließen. Die EPSO-Prüfung funktioniert nicht wie ein gewöhnlicher Eignungstest. Sie folgt eigenen Formaten, einem speziellen Online-System und einer eigenen Logik. Die numerischen, verbalen und abstrakten Logikaufgaben sind streng getaktet, Fehler lassen sich kaum ausgleichen. Seit der Reform von 2023 finden alle Tests am selben Tag statt, die Bewerberinnen und Bewerber müssen also alles gleichzeitig beherrschen.

„Wer am Prüfungstag in den Test geht, ohne die Logik dahinter zu verstehen oder echte Aufgaben geübt zu haben, hat kaum eine Chance, in allen Teilen die erforderliche Punktzahl zu erreichen“, sagt Fiche. Sie verweist auf Zahlen vor der Reform 2023: eine Erfolgsquote von rund drei Prozent bei Unvorbereiteten, gegenüber etwa fünfundzwanzig Prozent bei denjenigen, die systematisch Methoden lernten und übten.

„Es gibt Methoden, um besser zu schreiben, abstrakte Logikaufgaben schneller zu lösen oder so zu lesen, dass man präziser antwortet“, erklärt Baneth. „Wer versteht, dass es diese Methoden gibt, und lernt, sie für sich zu nutzen, gehört in der Regel zu denen, die es schaffen.“ Die Plattform lässt die Teilnehmer auch ihre Ergebnisse mit anderen vergleichen – entscheidend, denn nicht nur das Bestehen zählt. Die Platzierung in der Rangliste entscheidet, wer auf die Reserveliste kommt.

Die Frage der Chancengleichheit

Rund um ein angeblich reines Leistungsprinzip sorgt dieser Markt für bezahltes Coaching für Spannungen. EPSO verlangt keine Teilnahmegebühr, keine Reisen und stellt offizielle Musteraufgaben bereit. Der Wettbewerb soll für jede EU-Bürgerin und jeden EU-Bürger mit Computer und Internetzugang offenstehen. Eine private Branche, die die Chancen derjenigen sichtbar erhöht, die bezahlen können, passt nur schwer zu diesem Anspruch.

Baneth antwortet offen. „Jede und jeder kann das Auswahlverfahren völlig ohne Hilfe bestehen“, sagt er und zieht einen Vergleich zu den französischen Grandes Écoles, die im nationalen Concours seit Langem denen einen Vorsprung verschaffen, die Zugang zu den Vorbereitungsangeboten haben. „Muss man einen Dienst wie unseren nutzen? Die Antwort ist ganz klar: nein.“ Er betont zudem, dass es keinerlei formelle Verbindung zwischen den Coaching-Anbietern und den Institutionen gebe, die die Prüfungen organisieren.

Fiche erklärt, ORSEU habe von den Institutionen bislang keinerlei Beschwerden oder Kritik zur Fairnessfrage erhalten. Sie stellt aber klar, dass „EPSO keine privaten Vorbereitungskurse empfiehlt“, sondern die Kandidatinnen und Kandidaten auf die offiziellen Ständigen Vertretungen der Mitgliedstaaten verweist.

Wer bewirbt sich?

Auch bei den Bewerberprofilen zeigen sich Unterschiede. Beide Firmen berichten von besonders hoher Nachfrage aus Süd- und Osteuropa – aus nachvollziehbaren Gründen. „Wenn das Gehalt in Rumänien oder Griechenland bei 1.500 bis 2.000 Euro im Monat liegt und ein EU-Job 6.000 bis 7.000 Euro netto bringt, ist das ein riesiger Abstand und ein enormer Anreiz“, sagt Baneth. Kandidaten aus den nordischen Ländern lassen sich deutlich schwerer gewinnen – dort sind die Gehaltsunterschiede kleiner, und das Interesse an EU-Jobs ist je nach Land sehr unterschiedlich.

Fiche ergänzt, dass viele ihrer Kunden und Kundinnen keine Berufseinsteiger sind, sondern derzeitige Vertragsbedienstete der EU. Sie arbeiten also schon mit befristeten Verträgen in den Institutionen und wollen ihre Stelle nun durch das Bestehen des Wettbewerbs verstetigen.

Mit der Rückkehr des AD5-Wettbewerbs hat das Rennen um Jobs, Sicherheit und einen Platz im EU-Apparat neu begonnen. Die Frage bleibt, inwieweit die Startchancen wirklich bei allen dieselben sind.

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