Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Zehn Jahre später: Europäer sehen EU positiver als zur Zeit des Brexit

Foto: Léo Arnoux
Foto: Léo Arnoux Copyright  Photo by Léo Arnoux
Copyright Photo by Léo Arnoux
Von Tamsin Paternoster & Video by Léo Arnoux
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Umfragen des Pew Research Center zeigen: Das Ansehen der EU ist seit dem Brexit gestiegen. Nationale Erhebungen melden zugleich Rekordwerte für einige EU-skeptische Parteien.

Zehn Jahre nach dem britischen Votum für den Austritt aus der Europäischen Union, das den Kontinent erschütterte, stehen die Europäer dem Staatenbund offenbar positiver gegenüber als während des Brexit-Referendums.

WERBUNG
WERBUNG

Neue Umfragen des Pew Research Center zeigen: In weiten Teilen Europas ist die Zustimmung zur EU seit 2016 gestiegen. Und das, obwohl in vielen Staaten Parteien erstarkt sind, die Brüssel kritisch sehen.

Die Zahlen deuten auf einen Bruch mit der politischen Stimmung rund um das Brexit-Votum hin. Damals kamen Forderungen nach Austrittsreferenden nicht nur aus Großbritannien.

So warb Marine Le Pen in Frankreich für eine Volksabstimmung über den Verbleib im Staatenbund, Geert Wilders in den Niederlanden für ein Referendum über einen EU-Austritt seines Landes.

In Griechenland war das Vertrauen in die EU-Institutionen nach der Eurokrisen-Zeit und den Verhandlungen über Hilfspakete auf einem Tiefpunkt. In Italien setzte sich die Fünf-Sterne-Bewegung für ein Referendum über die Mitgliedschaft des Landes in der Eurozone ein.

Nach den aktuellen Pew-Zahlen sieht das Bild heute anders aus.

Im Median ist die EU-Zustimmung in den acht seit 2016 untersuchten Ländern von 49 % auf 62 % gestiegen.

Der Trend zeigt sich in mehreren großen EU-Staaten. In Deutschland stieg der Anteil positiver EU-Bewertungen von 50 % im Jahr 2016 auf 68 % im Jahr 2026. In Frankreich nahm die Zustimmung von 38 % auf 52 % zu, in den Niederlanden von 51 % auf 63 %.

In Großbritannien selbst ist die EU heute beliebter, obwohl das Land 2020 ausgetreten ist. Der Anteil positiver Bewertungen lag beim Referendum bei 45 % und erreicht nun 67 %.

Stimmungswandel über die Jahre

Die Daten von Pew zeigen einen deutlichen Sprung im Jahr direkt nach dem Brexit-Referendum. Der Median der EU-Zustimmung in den befragten Ländern kletterte von 49 % im Jahr 2016 auf 60 % im Jahr 2017.

Das widerspricht den damals verbreiteten Prognosen, nach denen der Brexit die Europäische Union auseinanderbrechen und weitere Austritte nach sich ziehen würde.

Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 legte die Zustimmung noch einmal zu und erreichte in vielen untersuchten Staaten Rekordwerte.

Gleichzeitig bedeutet die wachsende EU-Beliebtheit nicht, dass euroskeptische Parteien verschwunden wären.

In vielen Ländern konnten sie ihren Stimmenanteil sogar ausbauen, teils deutlich.

Nach nationalen Wahldaten steigerte die Alternative für Deutschland (AfD) ihren Anteil bei Bundestagswahlen von 12,6 % im Jahr 2017 auf 20,8 % im Jahr 2025.

In Frankreich gewannen der Rassemblement National und verbündete Parteien in der ersten Runde der Parlamentswahl 2024 rund 33 % der Stimmen. Geert Wilders’ Partei für die Freiheit (PVV) wurde bei der Parlamentswahl 2023 nach jahrelanger Anti-Einwanderungs-Kampagne und scharfer Kritik an Brüssel stärkste Kraft in den Niederlanden.

Analysten der London School of Economics and Political Science stellen fest, dass viele euroskeptische Parteien ihre Rhetorik verändert haben: vom Eintreten für einen vollständigen Austritt aus der Europäischen Union hin zu Forderungen nach Reformen von innen.

So hat der Rassemblement National in Frankreich den Fokus weg von offenen Austrittsforderungen verlagert. Partei und Führung sprechen nun vor allem über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen und den Vorrang französischen Rechts vor EU-Recht. In den Niederlanden betont Wilders inzwischen stärker Themen wie Migration und Asyl als einen möglichen „Nexit“.

Ein Demonstrant trägt ein „NEXIT“-Schild auf seiner gelben Weste, während ein niederländischer Polizist neben einer friedlichen Demonstration in Amsterdam in den Niederlanden am Samstag, 8. Dezember 2018, entlanggeht.
Ein Demonstrant trägt ein „NEXIT“-Schild auf seiner gelben Weste, während ein niederländischer Polizist neben einer friedlichen Demonstration in Amsterdam in den Niederlanden am Samstag, 8. Dezember 2018, entlanggeht. AP Photo

Eine Ausnahme bildet die AfD. Sie hält weiterhin Austrittsszenarien auf der Agenda, obwohl andere Parteien die Debatte längst in eine andere Richtung gelenkt haben.

Laut Forschenden „wirkte der Brexit zunehmend weniger so, wie ihn die Befürworter versprochen hatten. Nationalistische Parteien und Politiker ließen sich offenbar davon abbringen, offen anti-europäische und austrittsorientierte Positionen zu verfolgen, und konzentrierten sich stattdessen auf Forderungen nach EU-Reformen von innen“.

Größte EU-Zustimmung bei Jüngeren und Linksorientierten

Die Unterstützung für die EU ist insgesamt gewachsen. Gleichzeitig bleiben deutliche Unterschiede zwischen den Generationen.

In Italien sehen 80 % der Erwachsenen unter 35 die EU positiv, bei den über 50-Jährigen sind es 56 %.

Ähnliche Muster zeigt die Pew-Befragung in mehreren anderen europäischen Ländern. Jüngere äußern sich dort durchweg positiver über die EU als ältere Befragte.

Auch die politische Ausrichtung prägt die Einstellungen weiter. In Polen bewerten 86 % der Menschen mit linken Positionen die EU positiv, auf der rechten Seite sind es nur 42 % – einer der größten ideologischen Unterschiede in den Erhebungen von Pew.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Zehn Jahre Brexit: Wie haben sich britische Aktien und das Pfund entwickelt?

Zehn Jahre später: Europäer sehen EU positiver als zur Zeit des Brexit

Wo in Europa kann man am besten sein E-Auto aufladen?