Der Chef der Fédération Internationale de Football Association hatte zuletzt dafür geworben, die FIFA-Wettbewerbe an Investoren zu verkaufen. In der Folge machte sich unter den Mitgliedsverbänden Empörung bemerkbar. Offenbar sieht sich Infantino mit einem massiven Vertrauensverlust konfrontiert.
Wales hat als erstes Land öffentlich seine Unterstützung für die Wiederwahl von FIFA-Präsident Gianni Infantino zurückgezogen. Begründung waren „Versäumnisse bei guter Regierungsführung, Verfahren und Führung“.
Die Mitteilung folgte auf einen Vertrauensverlust in Infantinos Führung nach dem Versuch, Anteile an FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu verkaufen. Der walisische Verband erklärte, er werde Infantinos Kandidatur für die Amtszeit 2027 bis 2031 nicht unterstützen.
„Wer die Interessen des Fußballs nicht an erste Stelle setzt, begeht ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können“, teilte der Fußballverband von Wales in einer Erklärung mit.
Die Wahl soll im kommenden März in Rabat stattfinden.
Rückzieher der FIFA
Die FIFA gab am Samstag bekannt, dass sie ihre Pläne verwerfe, privaten Investoren Anteile an großen Wettbewerben zu verkaufen, nachdem es heftigen Widerstand gegeben hatte.
In einer Mitteilung erklärte FIFA-Präsident Gianni Infantino, das Projekt habe „Spaltungen geschaffen“, die „nicht mehr im Interesse des ursprünglich verfolgten Ziels“ lägen.
Der Fußball-Weltverband hatte Ende Juli ein Modell vorgestellt, das nach eigenen Angaben die Finanzierung seiner 211 Mitgliedsverbände erhöhen sollte. Eine neue Tochtergesellschaft sollte dafür die kommerziellen Geschäfte und Veranstaltungen, darunter Weltmeisterschaften, bündeln.
Das Projekt mit dem Namen FIFA Forward Enterprise (FFE) sollte nach Infantinos Worten den „bemerkenswerten kommerziellen Wert“ des Fußballs besser ausschöpfen. Drittparteien sollten Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte an der neuen Gesellschaft erwerben können.
Nach FIFA-Angaben könnte FFE auf Basis einer Anfangsbewertung von 20 Milliarden US-Dollar (17 Milliarden Euro) bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar (3,6 Milliarden Euro) einwerben.
UEFA hatte Widerstand durchblicken lassen
In einer Stellungnahme am Samstag begrüßte der europäische Verband UEFA die Entscheidung der FIFA, den Vorschlag einzustampfen. Man werde nun gemeinsam mit den nationalen Verbänden und anderen Konföderationen „einen Plan ausarbeiten“, um eine Wiederholung einer solchen Situation in Zukunft zu verhindern.
„Wir können nicht weitermachen mit geheimen Plänen im Eilverfahren, ausgeheckt von gesichtslosen Personen und von zweifelhaftem Nutzen für den Fußball. Wir müssen die Verantwortlichen benennen und sie zur Rechenschaft ziehen“, erklärte die UEFA.
„Die aktuelle FIFA-Spitze hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie.“