Etwa ein Drittel Deutschlands ist von Wald bedeckt. Die Waldfläche umfasst rund 11,4 Millionen Hektar. Doch wem gehören diese Wälder eigentlich?
Die beiden großen Kirchen in Deutschland verfügen über beträchtliche Flächen an Ackerland und zählen damit zu den bedeutenden Grundeigentümern, auch wenn ihr Anteil im Vergleich zur Gesamtfläche des Landes relativ gering ist.
Demnach befinden sich rund 2,3 Prozent der gesamten Agrarfläche in Deutschland im Besitz von Kirchen, berichtet das Fachmagazin "agrarheute".
Die Kirchen bewirtschaften gemeinsam rund 150.000 Hektar Wald, verteilt auf mehr als 6.500 Rechtsträger wie Pfarreien, Klöster, Stiftungen und Bistümer.
Die größten Flächen im Besitz der Kirchen finden sich in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. Die geringsten Anteile an kirchlichem Land verzeichnen hingegen Hamburg und Schleswig-Holstein.
Der größte Waldbesitzer in Deutschland ist allerdings der Freistaat Bayern mit etwa 778.000 Hektar Wald, der von den Bayerischen Staatsforsten bewirtschaftet wird.
Alter Adel: Großgrundbesitzer seit dem Mittelalter
Viele Wälder und landwirtschaftliche Flächen befinden sich teilweise seit Jahrhunderten im Besitz einzelner Familien. Zu den größten privaten Eigentümern zählen dabei vor allem Adelsfamilien wie die Thurn und Taxis, die Fürstenbergs, die Hohenzollern, die Riedesels und die Sayn-Wittgensteins.
Zur Einordnung: Von den insgesamt rund 11,5 Millionen Hektar Wald in Deutschland entfallen 48 Prozent auf Privatwald. 29 Prozent befinden sich im Eigentum der Bundesländer, 20 Prozent gehören Körperschaften, vor allem Kommunen, und 3 Prozent dem Bund. Das geht aus den Ergebnissen der jüngsten Bundeswaldinventur (BWI) hervor, einer zentralen, bundesweiten Erhebung über den Wald in Deutschland. Sie wird im Auftrag des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchgeführt und wissenschaftlich vom Johann Heinrich von Thünen-Institut koordiniert.
Die Familie Thurn und Taxis besitzt mit knapp 20.000 Hektar den größten privaten Waldbestand in Deutschland. Bis 2004 war ihr Forstbesitz sogar noch umfangreicher. Damals verkaufte die Familie mehr als 5.000 Hektar Waldfläche an die Blauwald GmbH & Co. KG, die zur Unternehmensgruppe der Familie Merckle gehört, zu der unter anderem Ratiopharm und Phoenix Pharma zählen.
Auf Platz zwei der größten Waldeigentümer in Deutschland steht Christian Erbprinz zu Fürstenberg mit einem Waldbesitz von rund 18.000 Hektar. Etwa zwei Drittel dieser Flächen liegen im Schwarzwald. Die Familie verfügt auch über Waldflächen in Kanada und Österreich.
Den dritten Platz nimmt das Haus Hatzfeldt-Wildenburg ein. Das Haus Hatzfeldt-Wildenburg ist eine alte deutsche Adelsfamilie, die zum Hochadel gehört und seit dem Mittelalter im Besitz von großen Land- und Waldbeständen ist. Über die Hatzfeldt-Wildenburg’sche Verwaltung bewirtschaftet die Familie insgesamt 15.058 Hektar Wald in Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Thüringen. Die Waldflächen in Rheinland-Pfalz befinden sich bereits seit über 500 Jahren im Familienbesitz.
Auf Platz fünf steht der Fürst von Hohenzollern mit einer forstwirtschaftlichen Fläche von rund 15.000 Hektar. Davon liegen etwa 12.800 Hektar in Baden-Württemberg und rund 2.200 Hektar in Bayern.
Den sechsten Rang belegen die Riedesel Freiherren zu Eisenbach. Die Waldgesellschaft Riedesel Freiherren zu Eisenbach GbR ist ein Zusammenschluss von 20 Gesellschaftern und bewirtschaftet insgesamt etwa 14.000 Hektar Privatwald in Hessen.
Auf Platz sieben der adligen Großgrundbesitzer steht das Haus Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Mit rund 13.100 Hektar Fläche ist die "Wittgenstein-Berleburg’sche Rentkammer" der größte private Forstbetrieb in Nordrhein-Westfalen.
Zu den größten privaten Waldeigentümern in Deutschland zählen auch die Constantia Forst GmbH (im Besitz von Stanislaus Turnauer, Eigentümer der Constantia Industries), die Bofrost-Stiftung sowie die Blauwald GmbH aus dem Umfeld der Unternehmerfamilie Merckle.