Russische Angriffe in der Nacht haben weitere Menschen in der Ukraine das Leben gekostet. Die ukrainische Armee setzte ihrerseits ihre Angriffe auf russische Ziele in den besetzten Gebieten und in Russland fort.
Ein nächtlicher Luftangriff im Norden der Ukraine hat einen Teenager das Leben gekostet und vier Menschen verletzt, wie die Militärverwaltung der Stadt Tschernihiw an diesem Sonntag mitteilte. "Eine Person wurde getötet: ein 16-jähriger Junge", erklärte Dmytro Bryjynsky, Leiter der Militärverwaltung von Tschernihiw, auf Telegram. Vier Personen seien bei dem Angriff, bei dem mehrere Wohnhäuser sowie Verwaltungs- und Schulgebäude beschädigt wurden, verletzt worden.
Im Laufe der Nacht von Samstag auf Sonntag feuerten die russischen Streitkräfte mehr als 230 Kampfdrohnen auf ukrainische Städte ab, von denen 203 von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen oder unschädlich gemacht wurden. 18 Orte wurden direkt getroffen, an 8 weiteren Orten fielen Trümmerteile herab.
Am diesem Sonntagmorgen trafen russische Drohnen ein Taxi in Cherson und eine Lokomotive in der Region Poltawa. Auch dabei kam ein Mensch ums Leben.
Ukraine greift weiter russische Militärziele an
In der Nacht von Samstag auf Sonntag griffen die ukrainischen Streitkräfte mehrere strategische russische Ziele in den besetzten ukrainischen Gebieten und auf russischem Territorium an.
Nach Angaben des Generalstabs wurde unter anderem eine Anlage des feindlichen militärisch-industriellen Komplexes "Atlant Aero" im Gebiet Rostow getroffen. Auf dem Gelände brach ein Feuer aus.
Der Gouverneur der Region Rostow, Jurij Sliusar, bestätigte, dass ein Raketenangriff auf die Region gerichtet war. Seinen Informationen zufolge wurden drei Personen medizinisch versorgt. Auch kommerzielle Infrastrukturen seien getroffen worden, und in Lagerhäusern sei ein Feuer ausgebrochen, teilte er mit.
"Atlant Aero übernimmt den gesamten Zyklus der Entwicklung, Herstellung und Prüfung von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen des Typs 'Molniya' sowie von Komponenten für die Drohne 'Orion'", schrieb die Ukraïnska Pravda. Die Drohne wiegt etwa eine Tonne und kann bis zu 250 kg Nutzlast transportieren wie Luftfotografiesysteme, Funkaufklärungsmodule, optoelektronische Systeme, gelenkte Luftbomben, Raketen usw.
Laut ASTRA , einem Nachrichtenmedium, das aus offenen Quellen (OSINT) stammt, war "Atlant Aero" bereits im Januar und März dieses Jahres Ziel von Angriffen geworden.
Darüber hinaus richteten sich die ukrainischen Angriffe gegen ein russisches Munitionslager in der Nähe von Trudove im besetzten Gebiet in der Region Saporischschja, gegen Material- und Nachschublager in der Nähe von Mangusch, Topoline und Mariupol in der Region Donezk sowie in Smila (Saporischschja) und gegen Tanklastwagen in der Nähe der Ortschaft Nowopoltawka in der Region Saporischschja.
Das ukrainische Militär berichtete außerdem, dass seine Drohnenabwehrkräfte zum ersten Mal in der Welt einen "Shahed"mit einem Abfangjäger abgeschossenhätten, der von einer Plattform auf der Wasseroberfläche gestartet worden war.
Kritik an Aussetzung der US-Sanktionen gegen russisches Öl
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte an diesem Sonntag die Verlängerung der Aussetzung der US-Sanktionen gegen russisches Öl. Ohne die USA namentlich zu nennen, prangerte er an, dass "jeder Dollar, der für russisches Öl gezahlt wird, Geld für Moskaus Krieg" in der Ukraine sei. Die US-Regierung hatte am Freitag eine einmonatige Ausnahme von den Sanktionen und den Verkauf von russischem Öl und Ölprodukten, die sich auf See befanden, gewährt.
Selenskyj zufolge befinden sich derzeit mehr als 110 Tanker auf See, die unter Verletzung internationaler Sanktionen russisches Öl transportieren - mehr als 12 Millionen Tonnen Rohöl, "die aufgrund der Lockerung der Sanktionen wieder ohne Konsequenzen verkauft werden können".
"Das sind 10 Milliarden US-Dollar - eine Ressource, die direkt in neue Schläge gegen die Ukraine umgewandelt wird", kritisierte Selenskyj auf Social Media. "Allein in dieser Woche hat Russland mehr als 2.360 Drohnenangriffe, mehr als 1.320 gelenkte Luftbomben und fast 60 Raketen gestartet", klagte er. Es sei wichtig, russischen Öltankern den Zugang zu Häfen zu verwehren und ihnen zu verbieten, Öl dorthin zu liefern. Die Ölexporte des Aggressors müssten zurückgehen. Die langfristigen Sanktionen der Ukraine wirkten weiterhin in diese Richtung.
Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanishyna, forderte die US-Regierung auf, die Sanktionen, die den Handel mit russischem Öl einschränken, wieder einzuführen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Russland von den Handlungen seines Verbündeten, des Iran, profitiert. Wir fordern die US-Regierung auf, die Sanktionen gegen russisches Öl und Ölprodukte wieder einzuführen", schrieb sie auf X.
"Wenn Russland feststellt, dass sich Destabilisierung und das Schüren von Konflikten lohnen, werden bald neue Probleme in der Welt auftauchen. In diesem Zusammenhang hat ein russischer Vertreter die Aufhebung der Ölbeschränkungen schon als 'Kooperation' bezeichnet".