Online-Kindesmissbrauch nimmt in Europa zu, ebenso KI-generierte Missbrauchsbilder. In welchen Ländern ist das erschreckende Phänomen am meisten verbreitet?
Kinder wachsen heute in einer stark digitalisierten Umgebung auf. Gleichzeitig wächst die Sorge, welchen schädlichen Inhalten sie im Netz ausgesetzt sind.
EU-weit mitfinanzierte Meldestellen registrierten 2025 mehr als 4,5 Millionen Hinweise auf möglicherweise illegale Online-Inhalte, wie aktuelle Zahlen des "Better Internet for Kids Hotline Observatory" zeigen.
Mehr als die Hälfte dieser Meldungen betraf Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern oder deren sexuelle Ausbeutung.
Zudem führten 63 % der weltweit identifizierten URLs mit Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern zu Hosting-Diensten in EU-Mitgliedstaaten.
Bulgarien schneidet in der EU am schlechtesten ab. Dort liegt die Zahl der gehosteten strafbaren Webseiten am höchsten und ist im Vergleich zu 2024 um 19 Prozentpunkte gestiegen. Damit ist das Land von Platz zwei auf Rang eins gerückt.
Es folgen die Niederlande und Rumänien. In den Niederlanden identifizierten die Fachleute 33.788 einschlägige Websites, in Rumänien 21.188.
Auch in Frankreich und Deutschland stiegen die Zahlen 2025 deutlich an.
"Kinder, Opfer und Überlebende sexueller Gewalt in der EU werden im Stich gelassen – von den Menschen, die sie eigentlich vertreten sollen“, erklärt Kerry Smith, CEO der Internet Watch Foundation.
Weltweit entfallen die meisten Webseiten mit Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern auf drei Staaten: auf Bulgarien mit 28 % aller einschlägigen Seiten, auf die USA mit 16 % und auf die Niederlande mit 11 %.
Online-Grooming und vermisste Kinder
In der ersten Hälfte 2025 verzeichneten Analysten der Internet Watch Foundation (IWF) einen Anstieg von 400 % bei KI-generiertem Material mit Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern. Solche Inhalte fanden sie auf 210 Webseiten.
Hinweise auf KI-generiertes Missbrauchsmaterial stehen zudem immer häufiger im Zusammenhang mit Fällen von Grooming und Erpressung. Beim sogenannten Grooming nehmen Erwachsene mit Missbrauchsabsichten Kontakt zu Minderjährigen auf. Meist schmeicheln sie sich zunächst bei den Kindern und Jugendlichen ein, versprechen oder machen Geschenke, um ihr Vertrauen zu erschleichen.
Den Zusammenhang zwischen Online-Grooming, sexueller Ausbeutung und dem Verschwinden von Kindern übersehen Verantwortliche häufig, warnt der europäische Dachverband für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder, Missing Children Europe.
In Westeuropa berichtet jedes fünfte Kind, vor dem 18. Geburtstag Online-Kontaktversuchen oder Grooming ausgesetzt gewesen zu sein.
Zudem registrierten die europäischen Hotlines für vermisste Kinder 2025 in 92 Fällen einen direkten Zusammenhang zwischen Online-Grooming und dem Verschwinden eines Kindes.
Grooming kann grundsätzlich jedes Kind treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sozialem Hintergrund.
Dennoch gelten geringes Selbstwertgefühl, ein negatives Selbstbild und psychische Belastungen bei Kindern als Risikofaktoren, die Täter im Grooming gezielt ausnutzen.
Mädchen geraten häufiger ins Visier von Online-Grooming. Jungen sind jedoch ebenfalls gefährdet, ihre Fälle werden aber eher nicht gemeldet.
Viele Betroffene wenden sich aus Angst, Scham oder Unkenntnis über Grooming-Verhalten nicht an die Behörden. Das macht das Ausmaß des Problems schwer sichtbar.