Langsame Entscheidungen, zu wenig Fachkompetenz: 57% Deutschen sehen die Arbeit des Bundestags kritisch. Das zeigt eine neue Studie, die zugleich eine hohe Zustimmung zur Demokratie feststellt.
Nur 15,8 % der Deutschen sind mit der Arbeit des Bundestags zufrieden. Mehr als die Hälfte (57,2 %) gab an, vollkommen oder eher unzufrieden zu sein. Der Rest der Befragten gab an, unentschlossen zu sein.
Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Studie der Gesellschaft für Politikforschung und Politikberatung "policy matters". Vom 11. Februar bis zum 2. März 2026 hat die Organisation 2.050 deutsche Wahlberechtigte über 18 Jahre befragt.
Frauen sind demnach mit der Arbeit des Bundestags unzufriedener als Männer. 57,2 % der Frauen gaben an, die Arbeit eher abzulehnen, im Vergleich zu 56,9 % der Männer. Bei der Zustimmungsrate zeigte sich der Abstand noch deutlicher: 14,1 % der Frauen waren positiv gestimmt angesichts der Bundestagsleistung. Bei Männern waren es 17,7 %.
Auch bei Bildungsgrad, der Herkunft sowie beim Alter zeigten sich teils erhebliche Unterschiede: Je niedriger die Bildung, desto unzufriedener waren die Befragten. Im Osten waren die Befragten durchschnittlich unzufriedener als im Westen (64,1 % zu 55,4 %). Zudem waren Jüngere unzufriedener als Ältere. In der Gruppe 18–39 Jahre gaben 65,6 % an, unzufrieden zu sein. In der Gruppe über 80 Jahren waren es 37,9 %.
Hauptprobleme der Befragten waren die langsame Entscheidungsfindung (72,6 %), gefolgt von mangelnder Fachkompetenz (65 %) und unzureichender Orientierung an den Bedürfnissen der Bevölkerung (62,8 %). Die Studienmacher vermuten dahinter Erinnerungen an vergangene Zeiten: So war "insbesondere die zweite Hälfte der Regierungszeit von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ("Ampel") von längeren Debatten geprägt, die den Befragten noch präsent sein könnten", schreiben sie in ihrem Papier.
Heftiges Streiten erwünscht
Im Kontrast dazu steht die hohe Unterstützung der Demokratie: Mehr als drei Viertel (79,7 %) der Deutschen geben an, die Idee der Demokratie vollständig oder größtenteils zu unterstützen.
Gefragt danach, wann es gerechtfertigt sei, für die Regierung das Parlament zu übergehen, gaben 44,2 % der Befragten an, dass dies nie legitim sei. Bei einem militärischen Angriff auf ein EU-Land machte fast ein Drittel jedoch eine Ausnahme (29 %). Auch bei einem Gesundheitsnotstand wäre für ein Viertel (23,9 %) ein solches Übergehen in Ordnung.
Die Forscher verwiesen darauf, dass in "westlichen Demokratien" seit einiger Zeit die Demokratiezufriedenheit abnehmen würde. Gleichzeitig gäbe es eine "steigende" Tendenz zu autoritären Regierungsstilen.
Immer wieder auftretendes Chaos im Bundestag sowie störende Zwischenrufe scheint ein großer Teil der Deutschen gut zu finden. Fast zwei Drittel gaben in der Erhebung an, dass Regierung und Opposition sich im Parlament schon mal "heftig streiten" sollten (65,1 %). Für beidseitige Kooperationsbereitschaft sprachen sich gleichzeitig 60,2 % aus.
Besonders deutlich zeigte sich die Streitlustigkeit bei den männlichen Befragten: 74,1 % von ihnen stimmten zu, dass heftiger Streit dazugehört. Bei den Frauen waren es 56,2 %. Auch hier zeigten sich bildungs-, alters- und herkunftsbedingte Effekte: Je höher die Bildung und je älter die Befragten waren, desto höher war der Wunsch nach Konflikten. In Westdeutschland gaben mehr Personen an, sich Konflikte zu wünschen als in Ostdeutschland (65 % zu 64,1 %).
92,3 % der Befragten gaben an, Handgreiflichkeiten gegenüber Politikern abzulehnen. Besonders unbeliebt waren bei den Befragten auch Schmierereien an Wahlkreisbüros (87,3 %), Demonstrationen vor Privatwohnungen (79,5 %) sowie persönliche Beschimpfungen (65 %) und Beschimpfungen in sozialen Medien (64,4 %).
Als angemessen stuften die Studienteilnehmer offenbar Beschwerde-Mails ein. 66,5 % gaben an, dafür Verständnis zu haben. Für Buh-Rufe auf Veranstaltungen äußerten 40,7 % Verständnis.