Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 334.000 Fälle von Cyberkriminalität registriert. Zwei Drittel davon kamen aus dem Ausland oder von unbekannten Orten, wobei die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte.
Deutschland plant, eine "aktive Cyberabwehr" zu entwickeln, um gegen den starken Anstieg von Online-Angriffen vorzugehen. Durch künstliche Intelligenz (KI) sind die Attacken noch gefährlicher geworden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte an, er werde noch in diesem Monat ein neues Gesetz durch das Kabinett bringen, das es den Sicherheitsdiensten ermöglicht, Server auszuschalten, die für Angriffe genutzt werden.
Ziel sei es, "die Infrastruktur der Angreifer zu stören und zu zerstören", sagte Dobrindt auf einer Pressekonferenz in Berlin. Viele Angriffe gingen von Russland aus.
"Das bedeutet, dass wir sicherstellen müssen, dass jemand, der uns von einem Serversystem aus angreift, um zum Beispiel ein Energieunternehmen in Deutschland aus dem Ausland anzugreifen, dies in Zukunft nicht mehr mit dieser Infrastruktur, mit diesem Server, mit dieser Software oder mit diesen Einrichtungen tun kann."
Schwere Cyberkriminalität und Angriffe auf deutsche Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen sind auf dem Vormarsch und haben 2025 laut Bundesministerium des Innern (BMI) einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als 200 Milliarden Euro verursacht.
Vom Cyber-Dome in Israel lernen
Am vergangenen Wochenende war Alexander Dobrindt nach Israel gereist. Für eine verbesserte Widerstandsfähigkeit im Cyberbereich will das Bundesministerium des Innern (BMI) einen sogenannten Cyber-Dome nach israelischem Vorbild aufbauen - dies sit ein teilautomatisiertes System zur Detektion, Analyse und Reaktion auf Cyberangriffe. Deutschland könne von der Expertise Israels profitieren, so das BMI. In Tel Aviv erlebte Innenminister Dobrindt eine virtuelle Demonstration mit.
Künstliche Intelligenz verstärkt das Problem
"KI-basierte Werkzeuge werden im Bereich der Cyberkriminalität immer wichtiger", hieß es in Berlin, da diese es Kriminellen ermöglichten, "Angriffe schneller, präziser und professioneller durchzuführen."
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 334.000 Fälle von Cyberkriminalität registriert, zwei Drittel davon aus dem Ausland oder von unbekannten Orten, wobei die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte.
"Deshalb wollen wir unsere aktive Cyberabwehr ausbauen". Unter den wichtigsten Online-Bedrohungen, so Dobrindt, "haben wir einen deutlichen Anstieg des Aktivismus aus Russland festgestellt", seit Moskau 2022 seinen Angriffskrieg in der Ukraine startete.
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 1.000 Ransomware-Angriffe (Erpressungstrojaner) gemeldet, ein Anstieg um 10 % gegenüber dem Vorjahr, wobei die Angreifer mehr als 12 Millionen Euro erpressten, so das BMI.
Die Zahl der Denial-of-Service-Angriffe, stieg um 25 % auf 36.706 Fälle. Bei Denial-of-Servie-Angriffen handelt es sich nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik um Versuche, einen Online-Dienst, Server oder eine Website durch massive Überlastung mit Traffic funktionsunfähig zu machen.
Der Leiter der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin, Mark Branson, warnte ebenfalls vor KI-gestützten Cyberangriffen und erklärte, dass die Behörde ihre Aufsicht über Cyberrisiken für Finanzunternehmen verstärken werde.
"Die neuen KI-Modelle können viele Schwachstellen in IT-Systemen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit identifizieren und sogar ausnutzen", sagte Branson und forderte die Unternehmen auf, "diese Schwachstellen viel schneller zu flicken".
Der BaFin-Chef erklärte: "Cybersicherheit ist eine dringende und wichtige Investition".