Mehr Rüstungsausgaben in Europa: strategische Investition oder Zugeständnis an Donald Trump? Darüber debattieren im Format „The Ring“ die EU‑Abgeordneten Marc Botenga und Lukas Mandl.
Europa erlebt eine Phase tiefer Unsicherheit. An den Außengrenzen toben Kriege, geopolitische Rivalitäten nehmen zu, wirtschaftliche Sorgen wachsen und die Zukunft des transatlantischen Bündnisses steht in Frage.
Russlands Krieg gegen die Ukraine bestimmt weiterhin die sicherheitspolitische Agenda des Kontinents. Die Instabilität im Nahen Osten und die Furcht vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung verstärken das Gefühl, dass die Weltordnung der Zeit nach dem Kalten Krieg zerfällt.
Wie soll Europa auf diese Herausforderung reagieren?
Zwei Mitglieder des Europäischen Parlaments, Lukas Mandl von der Europäischen Volkspartei aus Österreich und Marc Botenga von der linken Fraktion aus Belgien, lieferten sich darüber eine hitzige Debatte.
In Europa macht sich ein neues Gefühl der Verwundbarkeit breit. Es hat bereits einen historischen Kurswechsel in der Verteidigungspolitik ausgelöst. Rechtfertigt das Ausgaben in Milliardenhöhe für neue Waffen?
Botenga sagt dazu ohne Einschränkung nein, Mandl ebenso eindeutig ja.
Staaten, die ihre Militärbudgets über Jahrzehnte hinweg gekürzt haben, erhöhen die Ausgaben nun drastisch, rüsten auf und investieren in die Rüstungsindustrie.
Deutschlands Entscheidung, einen umfangreichen Sonderfonds für die Bundeswehr aufzulegen und zur stärksten Armee Europas zu werden, nahm Botenga ins Visier. Er wirft den EU-Regierungen vor, Ausgaben im Inland etwa für Schulen und Krankenhäuser zu vernachlässigen.
Mandl verteidigte dagegen Pläne, Europa mit modernster Drohnentechnologie auszurüsten, um Putins Russland und andere Bedrohungen in Schach zu halten.
Europa versucht, seine Bündnisse und seine strategische Rolle neu zu bestimmen. Die EU bleibt jedoch über die NATO, den Handel und die Geheimdienstzusammenarbeit eng an die Vereinigten Staaten gebunden – auch darüber gingen die Positionen von Botenga und Mandl weit auseinander.
Viele europäische Staats- und Regierungschefs betonen zunehmend, Europa müsse strategisch unabhängiger werden. Wie lässt sich das erreichen?
Dieser Balanceakt ist seit der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus und seines stark geschäftsmäßigen Verständnisses von Bündnissen noch dringlicher geworden.
Gelingt es Europa, diese turbulente Phase zu meistern? Kann der Kontinent in einer rasant wandelnden Welt zu einer wirklich eigenständigen globalen Macht werden?
Diese Folge von „The Ring“ präsentiert Stefan Grobe. Die Produktion verantworten Luis Albertos und Amaia Echevarria, die Redaktion liegt bei Vassilis Glynos.
„The Ring“ sehen Sie auf Euronews TV oder im Player oben. Ihre Meinung können Sie uns per E-Mail an thering@euronews.com schicken.