Die Regierungschefs von Deutschland, Norwegen und Kanada fordern Trump auf, seine Aussetzung der russischen Ölsanktionen zu überdenken. Gegenüber Euronews sagt Verteidigungsminister Boris Pistorius, er sei "sehr besorgt" über die möglichen Auswirkungen auf die Ukraine.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump wegen der Aussetzung der Öl-Sanktionen gegen Russland deutlich kritisiert. Beim NATO-Manöver in Norwegen sagte der Kanzler, dass sechs der sieben G7-Länder gegen die Entscheidung der USA seien, die Öl-Sanktionen gegen Russland aufzuheben. US-Präsident Donald Trump will mit diesem Schritt das weltweite Angebot erhöhen - im Kampf gegen die steigenden Preise, die eine Folge des am 28. Februar begonnenen Iran-Kriegs sind.
Die Regierungschefs von Deutschland, Kanada und Norwegen - allesamt NATO-Mitglieder - erklärten, sie würden ihre Kommunikationskanäle mit dem Weißen Haus nutzen, um zu versuchen, Trump umzustimmen.
Die drei Spitzenpolitiker bekräftigten die Haltung des Bündnisses, dass auf den Kreml wegen Putins Angriffskrieg in der Ukraine und der damit verbundenen Bedrohung der globalen Sicherheit weiterhin maximaler Druck ausgeübt werden müsse.
"Sechs von sieben waren eindeutig der Meinung, dass wir die Sanktionen gegen Russland nicht aufheben sollten", erklärte Merz, der eine Tarn-Uniform trug. Und der Kanzler gestand ein, dass er offenbar nicht damit gerechnet hatte, dass Trump die Sanktionen tatsächlich aussetzt. "Wir waren ein wenig überrascht, als wir heute Morgen hörten, dass die amerikanische Regierung anders entschieden hat".
Einfluss auf Trump ausüben?
"Wir sollten mehr Druck auf Russland ausüben, um diesen schrecklichen Krieg so schnell wie möglich zu beenden, und das ist der Grund, warum wir eine andere Meinung zu dieser Entscheidung haben, die in [Washington] DC getroffen wurde", sagte Kanadas Premier.
Auf die Frage, ob die G7-Länder oder die NATO auf Trump einwirken würden, damit er seine Entscheidung revidiert, sagte der kanadische Premierminister Mark Carney: "Wir haben alle einen direkten Draht zum Präsidenten, und den werden wir nutzen."
Merz wollte sich auch mit dem französischen Präsidenten Macron beraten, um zu sehen, ob sie einen Weg finden können, Trumps Plan entgegenzuwirken: "Wir werden am Wochenende die Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen. Und wir werden prüfen, was wir tun können."
Militärmanöver "Cold Response"
Friedrich Merz und Mark Carney waren in Norwegen, um beim NATO-Manöver "Cold Response" dabei zu sein. Die war im vergangenen Januar vereinbart worden - als Teil der Antwort auf Trumps Behauptung, er müsse Grönland "einnehmen".
Die Allianz hatte sich darauf geeinigt, die NATO-Präsenz in der Region zu verstärken, nachdem Trump darauf bestanden hatte, dass die Sicherheitsarchitektur der Region nicht ausreichend sei.
Pistorius sehr besorgt wegen Ukraine
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius war ebenfalls bei dem Manöver in der Arktis dabei, an dem mehrere deutsche Leopard-Panzer und norwegische Schützenpanzer gemeinsame Einsätze trainierten.
Pistorius sagte Euronews, er sei "sehr besorgt" über die Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine, wenn Russland wieder Zugang zu Öleinnahmen erhalte, was dem Kreml einen erheblichen Vorteil bei der Aufrechterhaltung seiner kostspieligen Invasion verschaffen könnte.
"Das Einzige, was Putin am Ende wirklich an den Verhandlungstisch zwingen kann, ist deutlich zu machen, dass seine Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas ein Ende finden werden", sagte er.
"Dies ist das Gegenteil davon, es ist ein echter Nachteil [für die Ukraine]", so Pistorius weiter.
Der Kreml begrüßte unterdessen den Schritt des Weißen Hauses und erklärte, die Interessen der USA und Russlands stünden in dieser Frage auf einer Linie: "Wir sehen die Maßnahmen der USA als einen Versuch, die Energiemärkte zu stabilisieren. In dieser Hinsicht stimmen unsere Interessen überein", sagte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow.
"Wir haben Aussagen von US-Vertretern gehört, dass diese Ausnahme nun tatsächlich für Öl gemacht wurde, das bereits vor dem 12. März geladen wurde", so Peskow.
Experten bezweifeln, dass sie Aussetzung der US-Sanktionen gegen Öl aus Russland tatsächlich die Preise stabilisieren kann.