In der INSA-Sonntagsfrage für BILD am Sonntag sackt die CDU/CSU ab und steht vier Prozent hinter der AfD. Ein Jahr nach seiner Wahl zum Kanzler liegen die Popularitätswerte von Friedrich Merz im Keller und seine Regierung kann mit ihrer Politik kaum überzeugen.
Am 6. Mai 2025 hat es Friedrich Merz im Bundestag nicht geschafft, im ersten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt zu werden. Schon damals sprachen einige von einer Blamage. Ein Jahr später gehört der einstige Blackrock-Manager weltweit zu den unbeliebtesten Regierungschefs. Sogar Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan sind bei ihren Wählerinnen und Wählern beliebter als der CDU-Vorsitzende. Zwei Drittel der Befragten in Deutschland sind unzufrieden mit der von Merz angeführten Regierung.
In der aktuellen Sonntagsfrage zur Bundestagswahl des Meinungsforschungsinstituts INSA für BILD am Sonntag liegt die CDU/CSU mit nur noch 24 Prozent deutlich hinter der AfD mit 28 Prozent.
AfD-Vorsitzende Alice Weidel kommentiert dies bei der Social Media-Plattform Facebook folgendermaßen: "doppelt so stark wie die SPD, gleichzeitig wächst der Abstand zur Union rasant. Wann besinnt sich die CDU und verzichtet sowohl auf Merz als Kanzler als auch auf die SPD als Koalitionspartner?"
Auch die Linke gewinnt an Zuspruch und liegt mit 11 Prozent nur noch knapp hinter der SPD (14 Prozent) und den Grünen (12 Prozent).
Bisherige Wirtschaftspolitik überzeugt nicht
Befragt wurden die Menschen zwischen dem 20. und dem 24. April 2026, als der Tankrabatt beschlossen wurde. Die Kunden klagen allerdings über steigende Preise nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch im Supermarkt. Offenbar ist es der Regierung in Berlin nicht gelungen, die Befragten von ihrer Politik in der durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiekrise zu überzeugen.
Schon vor zwei Wochen ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für „Bild am Sonntag“, das 70 Prozent der Wahlberechtigten mit der Arbeit von Merz unzufrieden sind und nur 21 Prozent zufrieden. Mit schwarz-roten Koalition unzufrieden sind 73 Prozent der Befragten, zufrieden lediglich 20 Prozent.
Eine Sonderumfrage des Ifo-Instituts bei gut 6.300 Unternehmen ergab für die Koalition von Union und SPD eine durchschnittliche Schulnote vier (genau 4,2). "Die Unternehmen sehen derzeit kaum Fortschritte bei den zentralen wirtschaftspolitischen Themen“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen in einer Pressemeldung. "Das Urteil fällt entsprechend negativ aus.“
In der Augsburger Allgemeinen zog an diesem Wochenende Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine deutliche Bilanz: "Unter Arbeitgebern habe ich schon lange nicht mehr so viel Enttäuschung über die Arbeit einer Bundesregierung erlebt. Diese Enttäuschung ist tief und sie wächst weiter." Dulger sagte im Interview, die Rahmenbedingungen in Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn seien besser, "Firmeninhaber gelangen zur Erkenntnis, dass sie in Deutschland nicht mehr rentabel arbeiten können." Der BDA-Chef ergänzte: "Der deutsche Sonderweg bei hohen Sozialabgaben, massive Bürokratie und teure Energie schwächen die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes erheblich." Dulgers Fazit: "Für die deutsche Wirtschaft ist es bereits fünf nach zwölf. Insofern ist es hochproblematisch, dass die Koalition bislang keine Mehrheiten für umfassende Reformen zustande bringt."
Wirtschaft fordert Reformen
Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung warnte Anfang Februar in der Tageszeitung Die Welt, dass schon 2029 würden die Staatseinnahmen nur noch für Verteidigung, Zinsen und Soziales reichen würden: „Alles andere muss dann über Schulden finanziert werden. Die Bundesregierung verweigert sich mit dem Hinausschieben von Reformen der Realität.“
Um die angeschlagene Wirtschaft in Deutschland wieder in Schwung zu bringen, haben führende Wirtschaftswissenschaftler eine eigene 10-Punkte-Agenda vorgelegt. Sie fordern darin einen "experimentierfreudigeren Staat" und schlagen vor: "Komparativen Vorteil in Fähigkeiten (Ingenieurskultur, Sozialpartnerschaft, Forschungsinfrastruktur) statt in einzelnen Produkten verorten. KI breit in industrielle Prozesse integrieren, statt nur Grundlagenmodelle zu entwickeln."
Tatsächlich sind Umfrageergebnisse auch nicht mit Wahlergebnissen gleichzusetzen. Zuletzt konnte sich in Rheinland-Pfalz die CDU durchsetzen. Allerdings erreichte die AfD mit knapp 20 Prozent sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz ihre historisch besten Ergebnisse.
Im September werden in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage gewählt.
Bei den Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern an diesem Sonntag tritt in Wismar ein SPD-Kandidat gegen eine AfD-Bewerberin an, in Ueckermünde gibt es in der Stichwahl zwei parteilose Kandidaten und in der Landeshauptstadt Schwerin hat es die AfD-Kandidatin nicht in die letzte Runde geschafft.