Nach massenhaften Grenzübertritten von Marokkanern bereitet Spanien einen Antrag auf zusätzliche EU-Hilfen für Ceuta vor. Die Mittel könnten Grenzmanagement, Unterkünfte, medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe finanzieren.
Der Sprecher der Europäischen Kommission Guillaume Mercier sagte am Donnerstag, die Gespräche zwischen Spanien und Brüssel über zusätzliche Finanzhilfen für Ceuta liefen "mit Hochdruck". In der vergangenen Woche hatten 72.000 Menschen aus Marokko die spanische Exklave gestürmt.
Auf eine Frage von Euronews antwortete Mercier, die EU-Kommission habe am Mittwoch die erste Bedarfsanalyse aus Spanien erhalten.
Zu Wochenbeginn hatten bereits technische Gespräche stattgefunden, Brüssel prüft den Bericht nun. "Als nächsten Schritt wird Spanien einen Antrag stellen und ihn offiziell bei der Kommission einreichen", sagte er.
Die neuen Mittel könnten Ausrüstung und Dienstleistungen für das Grenzmanagement finanzieren sowie humanitäre und medizinische Hilfe für die Menschen in Ceuta. Mercier betonte, Brüssel sehe "angesichts der aktuellen Lage" Bedarf für zusätzliche Unterstützung.
In der Praxis könnte das Geld etwa für Notunterkünfte, Lebensmittel, medizinische Versorgung, Einsatzkräfte und weitere humanitäre Hilfe eingesetzt werden – abhängig davon, was Spanien beantragt.
Der Antrag steht allerdings noch nicht endgültig fest, ebenso wenig die Höhe der gewünschten Unterstützung.
Nach Angaben spanischer Behörden waren bis Montag bereits 70.000 Menschen nach Marokko zurückgekehrt. Bei ihrem Versuch nach Spanien einzureisen, kamen mindestens 88 Menschen ums Leben.
Dennoch halten sich nach Angaben des Präsidenten von Ceuta, Juan Vivas, weiterhin bis zu 5.000 Menschen in der Stadt auf, darunter 860 unbegleitete Minderjährige.
Die NGO Luna Blanca hat in den vergangenen Tagen mehr als 12.000 Mahlzeiten an Migranten in Ceuta ausgegeben. Luna Blancas Präsident Mustafa Abdelcader sagte Euronews, "die Institutionen sind auf eine Krise dieser Art nicht vorbereitet".
"Wir sprechen über einen Zustrom von rund 60.000 bis 70.000 Menschen", sagte er und fügte hinzu: "Damit liegen wir fast auf dem Niveau der Stadtbevölkerung." Eine Sozialarbeiterin der Organisation berichtete, dass Kinder mit Hitzschlag ankommen und unter Hunger leiden.
Nach einer außerordentlichen Sitzung zur Migrationskrise am Dienstag bestätigte EU-Kommissar für Inneres und Migration Magnus Brunner, dass im laufenden langfristigen EU-Haushalt, dem Mehrjährigen Finanzrahmen, Mittel für Spanien und Ceuta bereitstehen.
"Spanien hat über die Notfallhilfe zusätzliche 114 Millionen Euro erhalten", sagte er.
"Darunter sind rund 28 Millionen Euro, um Aufnahme-, Asyl- und Rückkehrsysteme in Ceuta weiter zu stärken. Diese Mittel werden vor allem dort eingesetzt."
Am Ende der Sitzung am Dienstag, die viele EU-Diplomaten als unruhig erwartet hatten, bekräftigte Brunner, Europa stehe "Schulter an Schulter" mit Spanien. Wenn dies ein "Test" für die Belastbarkeit der EU gewesen sei, habe die Union ihn bestanden, sagte er.