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Mit 86 in ICE-Haft: Frankreich kämpft um Witwe eines Kriegsveteranen

ARCHIV - Ein Bundesbeamter trägt am 10. Juni 2025 in New York ein Abzeichen der Einwanderungs- und Zollbehörde.
ARCHIV - Ein Bundesbeamter trägt am 10. Juni 2025 in New York ein Abzeichen der Einwanderungs- und Zollbehörde. Copyright  Yuki Iwamura/Copyright 2025 The AP. All rights reserved.
Copyright Yuki Iwamura/Copyright 2025 The AP. All rights reserved.
Von Serge Duchêne
Zuerst veröffentlicht am
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Weil sie ihr Visum um 90 Tage überschritten haben soll, wurde die 86-jährige Französin Marie-Thérèse Ross in Alabama von ICE festgenommen. Nun sitzt die Witwe eines Kriegsveteranen in Haft in Louisiana – und ihr Fall entwickelt sich zu einem diplomatischen Problem für die USA.

Die französische Regierung übt Druck auf das US-Heimatschutzministerium aus, um die Freilassung von Marie-Thérèse Ross zu erreichen. Die 86-jährige Französin, Witwe eines Kriegsveteranen, wird seit ihrer Festnahme Anfang des Monats von der Einwanderungsbehörde festgehalten.

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Alarm schlug ihr Sohn aus Nantes, nachdem seine Mutter Anfang April in Anniston im Bundesstaat Alabama festgenommen worden war.

"Sie haben ihr Hand- und Fußfesseln angelegt wie einer gefährlichen Kriminellen", sagte er der Zeitung Ouest-France.

Das US-Heimatschutzministerium, dem auch die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE untersteht, erklärte gegenüber der BBC, eine "illegale Ausländerin aus Frankreich", deren Name mit dem von Marie-Thérèse Ross übereinstimme, sei im Juni 2025 in die USA eingereist und habe die zulässige Aufenthaltsdauer ihres Visums um 90 Tage überschritten.

Derzeit wird sie in einer Bundeshafteinrichtung in Louisiana festgehalten.

Nach Angaben ihres Sohnes hatte Marie-Thérèse im vergangenen Jahr Billy geheiratet, einen Amerikaner, den sie bereits in den 1960er Jahren kennengelernt hatte. Damals war er als Soldat auf dem NATO-Stützpunkt in Saint-Nazaire stationiert, während sie dort als Sekretärin arbeitete. Nachdem der Kontakt zwischen beiden lange abgerissen war, trafen sie sich 2010 wieder. Beide waren inzwischen verwitwet und begannen eine Beziehung. Später heirateten sie, und Marie-Thérèse zog nach Alabama, wo sie auf ihre Aufenthaltsgenehmigung, die Green Card, wartete.

Im Januar 2026 starb Billy plötzlich und ließ Marie-Thérèse in einem ungeklärten Migrationsstatus zurück. Zugleich geriet sie mit Billys Sohn in Streit um das Erbe. Nach Angaben der Familie bedrohte er sie und stellte Wasser, Internet und Strom ab. Marie-Thérèse schaltete daraufhin einen Anwalt ein. Am Tag vor einer Gerichtsverhandlung wurde sie jedoch von der Einwanderungsbehörde ICE festgenommen. Ihre Kinder erfuhren durch Nachbarn davon. Eine direkte Verbindung zwischen Billys Sohn und der Festnahme gibt es nach bisherigen Angaben nicht.

Diplomatischer Druck aus Frankreich

Marie-Thérèse Ross gehört zu den Tausenden Menschen, die von der massiven Abschiebungspolitik der Trump-Regierung betroffen sind. Diese hat dazu geführt, dass auch Ehepartner von US-Soldaten und Veteranen, die zuvor oft milder behandelt wurden, inhaftiert werden.

Rodolphe Sambou, französischer Generalkonsul in New Orleans, sagte der Associated Press, die französische Regierung setze sich mit Nachdruck für ihre Freilassung ein. Er habe sie bereits zweimal besucht.

"Angesichts ihres Alters möchten wir wirklich, dass sie so schnell wie möglich aus dieser Situation herauskommt", sagte er. "Wir wollen, dass sie aus dem Gefängnis entlassen wird."

Sambou erklärte, er stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Familie von Marie-Thérèse sowie mit den französischen Behörden in Washington, Atlanta und Paris, um ihre Freilassung zu koordinieren und sicherzustellen, dass sie ausreichend versorgt werde und Zugang zu medizinischer Betreuung habe. Zudem habe die französische Regierung das US-Heimatschutzministerium kontaktiert.

Zu ihrer rechtlichen Lage und zu weiteren Einzelheiten des Falls wollte er sich nicht äußern.

Der Anwalt, der Marie-Thérèse in einem anderen Verfahren vertritt, reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Associated Press. Auch die Familie von Ross beantwortete die Fragen der Nachrichtenagentur zunächst nicht.

Ihr Sohn sagte zudem der Presse, seine Geschichte sehe "wie ein schlechter amerikanischer Film" aus. "Jeden Morgen wache ich auf und sage mir, dass nichts davon wahr ist, dass alles nur ein Albtraum war."

Weitere Quellen • AP, BBC, Ouest France

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