Die Auswirkungen der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine sind in ganz Europa zu spüren, wobei die Bürger über die politischen und militärischen Reaktionen der Länder geteilter Meinung sind.
Laut einer neuen Umfrage von Ipsos sind viele Europäer zutiefst besorgt über den Krieg im Nahen Osten. Wer macht sich die größten Sorgen? Italiener, Franzosen und Niederländer gehören zu den am meisten besorgten.
Drei Viertel der niederländischen Befragten gaben sogar an, dass sie über den Krieg im Nahen Osten besorgter sind als über die Kriege in der Ukraine und in Gaza.
Fast acht von zehn befragten Franzosen befürchten eine Eskalation des Konflikts über den Nahen Osten hinaus, während mehr als drei von zehn Italienern die gleichen Bedenken haben.
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts gehören ebenfalls zu den größten Sorgen der Europäer: 65 % der Franzosen befürworten Maßnahmen zum Einfrieren oder Senken der Kraftstoffpreise, um die steigenden Kosten zu bekämpfen.
Allerdings spielen die politischen Präferenzen eine Rolle bei der Besorgnis der Bürger und der Unterstützung für verschiedene Maßnahmen.
In Italien sind zentristische Wähler von Parteien wie Forza Italia und Partito Democratico stärker als andere Wähler über eine mögliche Ausweitung des Konflikts besorgt.
Im Gegensatz dazu sind die Anhänger des rechten Flügels von Parteien wie Fratelli d'Italia und Lega mehr über die wirtschaftlichen Folgen und die Gefahr des Terrorismus infolge des Krieges besorgt.
Die öffentliche Meinung in den Niederlanden ist auch in Bezug auf die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran geteilt.
Vier von 10 Niederländern halten die Angriffe für eine schlechte Sache, während 21 % sie positiv sehen. Ein erheblicher Anteil bleibt neutral (25 %) oder unentschieden (15 %).
In den Niederlanden ist die Zustimmung zu den Angriffen bei den Wählern rechtskonservativer Parteien (Reformierte Politische Partei, JA21 und Freiheitspartei von Geert Wilders) größer, während die Wähler linksgerichteter und progressiver Parteien (GroenLinks-PvdA, Partei für die Tiere, Sozialistische Partei, Demokraten 66) eher dagegen sind.
Welche Rolle sollte die Regierung im Iran-Krieg spielen?
Die Meinung der Öffentlichkeit über die Reaktion und die Rolle ihrer nationalen Regierung variiert auch nach den politischen Ansichten der Befragten.
Eine knappe Mehrheit der Franzosen befürwortet die Maßnahmen ihrer Regierung seit Beginn des Iran-Krieges, während 44 % sie ablehnen.
Eine überwältigende Mehrheit der Befragten befürwortet die Maßnahmen der Regierung in der Mitte, während 65 % der Befragten die Maßnahmen der linksgerichteten Partei La France Insoumise und 54 % der Befragten die Maßnahmen der rechtsextremen Partei Rassemblement National ablehnen.
Die Entscheidung von Präsident Emmanuel Macron, den Flugzeugträger Charles de Gaulle und Kriegsfregatten zu entsenden, spaltet jedoch die Franzosen: 49 % sind dafür, weil sie glauben, dass Frankreich seine Interessen und seine Verbündeten schützen muss.
Diese Meinung wird vor allem von den Anhängern der zentristischen Parteien (78 %) geteilt, gefolgt von der Partei der Republikaner (LR) (64 %) und den Sozialisten (57 %).
Andererseits sprechen sich 50 % der Franzosen dagegen aus, weil sie befürchten, dass Frankreich dadurch in den Konflikt hineingezogen wird. Am stärksten ist die Ablehnung bei den Anhängern von France Unbowed (65 %), der Rallye Nationale (60 %) und den Ökologen (53 %).
In Italien plädieren 34 % der Befragten für Neutralität und Vermittlung zwischen den Parteien, während 13 % der italienischen Befragten meinen, das Land solle die USA und Israel diplomatisch unterstützen, und 2 % meinen, das Land solle sich direkt militärisch engagieren.
Allerdings konnten 27 % der Befragten nicht beantworten, welche Rolle Italien ihrer Meinung nach in diesem Krieg spielen sollte.
In den Niederlanden schließlich befürworteten nur 23 % der Befragten die Reaktion der Regierung.
Laut der Ipsos-Studie bedeutet diese Haltung häufig, dass die Niederländer Israel und die USA stärker kritisieren sollten (37 %), während ein kleinerer Teil diese Länder sogar stärker unterstützen möchte (13 %).