Die EU-Regierungen stehen Schlange bei ICEYE. Das finnische Raumfahrtunternehmen verkauft Mini-Satelliten, mit denen befreundete Nationen ihre Souveränität absichern können. Denn bei Erdbeobachtung, Grenzschutz und Militäraufklärung sind die hochauflösenden Radaraugen im All unschlagbar.
Zwei junge Genies aus Polen und Finnland, Rafał Modrzewski und Pekka Laurila, haben eines der besten Satellitensysteme der Welt gebaut. Aus 600 Kilometern Höhe beobachten die Radarsensoren von ICEYE Ölkatastrophen, Wirbelstürme und Waldbrände.
Die Nanosatelliten entdecken illegale Holzfäller im Amazonas-Dschungel, sammeln Daten zu Überschwemmungen, vermessen Verwüstungsschneisen von Hurrikans und behalten suspekte Bewegungen und Ansammlungen von Militärgerät im Auge.
Wie Fort Knox
Einfach war es nicht, das von außen so einladend und freundlich wirkende Gebäude der ICEYE-Zentrale in einem Außenbezirk von Helsinki betreten zu dürfen. Erst recht nicht, da ich mit meiner mobilen Kameraausrüstung im Reporterrucksack nach Finnland gereist bin.
Ich muss einen persönlichen QR-Code vorweisen. Und um an den zu gelangen, musste ich monatelang verhandeln und erklären. Scharfe Sicherheitsüberprüfung, eine ellenlange Liste von No-Gos und Filmbeschränkungen, da staunt man. Auch wenn man als Euronews-Journalist schon so einiges erlebt hat.
Doch seit die Militärs gemerkt haben, was die Mini-Dinger im All, made by ICEYE, so alles draufhaben, ähneln die Sicherheitsvorkehrungen hier im Norden Europas denjenigen von Fort Knox. Eine Kameralinse beäugt mich. Obwohl angemeldet und auf die Minute pünktlich, gibt es noch ein kurzes Kreuzverhör über die Türsprechanlage.
ICEYE liegt sicherheitstechnisch ideal. Auf der einen Seite geschützt durch einen finnischen Sumpf, auf der anderen durch ein Gerichtsgebäude – und der Portier, der mich direkt an der Sicherheitstüre einlässt, trägt ein bequemes schwarzes Outfit und wirkt nahkampferprobt.
Der Rugby-Mann an meiner Seite
Kaum habe ich den Sitz von ICEYE betreten, reicht mich der Mann in Schwarz an Tim weiter. Mein jovialer, aber äußerst selbstbewusster Aufpasser hat eine solide Rugby-Karriere hinter sich – und wird mir von nun an nicht mehr von der linken Seite weichen.
Auf der rechten Seite bekomme ich Begleitung durch eine nicht lächelnde, scharfäugige, junge Dame – auch sie wirkt recht sportlich – die mit Argusaugen alles überwacht, was ich mit meiner Kamera aufnehme.
Oder sagen wir besser, aufnehmen möchte. Denn oft genug komme ich nicht dazu, zu filmen: Die Dame sagt in schöner Regelmäßigkeit Sätze wie: „Stopp! Hier wird nicht gedreht, denn in der Glasscheibe des Flurs könnte sich die Türe der anderen Seite widerspiegeln!“
Das gehört hier mit zu den von mir vorab akzeptierten Spielregeln: Keine Türen im Bild, niemals! Feindliche Kommandoeinheiten sollen sich auf gar keinen Fall ein Bild von der inneren Architektur des Gebäudes machen dürfen, auch nicht beim Ansehen einer spannenden Euronews-Reportage "Made in Europe".
Da fragt man sich ganz unwillkürlich: Ja, haben die denn alle miteinander zu viele James-Bond-Filme gesehen? Andererseits ist da vielleicht wirklich was dran, an der Furcht vor russischen Spionen, chinesischen Spionen, nordkoreanischen Spionen, Industrie-Spionen... Beliefert ICEYE doch NATO-Staaten und hilft der Ukraine im Abwehrkrieg gegen den Aggressor im Kreml.
Denn das, was die finnischen Supersatelliten-Zwerge mit den Mega-Sensoren dort oben von ihrer Erdumlaufbahn aus sehen und auswerten, das möchten gar viele Herrscher dieser Erde – auch die anrüchigeren unter ihnen – sehen und auswerten. Und das soll verhindert werden.
Feindaufklärug aus dem All
Selbst durch dichte Wolkendecken und mitten in der Nacht übermitteln die Kleinsatelliten ultrapräzise Detailbilder. Auf feindlichen Flughäfen identifizieren sie Flugzeugtypen. Die Augen von ICEYE verfolgen verdächtige Schiffsbewegungen in den Weiten des Ozeans.
Radartechniker Andrea aus Italien, sein türkischer Elektronik-Kollege Burak und Laborantin Kriti aus Nepal nehmen mich ausnahmsweise mit in den ultrasensiblen Testraum. Da liegt ein Teil des Wunderdings vor meinen Augen, Mitarbeiter fummeln an Kabeln und Konsolen, bereiten neue Checks vor.
Aber klar, der neue Satellit Gen4 ist streng geheim. Also: Filmen verboten! Nur von der schwarzen Wand-, Decken- und Bodenverkleidung der Testzelle darf ich ein paar Aufnahmen machen.
Tim (hinter meiner Schulter links) und das durchtrainierte Fräulein mit den Argusaugen (hinter meiner Schulter rechts) achten peinlichst genau darauf, dass kein einziger Kabelstrang, keine Seriennummer, kein Metallteil ins Blickfeld der Kamera rutscht.
Gleiches gilt für die mit modernster Technik vollgestopfte Thermodruckkammer. Über Tage, Wochen und manchmal sogar Monate werden dort Bauteile der Supersatelliten extremsten Bedingungen ausgesetzt: brutalster Hitze und Kälte, gruseligsten Druckverhältnissen… Hier wird Weltraum simuliert.
Denn wenn die Nano-Dinger erstmal oben sind, kann man ja nicht mal eben einen Mechaniker vorbeischicken, wenn wegen Materialermüdung irgendwann etwas nicht funktioniert. Also: Null Fehlertoleranz! Was wiederum bedeutet: Jede Menge Tests hier unten auf der Erde.
Gen4 sieht sogar kleine Spiegeleier-Pfannen
Alle anschnallen, jetzt kommen die Zahlen! Und die haben es in sich. Die jetzt in Erdumlauf gebrachte vierte Satellitengeneration von ICEYE (Gewicht: 200 Kilogramm) verbessert die Auflösung von bislang 25 Zentimetern auf nunmehr 16 Zentimeter.
Also, damit das wirklich klar wird: Wenn unten auf dem Sportplatz der Basketball von Dirk Nowitzki über das Spielfeld kullert, dann kann der von den „alten“ ICEYE-Sensoren abgebildet werden.
Das neue „Eis-Auge“ GEN4 schafft es sogar, eine kleine Bratpfanne (der Typ für ein bis höchstens zwei Spiegeleier) zu entdecken. Und das, wie eingangs bereits erwähnt, aus fast 600 Kilometer Höhe! „Und damit ist das Ende noch nicht erreicht“, sagt Damon Ollomon, einer der Vizepräsidenten von ICEYE, im Euronews-Interview.
Damon hat gesehen, dass ich was zum Filmen brauche und sich meiner angenommen. Der distinguiert artikulierende Brite ist so etwas wie der Verkaufsweltmeister des Unternehmens. Soeben hat er ein milliardenschweres Joint Venture mit dem deutschen Rüstungsgiganten Rheinmetall unter Dach und Fach gebracht. Jetzt wirkt er zufrieden bis aufgekratzt – und zeigt mir ein großes Modell des GEN4-Satelliten (an dem die geheimen Spezialteile selbstredend nicht zu erkennen sind).
Interview mit dem Verkaufsweltmeister
Euronews: „Wow, sieht spannend aus, das Satellitenmodell. Ich bin neugierig, wie das funktioniert. Erklären Sie doch mal die Grundzüge!“
Damon Ollomon: „Also das Wichtige bei einem Radar-Satelliten ist der Sensor, mit dem die Erdoberfläche vom All aus abgebildet wird. Das müssen Sie sich vorstellen, wie bei einem Auto mit Radarsensor gegen Wildwechsel. Läuft mitten in der Nacht oder bei Nebel ein Wildschwein über die Straße, dann erkennt der Radarsensor das Tier auch dann, wenn für den Autofahrer die Sichtweite quasi bei Null liegt. Bei unseren Nano-Satelliten ist die ganze Ausrüstung hinter den Sonnensegeln angebracht, von den Abmessungen her hat das in etwa die Ausmaße einer Waschmaschine.“
Euronews: „Und was ist der Unterschied von GEN4 im Vergleich zu den Vorgängermodellen?“
Damon Ollomon: „Beispielsweise die Sonnensegel, die sind etwas länger. Nach dem Ausfalten sind sie um die drei Meter lang und etwa einen Meter breit. Und mit 200 Kilogramm ist GEN4 auch etwas schwerer.“
Euronews: „Na ja, aber 200 Kilo ist doch immer noch leicht. Ein traditioneller Satellit wiegt doch oft 1000 Kilo, also eine Tonne. Warum baut ICEYE denn keine großen Satelliten, was soll denn der Vorteil der Kleinbauweise sein?“
Damon Ollomon: „Kleiner bedeutet leichter. Und es ist kostengünstiger (denn Nutzlast in die Erdumlaufbahn zu befördern, ist teuer). Und außerdem kann man kleine Satelliten schneller bauen, was wiederum heißt, dass Sie gleich mehrere davon haben können.“
Euronews: „Aha, es geht also darum, ganze Satellitenschwärme zu bauen und nach oben zu befördern?“
Damon Ollomon: „Genau. Wenn wir die Satelliten an (befreundete) Nationen verkaufen, dann erwerben die mehrere, also jeweils vier, fünf oder zehn. Das ist unser Angebot in diesem Marktsegment.“
Euronews: „Und was soll das für Vorteile haben, fünf kleine, statt einen großen Satelliten zu betreiben?“
Damon Ollomon: „Nehmen wir einmal an, Sie möchten absichern, was im Raum Brüssel geschieht. Wenn Sie fünf Satelliten haben, die über Brüssel hinwegziehen, dann heißt das, dass sie den Großraum Brüssel mit einer sehr viel höheren Frequenzrate im Blickfeld haben als mit nur einem großen.“
Euronews: „Und sonst?“
Damon Ollomon: „Sollte ein Satellit einmal aus technischen Gründen ausfallen, dann kann er dort oben nicht repariert werden – und Sie können ihn auch nicht auf die Erde runterholen zur Reparatur. Aber wenn sie eine Vielzahl von Satelliten im Orbit haben, dann kann die durch einen Ausfall entstandene Lücke umgehend ausgeglichen werden.“
Euronews: „Geben Sie uns doch einmal ein konkretes Anwendungsbeispiel, sagen wir bei der Überwachung von Küsten, nationalen Hoheitsgewässern oder des offenen Ozeans.“
Damon Ollomon: „Mit einem Software-Befehl kann man beispielsweise eine gröbere Auflösung des Sensors programmieren, wenn es darum geht, große Meeresoberflächen abzusuchen. Normalerweise ist es schwierig, ein Schiff in einem riesigen Ozean zu entdecken. Aber mit unseren Satelliten-Konstellationen geht das.“
Euronews: „Und was dann? Wenn also irgendwo im Ozean ein Schiff entdeckt wird, dann kann der Satellit auf eine bessere Auflösung umstellen?“
Damon Ollomon: „Genau, denn dann möchten Sie vielleicht herausfinden, um welchen Schiffstyp es sich handelt. Schwimmt dort ein Öltanker? Eine Fregatte? Ein Schnellboot? Unter welcher Flagge fährt das Schiff? Steht es auf einer Sanktionsliste…?“
Euronews: „Soll das heißen, Sie können ein Schiff vom Orbit aus klassifizieren, ihm einen Namen geben?“
Damon Ollomon: „Genau das kann GEN4. Davon haben wir bereits zwei auf Umlaufbahn (Stand: April 2026, Anmerkung der Redaktion). Und im Laufe des Jahres stellen wir die gesamte Produktion auf GEN4 um.“
Besonders stolz sind die ICEYE-Leute in Helsinki auf ihre rasche Reaktionszeit. „Wir können Bilder innerhalb von zwei Stunden liefern, das werden wir in den Bereich von unter zehn Minuten drücken“, so Ollomon.
Derzeit verfügt ICEYE über eine Satellitenkonstellation von über 70 Satelliten in der Erdumlaufbahn. „Wir verfügen über die weltweit größte Konstellation derartiger Satelliten“, so Ollomon. Und dieser Vorsprung soll ausgebaut werden. „Wir produzieren jährlich 25 Satelliten und steigern das jetzt auf 50 pro Jahr“, kündigt Ollomon an.
Euronews: „Aber dort oben fliegen doch bereits jede Menge Satelliten. Brauchen wir wirklich noch mehr?“
Damon Ollomon: „Wenn irgendwo ein Ereignis eintritt, ganz egal, ob das ein (militärischer) Konflikt ist oder eine Naturkatastrophe, dann benötigt es viele einsatzbereite Satelliten. Nur so, mit Satellitenschwärmen, läßt sich schnell erkennen, was vor sich geht. Nur so läßt sich viel sehen.“
Euronews: „Na ja, es gibt ja auch Aufklärungsflugzeuge.“
Damon Ollomon: “Ein Flugzeug oder ein Schiff loszuschicken und vor Ort zu bringen, dauert länger. Die Satelliten sind ja bereits vor Ort. Und sie können jahrelang in der Umlaufbahn bleiben. Sie sind also ständig einsatzbereit. Wenn sich ein Notfall, eine Krise oder Katastrophe weiterentwickelt, dann haben Sie das im Auge, im Stundentakt.“
Euronews: “Ein Beispiel?”
Damon Ollomon: „Nehmen wir einen Waldbrand. Die Feuerwalze bewegt sich. Die Einsatzleitung unten vor Ort will wissen, wohin die Teams geschickt werden sollen, um Feuerschneisen anzulegen. Darum geht es beispielsweise.“
Euronews: "Wenn irgendwo ein Ereignis eintritt, sagen Sie. Das kann auch Krieg bedeuten. Welchen Nutzen können europäische Regierungen aus einer hochauflösenden Satellitenbeobachtung in so einem Eventualfall ziehen?"
Damon Ollomon: "Es dient souveränen Nationen, die eigene Aufklärungsdaten benötigen als Grundlage für ihre eigenen, souveränen Entscheidungen. Das ist ganz entscheidend."
Euronews: "Konkret?"
Damon Ollomon: "Mit einer eigenen souveränen Satellitenflotte kann eine Regierung bewerten, von woher sich eine Bedrohung nähert, wie groß diese Bedrohung ist und wie auf diese Bedrohung reagiert werden kann, militärisch oder diplomatisch."
Euronews: "Sie verkaufen Ihre Satellitenschwärme ja nicht für umsonst. Was ist denn Ihr wichtigstes Argument, einen Verteidigungsminister oder Generalstabschef bei knapper Kasse davon zu überzeugen, so eine Satellitenkonstellation anzuschaffen?"
Damon Ollomon: "Klar, Souveränität und Handlungsfreiheit haben einen Preis. Aber in einer Zeit der Not ist es wert, diesen Preis zu zahlen. Zumal unsere Kleinsatelliten im Vergleich zu größeren Satelliten recht günstig sind. Außerdem können wir eine Konstellation souveräner Satelliten innerhalb von 18 Monaten liefern. Damit multiplizieren Sie die Schlagkraft Ihrer Streitkräfte, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge."
Euronews: "Spielen die Europäer im Bereich der Satellitentechnik, der Hochtechnologie noch in der ersten Liga, im weltweiten Vergleich?"
Damon Ollomon: "Europa hat viele Fähigkeiten im Bereich der Weltraumtechnik. Das Ausbildungs- und Forschungsniveau ist sehr hoch. Wir haben viele Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Und seit einigen Jahren kommt auch die entsprechende Finanzierung seitens unserer Regierungen. (...) Wenn Europa diesen Wettbewerbsvorteil halten will, dann müssen wir schnell sein und die Grenzen des technologisch Machbaren noch weiter treiben."
Euronews: "Einmal angenommen, Ihr Telefon klingelt und Nordkorea ist am Apparat. Die möchten vermutlich auch solche Super-Satelliten. Was sagen Sie denen dann?"
Ollomon: "Wir verkaufen nicht an Nordkorea oder Russland oder sonstige Länder, die auf einer Sanktionsliste der finnischen Regierung oder der Europäischen Union stehen. Derartige Geschäfte wollen wir nicht tätigen. Wir haben unsere souveränen Satellitensysteme bislang an Finnland, Schweden, Deutschland, Polen, Griechenland und die Niederlande verkauft, um nur einige zu nennen."
Startkapital von der Europäischen Union
ICEYE wurde 2014 gegründet. Erstes Startkapital gab es auch von der Europäischen Union. In Europa hat das Unternehmen unter anderem Ableger in Polen, Spanien, Deutschland, Großbritannien und Griechenland und beschäftigt weltweit 1000 Menschen aus 70 Ländern. Im vergangenen Jahr machte ICEYE einen Umsatz von 250 Millionen Euro.
Pekka Laurila ist einer der Gründer. Im Euronews-Interview hat der junge Finne einen Tipp für die Europäische Union: “Traut Euch was und setzt kühne Pläne sofort um, nicht erst in zehn Jahren. Europa hat Ressourcen! Also sollte man zumindest versuchen, Weltmeister zu werden. Geht das ernsthaft an!”
Interview mit dem ICEYE-Gründer
Euronews: “Wie fing denn alles an?”
Laurila: “Nun, alles begann gleich hier um die Ecke, an der Aalto-Universität. (Laurila zeigt aus dem Fenster Richtung Uni-Campus, Anmerkung der Red.) – Wir waren mit dabei in diesem universitären Satellitenprogramm. Damals, so vor 10, 15 Jahren, entstanden viele Satellitenforschungsprogramme. Und hier an der Aalto-Universität wurde Finnlands allererster Satellit gebaut.”
Euronews: “Warum wurde das so ein Erfolg?”
Laurila: “Man muss Studenten nur eine superharte Nuss zu knacken geben und schon sammelt sich ein Top-Team. Wenn es um Herausforderungen geht, dann zieht das einen bestimmten Typ von Menschen an.”
Euronews: “Und inhaltlich?”
Laurila: “Wir entdeckten, dass es möglich ist, auch mit geringer Finanzausstattung kleine Satelliten zu bauen. Und wie man das macht. Hinzu kam, dass die Universität mit einer Business School zusammenging, bei uns hier in Finnland geht das Hand in Hand. Daraus entstand dann die Aalto-Universität. Und die Studenten des Technikums wurden zu den Business-Kursen eingeladen. Dann kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Stanford-Universität und es hieß: Jetzt formuliert doch mal eine gute Geschäftsidee!”
Euronews: “Was war das Ergebnis?”
Laurila: “Immer kleinere Satelliten, die immer kostengünstiger wurden.”
Euronews: “Haben Sie so etwas wie eine Empfehlung an Universitätsleitungen anderswo in Europa, wie man den Wissenstransfer von der universitären Forschung hinüber in die Realität des Marktes beschleunigen oder vereinfachen könnte?”
Laurila: “Na ja, eigentlich sind das ganz einfache Dinge. Wenn Menschen mit ähnlicher Geisteshaltung in so einer (forschungsintensiven) Atmosphäre zusammenkommen, dann ermutigt das. Aber wenn es dann darum geht, dass das auch wirtschaftlich und unternehmerisch Früchte trägt, dann sollte man sicherstellen, dass es vor Ort vereinfachten Zugang zu ausreichend Risikokapital gibt. Dann können Ideen auch abheben.”
Euronews: “Wenn es um Startkapital und Finanzierungsmodelle geht: Woher soll und kann das Geld kommen, ganz am Anfang einer Unternehmensgründung? Spielt hier die Europäische Union eine Rolle?”
Laurila: “Es gibt in Europa eine ganze Reihe national organisierter Forschungs- und Entwicklungsfunds für Startkapital. Mit Geld von der (finnischen) Regierung konnten wir an der Universität unseren ersten Sensor-Prototyp bauen. Hinzu kam Geld von der EU, aus dem Förderprogramm EU HORIZON speziell für kleine und mittlere Unternehmen und Startups. Doch sehr rasch haben wir uns auch um Risikokapital bemüht.”
Euronews: “Was waren denn ganz zu Beginn die größten technischen Herausforderungen?”
Laurila: “Die Geschichte von ICEYE ist schon irgendwie extrem. Wir hatten uns vorgenommen, einen Radarsensor im Miniformat zu bauen. So etwas gab es bis dahin nirgendwo auf der Welt. Für zwei 24jährige Studenten war das schon eine ganz schön hoch gelegte Messlatte. Das technologische Risiko war enorm. Sowas macht man dann einfach als junger Student, Du gehst leichter große Risiken ein.”
Euronews: “Wie hat sich dann der erste Satellitenstart angefühlt? Können Sie sich noch an den Moment erinnern?”
Laurila: “Ja, klar. Wir starteten von Indien. Ich war hier in Finnland im Kontrollzentrum. Das war ganz schön aufregend. Wir waren ein großes Risiko eingegangen, doch mit Erfolg. Das war ein großartiges Gefühl.”
Euronews: “Nach vorne gedacht: Wohin geht die Reise? Was ist Ihre unternehmerische Vision? Wie sieht die Zukunft aus?”
Laurila: “Wir sehen, dass es möglich ist, die Welt mit einer Schicht aus wirklich objektiver Echtzeitinformation zu überziehen. Das kann in vielen Geschäftsbereichen helfen, bis hin zu Nutzanwendungen für einzelne Verbraucher.”
Euronews: “Was ist denn der gesellschaftliche Mehrwert, der Nutzen für die Menschheit?”
Laurila: “Wenn Sie wissen, was um sie herum geschieht, dann können Sie bessere Entscheidungen fällen. Und Sie können eine sicherere Welt bauen.”
Euronews: “Geben Sie uns doch einmal ein konkretes Anwendungsbeispiel, um diese Idee zu verdeutlichen.”
Laurila: “Derzeit arbeiten wir daran, die Versicherungsbranche umzukrempeln. Wenn wir ein Echtzeitraster an Informationen anbieten können, beispielsweise bei Überschwemmungen, ein Raster, das präzise anzeigt, welche Grundstücksparzelle wann, wie oft und wie hoch überflutet wurde, dann stellen Sie damit der Branche ein Instrument zur Verfügung, mit dem ganz neue Versicherungsprodukte entwickelt und angeboten werden können. Es gibt heutzutage Milliarden von Grundstücken, die überhaupt keinen Versicherungsschutz gegen Hochwasser bekommen. Doch wenn Sie (mit exakten Informationen) Vertrauen aufbauen können, dann ergibt sich daraus ein sehr greifbarer sozialer Mehrwert.”
Euronews: “Sehen wir uns einmal die Wachstumskurve Ihres Unternehmens an.”
Laurila: “Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Wenn man sich die Geschichte von ICEYE ansieht, über die vergangenen zehn Jahre, dann sieht man, dass wir uns jedes Jahr quasi verdoppelt haben. Was die Ziele betrifft, die Finanzierung, das Wachstum. Alles ohne Probleme. Jedes Jahr. Das ist Wandel mit Faktor 1000, über zehn Jahre gesehen.”
Euronews: “Made in Europe, bedeutet das noch etwas im internationalen Vergleich, hinsichtlich Weltraumtechnik?”
Laurila: “Eine Stärke, die auch zu den enormen Wachstumsraten von ICEYE beigetragen hat, ist das dichte Netz von Hochtechnologiefirmen. Europa ist da sehr, sehr gut positioniert. Allerdings war es immer auch eine kleine Herausforderung, diese Startups so schnell und aggressiv zu expandieren, wie das beispielsweise in den USA oder auch in China, mit einem anderen Wirtschaftssystem, zu beobachten ist.”
Aalto - eine der besten Universitäten Europas
Die Sonne ist mittlerweile durch die Wolken gebrochen. Nach einem langen, harten Winter freuen sich die Finnen über den Frühling, auf dem benachbarten Universitätscampus gehen Pärchen spazieren, lustig verkleidete Studenten streben zu einem Mai-Fest, auf Bänken wird erstes Eis geschleckt, das Klackern von Holzkegeln und fröhliche Rufe sind zu hören, Menschen halten ihr Gesicht in die wärmende Sonne.
In internationalen Uni-Rankings erzielt Aalto regelmäßig Spitzenbewertungen. Aalto gilt als eine der besten Universitäten Finnlands. 14.000 junge Menschen aus aller Welt studieren hier. Tech, Business und Design sind die drei Grundpfeiler, auf denen Aaltos guter Ruf beruht.
Finnlands erster Satellit im All - gebaut von Studenten
Mit seinem Nano-Satelliten-Programm hat Professor Jaan Praks weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Er ist gewissermaßen der universitäre Vater nicht nur von Finnlands erstem Satelliten im All (passenderweise auf den Namen Aalto getauft), sondern auch Geburtshelfer zahlreicher Weltraum-Startups.
Ich treffe Praks in einem Gebäude, das ICEYE direkt gegenüberliegt. In der hohen Eingangshalle wird gerade eine Weltraumausstellung vorbereitet, über einem Sofa liegt ein Astronautenanzug der ESA, in Glasvitrinen ist ein Aalto-Satellit neben finnischem Space-Hightech ausgestellt.
Praks nimmt mich mit in “seine” Erfinderwerkstatt, Studenten tüfteln an Modulen, ein junger Mann lötet mithilfe eines Riesenmikroskops Mini-Verbindungen, hinter einem Regal bereitet eine Gruppe voluminöse Kisten für ein Outdoor-Experiment für Strahlenmessungen vor. Daneben ein Reinraum, in dem drei Studenten aus Finnland und Deutschland Chips kontrollieren.
Erfolgsrezept aus der Erfinderwerkstatt
Praks freut sich über das Gespräch, kommt freundlich-sachlich sofort auf den Punkt:“Unser Ziel war es, den ersten Satellit für unser Land zu bauen. Diese Herausforderung zog ganz außerordentlich begabte Studenten an. Wir hatten Erfolg, bauten dann tatsächlich Finnlands ersten Satelliten. Und diese talentierten Studenten gingen anschließend noch sehr viel weiter, gründeten ihre jeweils ganz eigene Erfolgsgeschichte.”
Doch hier geht es nicht um schöne Erinnerungen und eine goldene Vergangenheit. Hier geht es um hochaktuelle Forschung und nach wie vor erstaunliche Startups. Bei Aalto schießen Jungunternehmen aus dem Boden wie anderswo die Pilze nach dem Regen.
Professor Praks: “Auch heute entstehen neue Tech- und Raumfahrtunternehmen aus unserer Forschung. Unser jüngstes Startup ist gerade einmal wenige Wochen alt. Und was die finanziellen Rahmenbedingungen betrifft, die das ermöglichen: Wir haben sehr langfristig angelegte Förderprogramme, die insbesondere ganz zu Beginn der Innovationskette greifen.”
Euronews: "Wie schaffen Sie und Ihre Studenten es, universitäre Ausbildung und Forschung mit der Welt der Unternehmen und der Wirtschaft zu verbinden?"
Praks: "Die Mischung macht es. Wir bringen unsere Teams immer in engen Kontakt mit anderen Zweigen. Die Wirtschaftsstudenten, Technik-Studenten und manchmal sogar die Kunststudenten kennen und treffen sich. Daraus entsteht Neues, denn das ermöglicht jedem Einzelnen im Team, über das volle Wissensspektrum zu verfügen, um voranzukommen."
Euronews: "Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis für Studenten?"
Praks: "Studenten benötigen nicht nur Wissen und Fähigkeiten. Sie benötigen auch Träume und Optimismus, um ihre Fähigkeiten richtig einzusetzen."
Euronews: "Und was können Sie dazu beitragen, als Professor?"
Praks: "Ich helfe jungen Menschen dabei, ihre Träume in eine realistische Richtung hin zu entwickeln. Und dann ist da dieses Weltraum-Labor, die ganze moderne Ausrüstung und Technik, womit man die Träume der Studenten umsetzen kann, so dass aus Träumen etwas Reales entsteht."
Euronews: "Wie erklären Sie sich, dass gerade viele baltische und skandinavische Staaten so innovationsfreudig sind, dass ausgerechnet hier so viel Neues entsteht?"
Praks: "Finnland beispielsweise ist sehr pragmatisch. Wir hier in Finnland arbeiten an Systemen und Projekten, die funktionieren sollen, die einen echten Mehrwert abwerfen, echte Vorteile mit sich bringen. Wir haben eine funktionierende Innovationsförderung und auch Beschleunigungsprogramme, mit denen gute Projekte auf Hochtouren gebracht werden."
Euronews: "An was forschen Sie und Ihre studentischen Teams denn derzeit?"
Praks: "Als nächsten Schritt haben wir uns sehr niedrige Erdumlaufbahnen vorgenommen. Die Atmosphäre dort ist ein großes Problem. Also experimentieren wir mit innovativen Satellitenhüllen, mit speziellen Formen und neuartigem Design für derartige Satelliten. Und dabei arbeiten wir auch mit den Universitäten von Helsinki und Turku in Estland zusammen. Ziel ist es, einen Weg zu finden, dass Satelliten länger in sehr niedrigen Erdumlaufbahnen bleiben können."
Euronews: "Haben Sie so etwas wie eine Kernbotschaft? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?"
Praks: "Junge Menschen, Jugend, jugendliche Unbeschwertheit, das sind die allerwichtigsten Bestandteile, um so etwas wie eine funktionierende Startup-Kultur zu schaffen. Junge Menschen sind furchtlos. Oft blenden sie Schwierigkeiten, die ihnen auf ihrer Reise zum Erfolg bevorstehen könnten, aus. Und das ist etwas Gutes. Denn diese jugendliche Begeisterungsfähigkeit muss gestärkt und gefördert werden, wenn wir bessere Jungunternehmen und bessere Innovation an unseren Universitäten haben wollen."
Euronews: "Und wo steht Ihrer Meinung nach Europa im internationalen Vergleich?"
Praks: "Wir sind ganz bestimmt wettbewerbsfähig. Unsere Wettbewerbsfähigkeit beruht auf soliden Grundlagen, auf einem sehr guten Bildungssystem und auf hervorragenden Studenten."
Euronews: "Gibt es etwas, was noch nicht so perfekt funktioniert? Was sollte verbessert werden?"
Praks: "Bei Ausschreibungen sollten innovative Unternehmen besser beteiligt werden. Wir sollten einen Weg finden, dass innovative Produkte auch beschafft werden. Innovation braucht Zugang zum Markt."
Aalto-Absolventen haben 15.000 Arbeitsplätze geschaffen
170 Firmen logieren direkt auf dem Universitäts-Campus. Fakultätsgebäude und Startups stehen hier Seite an Seite. Die Welt der Wirtschaft und die Welt der Universität sind hier ständig auf Tuchfühlung. Das hilft: Aus Forschern werden Jungunternehmer. Hier einige Zahlen als Beleg: 30 Milliarden Euro – das ist der Wert der von Aalto-Absolventen gegründeten Unternehmen. 15.000 Arbeitsplätze wurden so geschaffen – „made by Aalto“.
Im staubfreien Reinraum von Professor Praks Weltraumlabor treffe ich Marius Anger. Der Doktorand aus Deutschland ist Teamchef, neben ihm reinigen zwei finnische Kollegen Satellitenbausteine und überprüfen deren Qualität. Anger notiert die Ergebnisse. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, Konzentration und witzige Bemerkungen wechseln sich ab.
Der junge Mann bewirbt sich gerade. Noch zögert Anger zwischen einer universitären Laufbahn (hier käme eine erstklassige Universität in den Niederlanden in Frage) und einer Karriere in der Privatwirtschaft. Derzeit hat er zwei Bewerbungen laufen, unter anderem bei ICEYE.
Anger legt eine Pause ein, schiebt Stift und Tabellen beiseite: “Was wir hier an der Aalto-Universität schaffen? Wir bauen Satelliten von Anfang an, mit allem was dazugehört. Dann fliegen wir die in den Weltraum. Als Student oder Mitarbeiter lernst Du hier die echte Welt kennen. Und das macht natürlich dann auch den Unterschied aus, wenn es darum geht, eine eigene Firma, ein eigenes Startup zu gründen, denn es ist wichtig zu wissen, was man tut und wie das im Detail funktioniert, oder?”
Egal ob Kapital gebraucht wird für Studenten-Startups oder ein Kontakt in die Geschäftswelt, der Vize-Präsident von Aalto, Janne Laine, hat direkte Telefonnummern von Top-Managern. Und wenn ein Student mit einer guten Idee mit einem Firmenchef reden möchte, dann gibt Laine die Handynummer weiter, ganz egal in welchem Semester der Student sich befindet.
Flache Hierarchien sind top
Euronews: "Was könnten Europas Unis von Aalto lernen?"
Janne Laine: “Wir legen unseren Teams nahe, dass sie sich ständig und sehr eng rückkoppeln mit Kunden und allen Beteiligten. Schon ganz am Anfang legen wir Wert darauf, Kunden zu finden und mit an Bord zu holen, schon in der ersten Minute eines Projekts. Unternehmerische Kultur und der Aufbau von Vertrauen sind sehr wichtig. Und als dritten Erfolgsfaktor nenne ich die flache Hierarchien hier bei uns.”
Euronews: "Was ist das Besondere hier an der Aalto-Universität?"
Laine: "Wir haben 53.000 Quadratmeter vermietet, größtenteils an Firmen. Und diese Unternehmer können mit uns hier auf dem Campus eng zusammenarbeiten. Das ist so schon etwas ungewöhnlich, in dieser Form, auch im gesamteuropäischen Vergleich. So werden Unternehmer, Studenten und Forscher ganz direkt zusammengebracht, durch die räumliche Nähe."
Euronews: "Manchmal sieht man als junger Mensch, als Student nicht sofort das Potential, das in einer neuartigen Idee, in einem innovativen Forschungsvorhaben, in einem mutigen Projekt steckt. Wie können Sie da helfen?"
Laine: "Wir haben spezielle Erfinderprogramme, insbesondere für Forscher. Das sind Crash-Kurse und Trainingseinheiten, man könnte auch Coaching sagen. Dabei geht es um Skalierung, Wachstumsmöglichkeiten, wie man den Markteintritt organisiert, es geht um Patentschutz und darum, wie man Kunden findet."
Euronews: "Vor Jahren hieß es immer, die USA und einige asiatische Staaten können Innovation und Wissenstransfer aus der Forschung in die Wirtschaft. Europa hinke dabei hinterher. Wie sieht das heute aus, ganz aktuell?"
Laine: "Wenn man sich das Forschungsniveau ansieht bei uns in Europa, dann ist ganz klar, dass wir nicht hinterherhinken. Etwas anderes ist die Skalierung, wie man vorhandenes Potential wirtschaftlich nutzen kann, der Zugang zu Risikokapital. Es ist heutzutage kein Problem, an Startup-Kapital in Europa zu gelangen. Aber wenn es um späteres Wachstum, um das Hochskalieren geht, da könnten wir in Europa noch besser werden. Auch beim dem, was B-to-B-Business genannt wird, auch dort haben wir Nachholbedarf."
Euronews: "Haben Sie einen Ratschlag an Entscheidungsträger in Brüssel, in den Hauptstädten Europas?"
Laine: "Es sollten grenzüberschreitende Cluster-Strukturen von Elite-Universitäten geschaffen werden. Cambridge, Oxford, München und so weiter. Diese Kernstädte mit Spitzenuniversitäten sollten enger zusammenarbeiten."
Euronews: "Was tun, damit made in Europe auch künftig noch in der Weltliga ganz vorne mitspielt?"
Laine: "Es gibt immer noch so viel ungenutztes Potential an den Universitäten. Wir sollten überall in Europa den universitären Sektor anregen, voll und ganz auf Innovation zu setzen und zwar auf Innovation, die neue Geschäftsfelder eröffnet."
Spaziergang am See mit Shay Strong
Am nächsten Tage habe ich mich am Rande des idyllischen Sees neben Aalto und ICEYE mit der Astrophysikerin Doktor Shay Strong verabredet. Die US-Amerikanerin leitet die Datenauswertung bei ICEYE.
In ihrer Freizeit nutzt sie jede sich bietende Outdoor-Gelegenheit. Strong ist stark auf lange Distanzen: strategischer Weitblick, das ist ihre Domäne bei ICEYE. Und auch im privaten ist sie die Ausdauer-Powerfrau: als Wildwasserschwimmerin braucht sie langen Atem über weite Strecken bis zum nächsten Ufer. Die besten Ideen kommen ihr oft im Wasser.
Die Superbilder aus dem All helfen bei der militärischen Fernaufklärung. Aber auch beim Katastrophenmanagement: Wo brennt es? Welche Gebiete wurden überschwemmt? Wo wird der Urwald abgeholzt? ICEYE hat den Überblick.
Was ging in Ihnen vor, als die ersten guten Satellitenbilder aus dem All bei Ihnen eintrafen, frage ich sie. Strong kann sich noch gut erinnern: “Oh, sowas ist echt aufregend! Es fühlt sich an wie eine ruhige Revolution. Denn mit dem, was wir machen, schaffen wir fast so etwas wie eine ganz neuartige Infrastruktur."
Strong weiter: "Du hast auf einmal diesen erstaunlichen, wunderbaren Zugang zu all diesen Informationen. Damit können wir wirklich etwas bewegen für Menschen, die von Naturkatastrophen betroffen sind. Wir können auch die Sicherheit der Grenzen verbessern.”
Dr. Strong denkt einen Moment nach:“Ist die Arbeit, die wir bei ICEYE leisten, nutzbringend für die Menschheit? Ich würde sagen, Ja! Wir produzieren Bilder und Daten ja nicht für irgendwelche Konsumgüter, beispielsweise. Sondern wir halten fest, was auf der Erde geschieht.”
Abschließend frage ich Strong nach Ihrer persönlichen Motivation. Sie lächelt kurz, dann sagt sie: “Was mich antreibt, ist der Wunsch, meine Zeit einem Vorhaben zu widmen, durch das die Welt hoffentlich zu einem besseren Ort wird, dank unserer Daten. Mit diesen Informationen kann man bessere Entscheidungen treffen, auch in Europa. Denn wir navigieren durch eine sich ständig verändernde Umwelt, eine sich wandelnde Welt.”