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IMO-Chef: Niemand darf Schifffahrt in Straße von Hormus rechtlich einschränken

UN-Schifffahrtschef Arsenio Dominguez im Gespräch mit Euronews, 16. April 2026.
UN-Schifffahrtschef Arsenio Dominguez im Euronews-Interview. 16. April 2026. Copyright  Euronews 2026
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Von Mared Gwyn Jones
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der UN sagte Euronews, die Schifffahrt dürfe in Konflikten nicht zum Kollateralschaden werden.

Kein Staat darf auf internationalen Wasserstraßen die Freiheit der Schifffahrt einschränken, betonte der Chef der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), Arsenio Dominguez, im Gespräch mit Euronews. Hintergrund ist die anhaltende Konfrontation zwischen Washington und Teheran über die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus.

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Zur Blockade iranischer Häfen durch die US-Marine, die in dieser Woche begonnen hat, sagte Dominguez gegenüber Euronews, es gebe „keine völkerrechtliche Vereinbarung, die einem Staat erlaubt, die Freiheit der Schifffahrt in für die internationale Schifffahrt genutzten Meerengen zu verbieten“. Er forderte eine rasche Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten, damit der Schiffsverkehr wieder anlaufen kann.

Die USA setzen ihre Kriegsflotte ein, um den Zugang zu iranischen Häfen zu kontrollieren. Sie wollen so Teherans Einnahmen aus Ölexporten beschneiden und das Land wirtschaftlich unter Druck setzen, damit es die Straße von Hormus wieder für den Seeverkehr öffnet.

Trotz der derzeit geltenden zweiwöchigen Waffenruhe bleibt die Straße von Hormus, eine für den Welthandel zentrale Wasserstraße, de facto blockiert. Das hat massive Folgen für die Weltwirtschaft.

Schifffahrtsdaten zufolge haben seit Ausbruch des Krieges Ende Februar weniger als 300 Schiffe die Meerenge passiert. Zuvor waren es im Schnitt 138 pro Tag, die rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls und verflüssigten Erdgases (LNG) transportierten.

Dominguez erklärte, Teheran habe in der Straße von Hormus einen anderen Schifffahrtskorridor ausgewiesen als den von der IMO anerkannten. Ihm lägen jedoch keine Informationen zur Sicherheit eines der beiden Korridore vor.

Er sagte, seine Organisation stehe bereit, ein Evakuierungskonzept umzusetzen, um festliegende Schiffe und ihre Besatzungen zu befreien und den Transit wiederherzustellen, sobald der Konflikt endgültig beendet ist.

„Wir haben seit 1968 ein Verkehrstrennungsgebiet, das Oman und Iran gemeinsam koordinieren. Es ist im Einklang mit dem Völkerrecht eingerichtet und einsatzbereit“, sagte Dominguez in der Euronews-Sendung 12 Minutes With.

„Wir arbeiten mit beiden Staaten zusammen. Aber wir brauchen Sicherheit in der Region, damit die Schiffe und vor allem die Besatzungen beim Wiederanlaufen der Fahrten keinem Risiko ausgesetzt sind“, sagte er. Diese technischen Planungen habe die IMO sowohl Washington als auch Iran übermittelt.

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Am Freitag richten Frankreich und das Vereinigte Königreich gemeinsam einen Gipfel aus. Dort sollen mögliche Schritte beraten werden, um die Straße nach Beruhigung der Lage wieder zu öffnen. Premierminister Keir Starmer zufolge gehören bis zu vierzig Staaten der Koalition an.

„Das ist Multilateralismus, wie wir ihn brauchen“, sagte Dominguez zu der Initiative. „Ich bin den Führungspersönlichkeiten in Frankreich und im Vereinigten Königreich sehr dankbar und stehe mit ihnen in engem Austausch. Wir bringen das Fachwissen ein, das die Organisation über die Jahre aufgebaut hat.“

Seeverkehr darf nicht als Druckmittel dienen

Der IMO-Generalsekretär kritisierte zudem, dass die Schifffahrt in diesem Konflikt als „Sicherheitspfand“ benutzt werde. Jeder Staat müsse die Grundsätze der freien Fahrt auf See beachten, um der Weltbevölkerung zu dienen.

„Die Schifffahrt dient weiterhin als Hebel in diesem politischen Konflikt“, erläuterte er. „Doch alle Menschen auf dem Planeten sollten erkennen: Sobald die Schifffahrt beeinträchtigt ist, hat das negative Folgen für alle, für unseren Alltag und unsere Lebensweise.“

Die Sorge über die langfristigen Folgen des Krieges für die Weltwirtschaft wächst. Grund ist die strategische Bedeutung der Straße von Hormus für den Welthandel und vor allem für den Transport von Öl und Gas.

Die Schifffahrt sei „resilient“, sagte Dominguez. Es gebe jedoch keine Alternative, um die wichtigen Brenn- und Kraftstoffe, Düngemittel, Chemikalien und Autoteile aus der Region zu transportieren.

„Diese Auswirkungen könnten wir nicht ausgleichen, denn für Massengüter braucht es nun einmal Schiffe“, erklärte er. „Je schneller dieser Konflikt endet, desto eher kann die Schifffahrt Schritt für Schritt zum Normalbetrieb zurückkehren. Dann lässt auch der wirtschaftliche Druck allmählich nach.“

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