Es wird erwartet, dass der Handel zwischen der EU und Australien nach der Unterzeichnung eines bahnbrechenden Abkommens in den nächsten zehn Jahren um bis zu 33 % zunehmen wird. Aber wie haben sich ihre Handelsbeziehungen bisher entwickelt?
Nach acht Jahren Verhandlungen, 15 Gesprächsrunden und einer zwischenzeitlichen Aussetzung im Jahr 2023 haben der australische Premierminister Anthony Albanese und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Anfang vergangener Woche in Canberra ein lange erwartetes Freihandelsabkommen unterzeichnet.
Für Brüssel ist dies ein weiterer Erfolg: Angesichts wachsender globaler Spannungen treibt die EU die Diversifizierung ihrer Handelsbeziehungen voran und sucht gezielt die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern.
"Australien und Europa sind Freunde und Partner, die gemeinsam für Frieden, Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand eintreten", erklärte Albanese nach der Unterzeichnung.
Schon heute ist der Handel zwischen beiden Seiten erheblich. Die EU und Australien bauen auf Warenströmen im Wert von mehreren Milliarden Euro auf, die bereits vor Inkrafttreten des Abkommens bestanden.
So exportierte die EU im Jahr 2025 Waren im Wert von 36,9 Milliarden Euro nach Australien, während die Importe bei 10,2 Milliarden Euro lagen. Daraus ergibt sich laut Eurostat ein Handelsüberschuss von 26,7 Milliarden Euro für die EU.
Im Vergleich zu 2024 gingen sowohl die Ausfuhren (-4,9 %) als auch die Einfuhren (-4,8 %) leicht zurück. Langfristig zeigt der Trend jedoch klar nach oben: Seit 2015 stiegen die EU-Exporte um fast 40 %, die Importe sogar um nahezu 50 %.
Zu den wichtigsten Exportgütern der EU zählen Arzneimittel und pharmazeutische Produkte (13,1 %), Straßenfahrzeuge (11,1 %) und Industriemaschinen (9,5 %). Auf der Importseite dominieren Kohle, Koks und Briketts mit 29 %, gefolgt von Ölsaaten und ölhaltigen Früchten (15,3 %) sowie Gold (7,2 %).
Wie wird sich der Handel künftig entwickeln?
Nach Schätzungen der Europäischen Kommission könnte der Handel zwischen der EU und Australien in den kommenden zehn Jahren um bis zu ein Drittel wachsen. Der jährliche Exportwert der EU könnte dabei auf bis zu 17,7 Milliarden Euro steigen.
"Die EU erschließt den Markt einer der am schnellsten wachsenden Industrienationen der Welt und schafft damit erhebliche Chancen für Unternehmen, Verbraucher und Landwirte", heißt es in einer Mitteilung der Kommission.
Besonders profitieren dürften die Milchwirtschaft (plus bis zu 48 %), die Automobilindustrie (52 %) und die chemische Industrie (20 %).
Ein zentraler Bestandteil des Abkommens ist zudem der Abbau von Handelshemmnissen: Mehr als 99 % der Zölle auf EU-Exporte nach Australien sollen entfallen, was europäischen Unternehmen Einsparungen von rund einer Milliarde Euro jährlich ermöglichen dürfte.
Darüber hinaus stärkt die EU ihre strategische Position im Bereich kritischer Rohstoffe. Australien zählt zu den wichtigsten Produzenten von Aluminium, Lithium und Mangan – Ressourcen, die für die wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas zunehmend entscheidend sind.