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Präsident Tokajew in Brüssel: Kasachstan will Beziehungen zur EU ausbauen

Roman Vassilenko, Kasachstans Botschafter bei der EU
Roman Vassilenko, Kasachstans Botschafter bei der EU Copyright  Euronews
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Von Stefan Grobe
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Kasachstans Präsident zu Besuch in Brüssel: Das Land will seine Beziehungen zur EU ausbauen. Der kasachische Botschafter bei der EU nannte im Euronews-Interview Energie, kritische Rohstoffe und KI als Schwerpunkt.

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajev hat einen strategischen Besuch in Brüssel gemacht. Das Land, in dem jüngst per Verfassungsreferendum die Macht des Präsidenten ausgeweitet wurde, strebt eine deutlich engere strategische Partnerschaft mit der Europäischen Union an. Es will sich als verlässlicher Lieferant von Energie und kritischen Rohstoffen positionieren. Zugleich wirbt Kasachstan mit neuen Chancen in den Bereichen KI, Logistik und grünen Technologien.

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"Wir liegen im Herzen Eurasiens. Wir grenzen an Russland, wir grenzen an China, aber wir möchten unsere für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen zur Europäischen Union deutlich ausbauen", sagte der kasachische Botschafter bei der EU, Roman Vassilenko, am Dienstag im Exklusivinterview mit Euronews und brachte damit die zentrale Botschaft des Besuchs von Präsident Tokajev auf den Punkt – als Teil der sich stetig vertiefenden Zusammenarbeit zwischen der EU und Zentralasien.

"Wir haben schon viel erreicht, aber wir können noch deutlich mehr tun", ergänzte er in der Euronews-Morgensendung "Europe Today". Die EU sei einer von Kasachstans "wichtigsten strategischen Partnern weltweit".

Vassilenko zufolge sendet Tokajevs Reise nach Brüssel eine klare Botschaft: Trotz der bereits engen Beziehungen gibt es noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Die Handels- und Investitionsbeziehungen beider Seiten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Europäische Unternehmen haben rund 210 Milliarden Dollar (184 Milliarden Euro) in Kasachstan investiert, vor allem im Energiesektor.

Der Botschafter betonte jedoch, dass die größten ungenutzten Chancen in anderen Bereichen lägen. Er verwies auf Transport und Logistik, kritische Rohstoffe, KI, grünen Wasserstoff, erneuerbare Energien und den Finanzsektor als Felder mit erheblichem Potenzial für europäische Investoren.

Kasachstan präsentiert sich zudem als aufstrebender Finanzhub. Das Astana International Financial Centre beherbergt inzwischen rund 5.800 Unternehmen aus aller Welt. Diese Entwicklung zeige, so der Botschafter, wie attraktiv das Land für internationale Geschäfte geworden ist.

Kritische Mineralien bilden eine weitere Säule von Kasachstans Angebot an Europa. Das Land produziert bereits 21 der 34 Rohstoffe, die im EU-Gesetz über kritische Rohstoffe als strategisch eingestuft sind.

Kasachstan will die Mineralien jedoch nicht nur ausführen. Europäische Partner sollen in lokale Verarbeitung und Technologietransfer investieren.

"Sie bringen Investitionen und Technologien mit. Sie fördern kritische Rohstoffe in Kasachstan nicht nur, sondern verarbeiten sie auch dort – und beide Seiten profitieren davon", so Vassilenko.

Die Europäische Kommission hat ein großes Projekt bereits als strategische Initiative eingestuft. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zufolge soll das Projekt nach dem Start genügend Graphit für rund 100.000 Batterien von Elektroautos pro Jahr liefern.

Energiesicherheit steht im Zentrum der Beziehungen zwischen EU und Kasachstan

Die Energiesicherheit bleibt der Kern der Beziehungen zwischen der EU und Kasachstan. Europa bemüht sich weiter, seine Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern, und Kasachstan hat sich zu einem der wichtigsten alternativen Lieferanten Brüssels entwickelt. Das Land ist bereits drittgrößter Rohöllieferant der EU.

Zwar begrenzen die heimischen Fördermengen und die Transportinfrastruktur Kasachstans Spielraum für zusätzliche Exporte, doch Vassilenko ist überzeugt, dass die Lieferungen in den kommenden Jahren deutlich steigen können. Derzeit liefert Kasachstan jedes Jahr rund 65 Millionen Tonnen Rohöl nach Europa. Diese Menge könnte nach seinen Angaben in etwa vier bis fünf Jahren auf ungefähr 100 Millionen Tonnen wachsen.

Doch Kasachstans Pläne gehen über Öl hinaus. Ab 2030 will das Land gemeinsam mit einem deutsch-schwedischen Unternehmen jährlich rund 2 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff produzieren und damit zu einem wichtigen künftigen Lieferanten sauberer Energie für Europa werden.

"Wir wollen für die Europäische Union ein wichtiger strategischer Partner in Fragen der Energiesicherheit bleiben", bekräftigte der Botschafter. Kasachstan sehe sich zunehmend nicht nur als Brücke zwischen Europa und Asien, sondern als unverzichtbarer Partner beim wirtschaftlichen Wandel und bei der Energiewende Europas.

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