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Warum ist die Straße von Hormus so wichtig für Europa?

Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormuz auf, gesehen von Khor Fakkan, Vereinigte Arabische Emirate, Mittwoch, 11. März 2026.
Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormuz auf, gesehen von Khor Fakkan, Vereinigte Arabische Emirate, Mittwoch, 11. März 2026. Copyright  AP Photo / Altaf Qadri
Copyright AP Photo / Altaf Qadri
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Die Schließung der Straße von Hormus treibt Energiepreise für Haushalte und Industrie nach oben. Zugleich gefährdet sie wichtige Düngemitteltransporte – mit möglichen Folgen für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Euronews erklärt die Risiken.

US-Präsident Donald Trump hat die NATO-Verbündeten aufgefordert, Schiffe zu entsenden, um die Straße von Hormus zu sichern. Die strategisch wichtige Meerenge ist seit Beginn des Iran-Kriegs im vergangenen Monat praktisch blockiert, obwohl durch sie rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports verläuft. Sollte Washingtons Aufruf ignoriert oder abgelehnt werden, drohte Trump der NATO mit einer "schlechten Zukunft".

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Während die USA die Wiederöffnung der Wasserstraße als "kleines Unterfangen" darstellen, warnen europäische Vertreter, dass die Lage vor Ort deutlich komplexer und riskanter sei. Teheran feuere weiterhin wahllos Raketen und Drohnen ab.

Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?

Vor allem aus einem Grund: Sie ist einer der strategisch wichtigsten Korridore für den weltweiten Energietransport.

Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließen rund 20 % der globalen Ölproduktion. Fällt dieser Transportweg aus, drohen massive Verwerfungen auf dem Energiemarkt.

Bereits jetzt sind die Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Analysten warnen, dass sie bei einer weiteren Eskalation des Konflikts auf 150 bis 200 Dollar klettern könnten.

Für Europa, das seit dem Abbruch seiner Energiebeziehungen zu Russland nach dessen groß angelegten Angriff auf die Ukraine um stabile Versorgung kämpft, könnte der Konflikt im Nahen Osten eine weitere Energiekrise auslösen – mit Folgen für Haushalte und Industrie.

Die Meerenge ist zudem ein wichtiger Transportweg für Düngemittel nach Europa. Nach Angaben der Vereinten Nationen passieren nicht nur Öl- und Gaslieferungen die Region: Rund 13 % der weltweiten Düngemittelexporte werden über den einzigen Zugang des Persischen Golfs zum offenen Meer verschifft – ein entscheidender Faktor für die globale Nahrungsmittelproduktion.

"Wenn es in diesem Jahr an Düngemitteln mangelt, wird es im nächsten Jahr zu Nahrungsmittelengpässen kommen", warnte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor der Sitzung des Rates für Auswärtige Angelegenheiten.

Worum bittet Donald Trump?

Trump hat das Vereinigte Königreich, Frankreich, China und Japan aufgefordert, Marineschiffe in die Region zu entsenden, um Öltanker zu schützen. Hintergrund sind stark steigende Energiepreise nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran und der anschließenden Schließung der Meerenge.

Der US-Präsident argumentierte, die betroffenen Staaten müssten ihre eigenen Energieinteressen schützen, da sie stark von Lieferungen aus der Region abhängig seien. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte vergangene Woche, Paris werde eine EU-Mission zur Wiederöffnung der Meerenge anführen.

Auch die Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), vergangene Woche 400.000 Barrel Öl aus strategischen Reserven freizugeben, konnte die Märkte bislang nicht beruhigen. EU-Staats- und Regierungschefs suchen daher verstärkt nach Wegen, eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewährleisten.

Trumps Appell erfolgte nur wenige Tage, nachdem er Europa als "schwach" kritisiert hatte, weil es sich auf den militärischen Schutz der NATO verlasse, während Russland im Ukraine-Krieg weiter Geländegewinne erzielt.

Bislang haben Japan, Australien, Südkorea und das Vereinigte Königreich Trumps Forderung nach militärischen Eskorten in der Meerenge abgelehnt.

Wie wird die EU reagieren?

Beim Treffen der EU-Außenminister am Montag soll vor allem darüber beraten werden, wie der Zugang zur Straße von Hormus gesichert und größere Störungen der weltweiten Ölversorgung verhindert werden können.

Kallas kündigte an, sie werde vorschlagen, das Mandat der EU-Operation Aspides anzupassen. Die Mission wurde im Februar 2024 als defensive Marineoperation gestartet, nachdem die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen wiederholt die internationale Schifffahrt angegriffen hatten.

Ihr Mandat umfasst den Schutz von Schiffen, die Sicherung der Freiheit der Schifffahrt sowie die Überwachung der Lage auf See – unter anderem in der Straße von Hormus, im Roten Meer, im Golf von Aden, im Arabischen Meer, im Golf von Oman und im Persischen Golf.

Mehrere Mitgliedstaaten stehen einer Mandatsänderung jedoch skeptisch gegenüber.

Ein europäischer Diplomat sagte Euronews, Ziel des Treffens sei vor allem eine bessere Koordinierung unter dem Dach der EU. Eine große europäische Koalition zur militärischen Eskorte von Schiffen durch die Straße von Hormus – wie von Trump gefordert – sei jedoch nicht zu erwarten.

Deutschland und Rumänien äußerten bereits Zweifel an einer solchen Mission. Die rumänische Außenministerin Oana-Silvia Toiu erklärte, Bukarest wolle sich derzeit nicht beteiligen, da das Land seine Marinekapazitäten im Schwarzen Meer konzentrieren müsse.

Der italienische Außenminister und Vizepremier Antonio Tajani betonte, dass zunächst die "Linie der Diplomatie" Vorrang haben müsse. Die Freiheit der Schifffahrt durch Hormus betreffe schließlich nicht nur westliche Staaten, sondern die gesamte Welt – einschließlich China.

Gleichzeitig sprach sich Tajani grundsätzlich für eine Ausweitung der Aspides-Mission aus. "Wir stehen an der Spitze der Aspides-Mission, die meiner Meinung nach verstärkt werden muss, um den Seeverkehr im Roten Meer und im Suezkanal zu sichern", sagte er.

Aspides ist eine 2024 gestartete EU-Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt im Roten Meer und angrenzenden Gewässern. Auslöser waren Angriffe auf Schiffe durch die jemenitischen Huthi-Milizen.

An der Operation beteiligen sich mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien und Spanien. Die Mission hat einen defensiven Charakter: Sie eskortiert Handelsschiffe und soll Drohnen oder Raketen abfangen, die internationale Schifffahrtsrouten bedrohen.

Ist russische Energie eine mögliche Lösung für die Krise?

Der belgische Premierminister Bart De Wever brachte am Wochenende eine ungewöhnliche Idee ins Spiel: eine mögliche Wiederaufnahme russischer Energieimporte. In lokalen Medien erklärte er, ein Abkommen mit Russland sei der einzige Weg, den Krieg zu beenden. Sein Außenminister Maxime Prévot wies den Vorschlag jedoch als Zeichen der Schwäche zurück.

De Wever argumentierte, es sei "gesunder Menschenverstand", diese Option zu prüfen, da die EU angesichts steigender Energiepreise in eine wirtschaftliche Rezession rutschen könnte.

Auch Italiens Außenminister Tajani schloss langfristig eine Rückkehr zu russischen Energieimporten nicht völlig aus. Solange Russland jedoch seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt, müsse die EU an Sanktionen festhalten.

"Sobald Frieden herrscht und wir uns nicht mehr im Krieg mit Russland befinden, können wir wieder tun, was wir früher getan haben", sagte Tajani.

Andere Minister reagierten deutlich kritischer. Die schwedische Vizepremierministerin und Energieministerin Ebba Busch warnte, eine Rückkehr zu russischem Öl würde die Werte und Glaubwürdigkeit der EU untergraben.

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bekräftigte ebenfalls die harte Linie der Union: Trotz der aktuellen Energiekrise werde die EU keine russischen Energieimporte wieder aufnehmen.

"Das Signal ist klar: In Zukunft werden wir keine Moleküle mehr aus Russland importieren", sagte Jørgensen.

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