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Straße von Hormus ist teuerste Wasserstraße der Welt nach Verdreifachung der Risikoprämien

ARCHIV - 21. Juli 2019: Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden richtet Waffe auf den britischen Öltanker Stena Impero in der Straße von Hormus.
ARCHIV: Foto vom 21. Juli 2019. Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden zielt auf den britischen Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormus. Copyright  Morteza Akhoondi/AP
Copyright Morteza Akhoondi/AP
Von Laila Humairah
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Raketenangriffe, explodierende Versicherungsprämien und gestrichene Fahrten verändern den Handel durch die Straße von Hormus. Verbraucher spüren Folgen bald.

Die schmale Wasserstraße, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit mit dem Rest der Welt verbindet, steht so sehr im Fokus wie noch nie.

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Normalerweise werden dort rund zwanzig Prozent des weltweiten Ölhandels und etwa dreißig Prozent der per Schiff transportierten Düngemittel abgewickelt.

Stattdessen ist sie zu einem zentralen Schauplatz des Irankriegs geworden, der nun in seine dritte Woche geht. Öl und Schifffahrt bilden dort die vorderste Linie eines wirtschaftlichen Schlagabtauschs.

„Was früher vor allem störanfällig war, ist heute ein dauerhaft feindliches Einsatzgebiet, in dem vor allem drei Punkte den Betrieb einschränken: die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Reise, die Bereitschaft der Versicherer zur Deckung und die taktische Lage vor Ort in Echtzeit“, sagte Marco Forgione, Direktor des im Vereinigten Königreich ansässigen Chartered Institute of Export and International Trade, gegenüber Euronews.

Trotz des Versprechens der USA, den Engpass in der Straße von Hormus zu entschärfen, liegen weiterhin Hunderte Schiffe und Tanker auf beiden Seiten der Wasserstraße untätig vor Anker.

Raketenangriffe, Minendrohungen und Marineeinsätze haben den Schiffsverkehr drastisch einbrechen lassen, treiben die Versicherungskosten in die Höhe und versetzen die Energiemärkte in den Krisenmodus.

Versicherungsprämien schießen in die Höhe

Die Kriegsrisikoversicherung für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, ist seit Beginn des Irankriegs sprunghaft angestiegen.

Forgione berichtet, dass der Versicherungsschutz zwar kurzzeitig ganz ausgesetzt wurde, die Prämien inzwischen aber um zweihundert bis dreihundert Prozent gestiegen sind – ein Niveau, das sich auf Dauer nicht halten lässt.

Vor der Krise lag die Kriegsrisikoprämie für ein Schiff im Golf bei 0,02 bis 0,05 Prozent des Schiffswerts.

Seit Beginn der Kampfhandlungen sind die Sätze Berichten zufolge auf 0,5 bis 1 Prozent des Werts gestiegen, teils sogar noch höher.

Für einen Tanker mit einem Wert von 120 Millionen Dollar bedeutet das: Statt einer üblichen Prämie von rund 40 000 Dollar kostet eine Fahrt nun zwischen 600 000 und 1,2 Millionen Dollar.

Die Folgekosten dieses Preissprungs werden Verbraucherinnen und Verbraucher schon in wenigen Wochen an der Zapfsäule oder im Supermarkt spüren.

„Diese Spannungen haben die Frachtraten für Tanker bereits nach oben getrieben“, so Forgione. „Wenn diese Kosten dann über Raffinerien und Logistikketten weitergereicht werden, landen sie schließlich bei den Endkunden – in Form höherer Kraftstoffpreise.“

Wie Reedereien reagieren

Einige der größten Reedereien der Welt, darunter Maersk, MSC, CMA CGM und Hapag-Lloyd, haben Fahrten durch den Golf ausgesetzt. Andere leiten ihre Ladung an der Straße vorbei um, was die Transportzeiten verlängern kann.

Viele Unternehmen müssen geopolitische Risiken inzwischen fest in ihre Einsatzplanung einbauen.

Christopher Long, Leiter für Analyse und Risiko bei der Sicherheitsfirma Neptune P2P Group, erklärt, dazu gehöre eine deutlich engere Beobachtung der Bedrohungslage. Unternehmen überprüften ihre Transitzeiten neu und achteten darauf, dass Schiffe Hochrisikogebiete nur mit einer passenden Lageeinschätzung durchqueren.

„Unternehmen überarbeiten zudem Notfallpläne, die Vorbereitung der Besatzungen und Kommunikationsprotokolle“, so Long. „So können Schiffe besser reagieren, falls sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert.“

Aus Handelssicht sei die Botschaft klar, betont Forgione: „Für Unternehmen ist der Aufbau robuster Lieferketten keine Option mehr, sondern eine dringende strategische Priorität.“

Umleitungen und Ausweichrouten stoßen wegen der Geografie des Persischen Golfs schnell an Grenzen. Den Firmen bleiben nur wenige Alternativen.

Umso wichtiger sei die Diversifizierung der Lieferketten, erklärt Forgione. Sie verringert die Abhängigkeit von einzelnen Partnern und hilft Unternehmen, Schocks besser abzufedern.

„Wenn es zu Störungen kommt, sind Unternehmen mit mehreren Bezugsquellen besser geschützt. Sie können sich schneller anpassen und den Betrieb aufrechterhalten.“

Außerdem, so Forgione, helfe mehr Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Firmen könnten Schwachstellen früher erkennen und beheben, bevor sie sich zu größeren Problemen auswachsen.

Marineeskorten: Hilft ein multinationaler Einsatz?

Seit Beginn des Konflikts meldeten die Behörden mindestens sechzehn angegriffene oder beschädigte Schiffe. Die USA haben daher zugesagt, Schiffe und Tanker mit Marineeinheiten durch die Straße von Hormus zu begleiten.

US-Präsident Donald Trump drängt zudem stark vom Golf abhängige Staaten wie China, Japan, Südkorea, Frankreich und das Vereinigte Königreich, Kriegsschiffe zu entsenden, um sichere Korridore für die Handelsschifffahrt zu schaffen.

Doch lohnt sich das Risiko einer Durchfahrt überhaupt?

Long, früher Offizier der britischen Marine, sieht in Eskorten und Patrouillen eine wichtige Beruhigung. Aus seiner Sicht sollten Unternehmen die Wasserstraße trotzdem weiterhin als Hochrisikogebiet behandeln – auch dann, wenn Sicherheitskräfte vor Ort sind.

Iran bekräftigt unterdessen seine Drohung, die Straße von Hormus faktisch geschlossen zu halten, und warnt Schiffe davor, die Passage zu nutzen – mit dem Hinweis auf das Risiko von Angriffen.

Eine länger anhaltende Störkampagne könnte die Weltwirtschaft ins Wanken bringen. Die Folgen ließen sich womöglich erst nach Jahren wieder korrigieren.

Was könnte also einen großen multinationalen Marineeinsatz auslösen?

Eine deutliche Eskalation mit direkten Angriffen auf Handelsschiffe oder eine länger anhaltende Blockade des Seehandels könnte einen entschiedeneren multinationalen Einsatz nach sich ziehen.

„Historisch haben Drohungen gegen kritische Schifffahrtswege immer wieder zu koordinierten Marineeinsätzen geführt, die Sicherheit und freie Schifffahrt wiederherstellen sollten“, erklärt Long weiter.

Kurs in unsicheren Zeiten

Störungen wichtiger Seewege sind nichts Neues. Doch sollten die Kämpfe in der Straße von Hormus nicht abflauen und zugleich weltweit die Zölle steigen, warnen Ökonominnen und Ökonomen vor weitreichenden Folgewirkungen und anhaltender Unsicherheit.

Handelsexperten wie Forgione drängen Regierungen und Unternehmen daher, ihre Anstrengungen zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit zu verstärken. Das sei eine „strategische Notwendigkeit, kein politischer Luxus“.

„Einen besonders wirksamen Weg zu mehr Resilienz bieten vertiefte und ausgeweitete Handelsabkommen mit einer breit gefächerten Gruppe von Ländern und Regionen“, so sein Fazit. Das helfe Staaten, in einem zunehmend protektionistischen globalen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Zugang zu neuen Märkten würde Unternehmen deutlich mehr Möglichkeiten eröffnen, ihre Lieferketten zu diversifizieren. Zusätzliche Bezugsquellen könnten helfen, turbulente Zeiten besser zu überstehen.

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