Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Euroviews. Kasachstan und die EU: Nächste Etappe der strategischen Partnerschaft

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew in Berlin, Deutschland, am Donnerstag, 28. September 2023. (AP Photo/Markus Schreiber)
Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew am Donnerstag, 28. September 2023, in Berlin, Deutschland. (AP-Foto: Markus Schreiber) Copyright  AP Photo/Markus Schreiber
Copyright AP Photo/Markus Schreiber
Von Kassym-Jomart Tokayev, President of the Republic of Kazakhstan
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen sind die der Autoren und stellen in keiner Weise die redaktionelle Position von Euronews dar.

Die Partnerschaft zwischen Kasachstan und der EU ist heute wichtiger denn je, schreibt Präsident Qassym-Schomart Toqajew in einem Euronews-Kommentar. Er identifiziert drei strategische Ziele für das nächste Kapitel.

Zehn Jahre nach dem Verstärkten Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (EPCA) von 2015 ist die EU heute Kasachstans wichtigster Handels- und Investitionspartner.

WERBUNG
WERBUNG

Tausende europäische Unternehmen sind erfolgreich in unserem Land tätig und erwirtschaften in Europa Gewinne und Vorteile. Zugleich modernisieren und diversifizieren sie unsere Wirtschaft.

Das war und ist ein großer Erfolg. Doch in einer sich rasant verändernden Welt reicht er nicht aus.

Mit großer Zuversicht und fester Überzeugung kehre ich nach Brüssel zurück: Die Partnerschaft zwischen Kasachstan und der Europäischen Union ist heute wichtiger denn je. Deshalb müssen wir sie ausbauen.

Kasachstan und EU: drei gemeinsame strategische Ziele

Im nächsten Kapitel unserer Zusammenarbeit sollten wir uns auf drei strategische Ziele konzentrieren: erstens die Stärkung der Widerstandsfähigkeit, zweitens den Ausbau aller Formen von Konnektivität und drittens die Schaffung neuer Chancen für Bürgerinnen und Bürger.

Das ist nötig, denn frühere geopolitische Annahmen gelten nicht mehr. Geografie und Macht kehren zurück.

Wieder aufflammender Wettbewerb verändert Handel, Technologie und Investitionsströme in rasantem Tempo. Globale Lieferketten sind verwundbarer geworden. Überlegungen der nationalen Sicherheit überlagern zunehmend Handel und wirtschaftliche Verflechtungen.

Europa weiß: In solchen Zeiten können Staaten sich in rivalisierende Blöcke zurückziehen. Oder sie bauen neue Partnerschaften auf, die auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Interessen beruhen.

Auch Kasachstan weiß das. Unsere Geografie liegt an der Schnittstelle der Kontinente, unsere Außenpolitik will sie miteinander verbinden.

Kasachstans Brückenrolle gewinnt wirtschaftlich an Gewicht

Diese Brückenrolle wird zunehmend von wirtschaftlicher Stärke getragen. Im Jahr 2025 wuchs die kasachische Wirtschaft um 6,5 %, das Bruttoinlandsprodukt erreichte 306 Milliarden US-Dollar.

Laut World Economic Outlook des IWF wird es 2026 voraussichtlich mehr als 360 Milliarden US-Dollar betragen. Ein größeres, dynamischeres Kasachstan ist ein stärkerer Partner für Europa im Herzen Eurasiens.

Jede Reisende, jeder Reisende weiß: Je ungewisser die Reise, desto wertvoller sind verlässliche Weggefährten.

In einer Welt mit immer mehr Unsicherheiten sind Kasachstan und Europa bereits gemeinsame Weggefährten. Unser Ansatz in der internationalen Zusammenarbeit bleibt ausgewogen, pragmatisch und konstruktiv.

Wir stehen weiterhin fest zur Charta der Vereinten Nationen. Wir setzen auf Dialog und die friedliche Beilegung von Konflikten. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir kennen einander.

„Energiesicherheit ist ein klares Beispiel für unser gegenseitiges Vertrauen“

Verflechtung stärkt die Widerstandsfähigkeit. Das zeigt sich beim Thema Energie, in dem Zuverlässigkeit strategisch immer wichtiger wird. Kasachstan liefert inzwischen fast 13 Prozent der Erdölimporte der EU und 16 Prozent ihres Natururans.

Energiesicherheit steht damit exemplarisch für unser gegenseitiges Vertrauen, für mehr Resilienz und für unsere Fähigkeit, auch in einer volatileren Welt zu liefern.

Warum sollten wir das nicht auch in der Landwirtschaft erreichen? Ernährungssicherheit wird weltweit zu einer immer größeren strategischen Sorge. Kasachstan gehört zu den großen Getreideproduzenten und -exporteuren der Welt und bietet großes Potenzial für europäische Märkte, die ihre Bezugsquellen breiter aufstellen müssen.

Gleichzeitig können europäisches Know-how, Technologie und Investitionen bei uns eine weitergehende Verarbeitung und eine landwirtschaftliche Produktion mit höherer Wertschöpfung ermöglichen.

Ähnlich verhält es sich mit dem globalen Übergang zu nachhaltigem Wachstum, der ein bislang nicht gekanntes Engagement verlangt. Kritische Rohstoffe, erneuerbare Technologien, Energieeffizienz und neue industrielle Ökosysteme bestimmen immer stärker die Wettbewerbsfähigkeit von morgen.

Auch hier kann Kasachstan erhebliche Ressourcen und industrielles Potenzial einbringen, wenn Europa seinerseits Expertise, Technologien und Investitionen beisteuert. Beide Volkswirtschaften würden wachsen und widerstandsfähiger werden.

Sichere und effiziente Verkehrswege als strategische Schlagadern

Nach dem ersten Jahrzehnt unserer Zusammenarbeit ist es an der Zeit, die wirtschaftlichen Beziehungen weiterzuentwickeln. Statt des klassischen Modells „Rohstoffexport gegen Investitionen“ brauchen wir eine Partnerschaft, die in allen Stufen Wertschöpfung schafft – durch moderne Verarbeitung, Technologietransfer, Forschungskooperationen und gemeinsame Unternehmen.

Ein Blick auf die Konnektivität zeigt das. In Kasachstan wissen wir, dass sichere und effiziente Transportkorridore – wie einst die Seidenstraße – immer strategische Schlagadern waren.

Deshalb entwickeln wir den Mittleren Korridor zwischen Europa und Asien. Er fügt sich nahtlos in die Global-Gateway-Strategie der EU ein.

Doch Konnektivität bedeutet mehr, als Waren schneller über Grenzen zu transportieren. Der Mittlere Korridor ist vielmehr das Rückgrat eines entstehenden Systems, das europäische Märkte und Wirtschaftsmetropolen mit den Ressourcen Zentralasiens, seiner wachsenden Industrie und seinem Logistikpotenzial verbindet.

Echte Konnektivität – man denke an Kanäle, Seewege und Handelsstraßen der Antike – schafft immer durch neue Chancen zusätzlichen Wert. Sie integriert Märkte, belebt Investitionen, fördert Unternehmertum und bringt Gesellschaften einander näher. Sie nutzt Geografie für mehr Produktivität.

KI, digitale Verwaltung, Innovationsökosysteme und vertrauenswürdige Technologien

Darum muss unsere Partnerschaft nun auch jene Technologien umfassen, die den Wohlstand von morgen sichern. Künstliche Intelligenz, digitale Verwaltung, Innovationsökosysteme und vertrauenswürdige Technologien werden rasch zu zentralen Faktoren für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und nationale Resilienz.

Kasachstan hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um ein starker digitaler Staat zu werden: durch die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen, datenbasierte Regierungsführung und Investitionen in künstliche Intelligenz.

Wir wollen die enge Zusammenarbeit mit europäischen Technologieunternehmen fortsetzen, damit technologischer Fortschritt inklusiv, sicher und am Menschen orientiert bleibt.

Vor allem muss eine wirklich strategische Partnerschaft den Bürgerinnen und Bürgern konkret zugutekommen. Wir kommen bei einem neuen Visasystem gut voran, das Reisen erleichtern und ausweiten soll und damit Studierenden, Forschenden, Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Familien auf allen Seiten spürbare Vorteile bringt.

Bildung, Wissenschaft und Innovation auf ein neues Niveau heben

Auch in Bildung, Wissenschaft und Innovation müssen wir die Messlatte höher legen. Kasachstans Beteiligung an Erasmus+ und Horizon Europe zeigt bereits, welches Potenzial darin steckt. Wir brauchen mehr akademische Mobilität und Zusammenarbeit, mehr gemeinsame Innovationen und mehr Chancen für junge Menschen.

Die Zeit steht für niemanden still. Kasachstan geht in das nächste Jahrzehnt seiner EU-Partnerschaft als ein Land im Aufbruch, das überzeugt ist: Resilienz beginnt im eigenen Zuhause.

Unsere neue Verfassung ist die erste große Neuausrichtung seit der Unabhängigkeit. Sie spiegelt den Wunsch der nächsten Generation wider, in einem gerechten Land zu leben, das auf Rechtsstaatlichkeit beruht und die grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten unerschütterlich achtet und schützt.

Sie stützt zugleich umfassende politische und wirtschaftliche Reformen, die mehr öffentliche Rechenschaftspflicht und effektivere Institutionen zum Ziel haben – nach der Formel „starker Präsident, einflussreiches Parlament, rechenschaftspflichtige Regierung“.

Unsere Partner und Investorinnen und Investoren sollen in Kasachstan nicht nur neue Märkte finden, sondern auch verlässliche Regeln sowie eine vorhersehbare, faire und transparente Wirtschaftsordnung.

Das vergangene Jahrzehnt hat uns gezeigt, dass wir erfolgreich zusammenarbeiten können. Mit Blick auf die nächsten zehn Jahre bin ich überzeugt, dass unsere Partnerschaft greifbare Ergebnisse liefern muss.

Die gute Nachricht: Europa und Kasachstan verfügen bereits über die meisten Instrumente und Voraussetzungen, um ihre Partnerschaft zu vertiefen. Den Rest werden wir gemeinsam entwickeln.

Der kasachische Präsident Qassym-Schomart Toqajew besucht am 22. und 23. Juni Brüssel zu Gesprächen mit den Spitzen der EU.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Schlangenplage bedroht Balearen: Wie die Hufeisennatter die Inseln erobert

Der britische Premierminister Keir Starmer kündigt seinen Rücktritt an

Selenskyj vergleicht Polens Präsidenten mit Orbán: "Das ist der falsche Weg"