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Deutschlands Militärstrategie: "Chance und Warnung" für Polen

Der Vorsitzende der Überparteilichen Kommunalvereinigung und Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2025 äußerte sich zur neuen Militärstrategie Deutschlands, die am 22. April 2026 angekündigt wurde.
Der Vorsitzende der Überparteilichen Kommunalvereinigung und Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2025 äußerte sich zur neuen Militärstrategie Deutschlands, die am 22. April 2026 angekündigt wurde. Copyright  AP Photo
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Von Aleksandra Galka Reczko
Zuerst veröffentlicht am
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Wie sieht Polen, die in Deutschland angestrebte Modernisierung der Bundeswehr? Sie stärkt die Abschreckung gegenüber Russland, doch das Entstehen einer militärischen Dominanz innerhalb Europas wird auch kritisch gesehen.

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 22. April dieses Jahres erstmals die Militärstrategie für die Bundeswehr und Deutschland insgesamt vorgestellt.

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Das Dokument sieht unter anderem vor, die Bundeswehr bis 2039 zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen, wobei Russland eindeutig als Hauptbedrohung identifiziert wird. Die Streitkräfte sollen schneller, effizienter und technologisch fortschrittlicher werden und in der Lage sein, Ziele aus größerer Entfernung präzise zu treffen.

"Unser Ziel ist klar: Wir werden die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr weiter stärken - und zwar mit hohem Tempo", kündigte der deutsche Verteidigungsminister an.

Deutschlands Militärstrategie "eine Chance und eine Warnung" für Polen

Nach Ansicht des ehemaligen polnischen Präsidentschaftskandidaten Marek Woch ist das Berliner Dokument sowohl eine Chance als auch eine Warnung für Polen und das wichtigste Signal seit dem Beitritt Warschaus zum Bündnis.

Einerseits, so Woch, stärke Deutschland mit einer konsequenten Modernisierung und Erweiterung der Bundeswehr realistischerweise die militärische Abschreckungsfähigkeit gegenüber Russland und erhöhe die Fähigkeit des Bündnisses, auf mögliche Krisen in unserem Teil Europas zu reagieren.

Andererseits, so der ehemalige Präsidentschaftskandidat, lehre die Geschichte, dass jede rasche Vergrößerung der militärischen Macht eines großen Staates in Mitteleuropa die Gefahr politischer Dominanz in sich berge.

"Die neue Militärstrategie Berlins positioniert Deutschland eindeutig als den zentralen Architekten der Verteidigung des Kontinents, was in Zukunft genutzt werden kann, um Druck auf kleinere Staaten, einschließlich Polen, auszuüben, auch in wirtschaftlichen, energiepolitischen oder institutionellen Fragen in der EU. Wenn Warschau sich passiv verhält, könnten wir in einem Europa aufwachen, in dem unsere Sicherheit in der Praxis von der Achse Berlin-Paris bestimmt wird, während Polen nur noch ein 'Transitkorridor' und ein Markt ist". - schätzt Marek Woch ein.

Marek Woch
Marek Woch Verband der "Überparteilichen Kommunalverwaltungen" CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org

Aufbau einer eigenen Armee, enge Zusammenarbeit mit der NATO und der Region

Der Vorsitzende der Überparteilichen Vereinigung der Kommunalverwaltungen stellt Polen drei strategische Aufgaben, die eine Antwort auf die Ankündigungen Berlins zur militärischen Modernisierung wären.

"Erstens - der konsequente Aufbau einer eigenen starken Armee und einer Verteidigungsinfrastruktur an der Ostflanke, so dass Polen kein Bittsteller, sondern ein Mitgestalter der europäischen Sicherheit ist. Zweitens - eine enge Verankerung in der NATO und eine strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten, die den deutschen und französischen Einfluss in Europa ausgleicht. Drittens - eine tiefgreifende regionale Zusammenarbeit: mit den baltischen Staaten, den nordischen Ländern, Rumänien, den Tri-Mountain-Staaten - so dass Polen an der Spitze einer Koalition von Frontstaaten steht und nicht ein einsamer Akteur zwischen Ost und West ist," betont er.

Er fügt hinzu, dass Deutschland das Recht hat, seine Streitkräfte angesichts der russischen Bedrohung zu verstärken, verweist aber auf die dringende Notwendigkeit, dass die Regierung in Warschau handelt.

"Die polnische Staatsraison besteht jedoch darin, diese Rückkehr der deutschen Militärmacht in einen Sicherheitsschirm und nicht in einen neuen politischen Käfig zu verwandeln. Dafür brauchen wir ein aktives Handeln der noch amtierenden Regierung, aber vor allem der politischen Kräfte, die die Geopolitik verstehen und die 2027 in Polen die Macht übernehmen wollen. Es ist notwendig, fest auf der Seite der polnischen Interessen zu stehen und Allianzen aus einer subjektiven, nicht klientelistischen Position heraus aufzubauen."

Marek Woch skizziert fünf Punkte, die Polen seiner Meinung nach bei der Entwicklung seiner Strategie in der NATO berücksichtigen sollte. Unter anderem verweist er auf einen klaren Rahmen für die militärische Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, die Stärkung der Position Polens als Anker der Ostflanke des Nordatlantischen Bündnisses, die Beibehaltung Deutschlands "in der NATO, aber nicht über der NATO", den Aufbau eines regionalen Gegengewichts zur potenziellen deutschen Dominanz - vom Baltikum bis zu den Trilateralen - und die Aufrechterhaltung eines starken amerikanischen Ankers - auch durch häufige trilaterale Konsultationen zwischen Polen, Deutschland und den USA.

Sich Deutschland gegenüber kühl verhalten

"Polen sollte sich gegenüber Deutschland in der NATO kühl verhalten: die militärische Zusammenarbeit stärken, aber die Subjektivität und Präsenz der USA im Auge behalten". - so der ehemalige Präsidentschaftskandidat.

Marek Woch ist Doktor der Rechtswissenschaften und Vorsitzender des Vorstands des Gesamtpolnischen Verbands der "Überparteilichen Kommunalverwaltungen" - einer Gruppierung, die ihre Teilnahme an den Wahlen zum Sejm und Senat 2027 ankündigt.

Im Jahr 2025 kandidierte er für das Amt des Präsidenten der Republik Polen und erhielt 0,09 % der Stimmen, womit er unter 13 Kandidaten den letzten Platz belegte. In der zweiten Runde der Wahl unterstützte er Karol Nawrocki.

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