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Vier Jahre Gepard-Panzer für die Ukraine: so bewährt sich der deutsche Klassiker

Ein Flugabwehrkanonenpanzer "Gepard 1A2" feuert am Montag, 15. Juni 2009, während einer Gefechtsübung auf dem Truppenuebungsplatz in Bergen, Niedersachsen
Ein Flugabwehrkanonenpanzer "Gepard 1A2" feuert am Montag, 15. Juni 2009, während einer Gefechtsübung auf dem Truppenuebungsplatz in Bergen, Niedersachsen Copyright  AP Photo/Joerg Sarbach
Copyright AP Photo/Joerg Sarbach
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Vier Jahre nach der Entscheidung der deutschen Regierung zur Lieferung zeigt sich: Der einst ausgemusterte Gepard-Panzer ist heute ein Schlüsselsystem der ukrainischen Luftverteidigung – und einer der effektivsten "Drohnen-Killer" im Kampf gegen Russland.

Vor vier Jahren im April 2022 hat die Bundesregierung beschlossen, Gepard-Flugabwehrpanzer an die Ukraine zu liefern. Zu diesem Zeitpunkt war die russische Vollinvasion bereits in vollem Gange. Nachdem Butscha Ende März von der ukrainischen Armee befreit worden war, wurden die dort begangenen russischen Massaker bekannt.

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Kurz darauf, am 26. April 2022 hat Deutschland am Rande eines Treffens von rund 40 Unterstützerstaaten in Ramstein die Lieferung von Gepard-Flugabwehrpanzern an die Ukraine angekündigt. Die damalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bestätigte die Entscheidung und erklärte, dass die Systeme aus Industriebeständen stammten und der Export bereits am Vortag genehmigt worden war. Mittlerweile sind mindestens 55 Gepard-Systeme in die Ukraine geliefert worden.

Nachdem vor Beginn des russischen Angriffskrieges eine Unterstützung mit 5.000 Helmen zugesagt wurde, lieferte Deutschland mit dem Gepard erstmals schwere Waffen westlicher Bauart aus deutschen Beständen ohne den sogenannten Ringtausch. 15 Gepard-Flugabwehrpanzer wurden im darauffolgenden Juli geliefert.

Der "beste Drohnen-Killer"

Seitdem ist der Gepard zu einem festen Bestandteil für die ukrainischen Streitkräfte geworden, und von mehreren ukrainischen Medien als der "besten Drohnen-Killer" bezeichnet worden. Wenn es um Drohnenabwehr geht, ist die Ukraine zum Vorreiter geworden. Russland feuert regelmäßig mehr als 500 Drohnen auf die Ukraine ab, die von der Luftverteidigung zum Großteil neutralisiert werden.

Laut dem ukrainischen Medium Euromaidan Press spielt auch der Gepard wegen der Kombination aus Radar und 35-mm-Kanonen, die eine dichte Feuerwolke erzeugen und Drohnen zuverlässig treffen können, eine zentrale Rolle bei der Luftverteidigung.

Flugabwehrraketen wie Patriot oder IRIS-T kosten pro Einsatz oft mehrere hunderttausend bis mehrere Millionen Dollar und sind begrenzt verfügbar. Der Gepard hingegen nutzt deutlich günstigere 35-mm-Munition und eignet sich daher besonders für die Abwehr kostengünstiger Drohnen – auch wenn für einen Abschuss zahlreiche Schüsse erforderlich sind. Deutschland hat die Munitionsproduktion dafür wieder aufgenommen.

Hintergrund waren Exportbeschränkungen aus der Schweiz sowie der hohe Bedarf der Ukraine. Rheinmetall richtete daraufhin eigene Fertigungskapazitäten in Deutschland ein und produziert seitdem neue Munition. Eigenen Angaben zufolge wird der deutsche Rüstungsgigant die Ukraine mit weiteren 180.000 Schuss 35-mm-Gepard-Munition beliefern; die Auslieferung soll laut dem Unternehmen 2026 beginnen.

Der Panzer, den Deutschland nicht mehr wollte?

Der Gepard wurde in Deutschland vor allem im Zuge der Bundeswehrreformen nach dem Kalten Krieg ausgemustert. Eine zentrale Rolle spielten dabei Kostenüberlegungen: Der Betrieb galt als aufwendig und teuer, insbesondere wegen der komplexen Radar- und Feuerleittechnik sowie der spezialisierten Munition.

Zudem stand die Bundeswehr unter politischem Druck, ihre Strukturen zu verkleinern und Ausgaben zu reduzieren. Hinzu kam eine veränderte Bedrohungswahrnehmung: klassische Szenarien, für die der Gepard entwickelt worden war – etwa die Abwehr von Tieffliegern oder Kampfhubschraubern im konventionellen Krieg – wurden über Jahre hinweg als zunehmend unwahrscheinlich eingeschätzt.

In den Fokus rückten stattdessen Auslandseinsätze wie in Afghanistan, bei denen bodengebundene Flugabwehr kaum eine Rolle spielte. In diesem Kontext hieß es rückblickend, dem System habe "der Gegner gefehlt". Ein entscheidender struktureller Einschnitt war zudem die Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe Anfang der 2010er-Jahre. Mit dem Wegfall dieser gesamten Truppengattung verlor auch der Gepard seine organisatorische Verankerung innerhalb der Bundeswehr. Fähigkeiten der Luftverteidigung wurden teilweise anderen Bereichen zugeordnet oder ganz aufgegeben.

Parallel setzte die Bundeswehr auf alternative Luftverteidigungskonzepte: statt schwerer, kettenbasierter Flugabwehrsysteme lag der Schwerpunkt zunehmend auf leichteren, mobileren Lösungen wie schultergestützten Flugabwehrraketen (wie zum Beispiel dem "Stinger") oder auf Fähigkeiten der Luftwaffe.

Der Gepard galt in dieser Logik als nicht mehr zeitgemäß. Erst mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ab 2022 wurde diese Entscheidung vielfach neu bewertet. Der massive Einsatz von Drohnen und Marschflugkörpern zeigte, dass fähige Nahbereichsflugabwehrsysteme weiterhin eine wichtige Rolle spielen. In der Folge wurde deutlich, dass mit der Ausmusterung des Gepard eine Fähigkeitslücke entstanden war – insbesondere bei der kosteneffizienten Abwehr von Drohnen. Ironischerweise erwies sich das System gerade in diesem Szenario als besonders wirksam.

Für ähnliche Zwecke schafft die Bundeswehr in den kommenden Jahren das System Skyranger an, rund 600 sollen beschafft werden. Gebaut wird dieser "Gepard 2.0" von Rheinmetall, er soll zur Stärkung der Flugabwehr, insbesondere gegen Drohnen dienen.

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