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Verurteilter Volksverhetzer: Immer wieder Auftritte bei der AfD

Brandenburger AfD-Politiker Dennis Hohloch und rechtsextremer Influencer "Shlomo Finkelstein", 8. Mai 2026
Brandenburger AfD-Politiker Dennis Hohloch und rechtsextremer Influencer "Shlomo Finkelstein", 8. Mai 2026 Copyright  X / Dennis Hohloch
Copyright X / Dennis Hohloch
Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Der rechtsextreme Influencer "Shlomo Finkelstein" sprach bei einem AfD-Stammtisch in Potsdam. Verfassungsschutz und Rechtsextremismus-Experten sehen darin ein Signal an junge, radikale Milieus.

Bei einem Stammtisch des AfD-Kreisverbands Potsdam trat am vergangenen Donnerstag der rechtsextreme Aktivist und Influencer "Shlomo Finkelstein" auf. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der 30-jährige Aron Pielka aus Krefeld, der 2020 unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Euronews wollte vom Potsdamer Kreisverband wissen, wieso der Kreisverband sich dafür entschied, Pielka trotz seiner Verurteilung einzuladen. Bis Redaktionsschluss reagierte die Organisationen nicht.

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Bei dem Treffen im Restaurant "Zum Alten Krug" hielt Pielka, so schreibt er auf X, eine 40-minütige Rede. Thema war die Brandmauer gegen die AfD. In einer Ankündigung auf X postete Dennis Hohloch, Kreisvorsitzender der AfD Potsdam sowie Mitglied im brandenburgischen Landtag: "Die Brandmauer bröckelt. Wir sprechen darüber."

Der Rechtsextremismus-Forscher Felix Schilk von der Universität Tübingen ordnet den Influencer als "Online-Aktivist, der zum Umfeld der Neuen Rechten gehört und sich mit leicht konsumierbaren Videos an ein junges, Social-Media-affines Publikum richtet", ein. Er nutze "gezielt provokative Grenzüberschreitungen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, und bedient alle 'klassischen Themen' der Neuen Rechten wie Islamfeindlichkeit, Antifeminismus und den Kampf gegen 'Woke'."

Ziel des Auftritts von Pielka sei, so Schilk, dass die AfD eine "vor allem junge, radikale Zielgruppe" ansprechen wolle. "Dennis Hohloch, der Pielka eingeladen hat, gehört innerhalb des rechtsextremen Landesverbandes in Brandenburg zu den radikalsten Kräften und wird vom Verfassungsschutz ebenfalls als 'rechtsextrem' eingestuft", erklärt Schilk weiter. Die Einladung sei auch eine Positionierung in innerparteilichen Auseinandersetzungen um den Einfluss der Neuen Rechten in der AfD.

Aufsehen erregte der Brandenburger AfD-Politiker Hohloch zuletzt mit der Relativierung rassistischer Aussagen von Jugendlichen. Ende März hatten in einem Club im brandenburgischen Falkenberg zum Song "L'amour toujours" von Gigi D'Agostino Menschen "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus" gesungen. Bekannt wurden Song und Parole im Mai 2024. Damals sorgte ein ähnlicher Vorfall auf Sylt deutschlandweit für Empörung.

"Da rastet unser Ministerpräsident mal so richtig aus, wenn dieses Lied gespielt wird und ein paar Jugendliche in Brandenburg, wenn sie feiern gehen, mal ein paar Sätze sagen, die vielleicht nicht jeder schön finden muss", zitiert der Spiegel Hohloch. Er glaube, dass die Kinder und Jugendlichen "sicherlich kein Grund" dafür seien, dass der Staatsschutz eingeschaltet werden müsse. Hohloch bezeichnete den Vorgang als "lächerlich".

Das "Lagebild Rechtsextremismus" des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2025 führt "Shlomo Finkelstein" als "prägnantes Beispiel" für "rechtsextremistische Influencer" auf. Seine Website habe monatlich rund "100.000 Aufrufe" erhalten. In einem ebenfalls von ihm betriebenen Forum wurden zahlreiche "Memes, in denen die typischen Feindbilder von Rechtsextremisten herabwürdigend dargestellt wurden", geteilt. In seinem Podcast "Honigwabe" spricht Pielka zudem mit Protagonisten wie dem AfD-Politiker Björn Höcke und Martin Sellner von der "Identitären Bewegung" - die im aktuellen Verfassungsschutzbericht als Beobachtungsobjekt aufgeführt wird.

Das Amtsgericht Köln verurteilte im Jahr 2020 den damals in Köln lebenden Influencer schließlich wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen zu einem Jahr auf Bewährung. Wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen wurde er im August 2024 durch die Polizei festgenommen und musste in Haft.

Das Treffen in Potsdam ist nicht der erste Besuch von "Shlomo Finkelstein" bei einer AfD-Veranstaltung. Mindestens ein weiteres Mal sprach er bei einem solchen Termin. Am 2. Mai kam die Neu-Ulmer AfD in Weißenhorn zusammen. Pielka hielt eine Rede und legte, wie ein nicht-verifiziertes Video zeigt, anschließend als DJ auf.

Eingeladen wurde er von Franz Schmid, Landtagsabgeordnetem und Neu-Ulmer Kreisvorsitzenden der AfD, wie die Illertisser Zeitung, die zur Augsburger Allgemeinen gehört, schreibt. Auch hier sei das Thema "Die Brandmauer" gewesen, wie die Zeitung aus einer Einladung zitiert.

Von der Bundespartei AfD wollte Euronews Folgendes wissen:

"Wie verhält sich die AfD dazu, dass der Kreisverband Potsdam eine Person zu ihrem Stammtisch einlädt, die wegen Volksverhetzung verurteilt wurde?

Am 2. Mai trat Shlomo Finkelstein ebenfalls bei einer AfD-Veranstaltung in Weißenhorn auf. Könnte sich die Bundespartei auch vorstellen, dass Shlomo Finkelstein bei einer Veranstaltung der Bundespartei auftritt?

Steht Shlomo Finkelstein für Werte, die auch die Bundespartei vertritt?"

Auch die AfD-Bundespartei hat bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.

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