EIB-Präsidentin Calviño sieht die Zusage von drei Milliarden Euro an Airbus als Zeichen, dass Europa im globalen Wettbewerb auf dem richtigen Weg ist. Ihre Institution bleibe aber weiterhin die "Klimabank", bekräftigte sie im Interview mit Euronews.
Ein Rekordkredit über 3 Milliarden Euro für den Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus zeigt nach Einschätzung der Präsidentin der Europäischen Investitionsbank (EIB), Nadia Calviño, wie Europa seine Fähigkeiten und seine strategische Autonomie ausbaut. In einer Welt, in der der Kontinent "von allen Seiten angegriffen" werde, sei dies ein wichtiges Signal, sagte sie im Interview bei unserer Morgensendung Europe Today.
Die EIB hat den Kredit am Montag vorgestellt. Er soll die zivilen Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsprojekte von Airbus stärken. Der Kredit ermöglicht Investitionen bis 2030 in Vorhaben in Frankreich, Deutschland und Spanien.
Es ist der größte kommerzielle Kredit, den das in Luxemburg ansässige Institut je vergeben hat.
Viele Beobachter sehen den Schritt als Teil einer breiteren europäischen Initiative, die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität des Kontinents zu stärken – angesichts harter Konkurrenz aus den USA und China. Eine erste Tranche von einer Milliarde Euro wurde am Montag bei einer Zeremonie in Brüssel unterzeichnet.
"Airbus ist die große Erfolgsgeschichte Europas", sagte Calviño im Interview mit Europe Today. "Das Unternehmen arbeitet profitabel und ist in entscheidenden Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Sicherheit und Verteidigung weltweit führend. Deshalb ist es mir wichtig, auch jene Felder hervorzuheben, in denen wir auf dem richtigen Weg sind."
Die EIB hat erst vor Kurzem einen historischen Kurswechsel vollzogen und investiert nun auch in Verteidigungsinfrastruktur. Für das Jahr 2026 peilt sie einen Rekordbetrag von 4,5 Milliarden Euro für Sicherheit und Verteidigung an.
Europa "nicht aufzuhalten", wenn es seine Kräfte bündelt
Auf die Frage, ob der Kredit eine neue Ausrichtung der EIB markiere, sagte Calviño, die Bank habe bewiesen, dass sie sich flexibel an Europas wechselnde Prioritäten und an einen "neuen geopolitischen Kontext" anpasse, in dem Europa "von allen Seiten angegriffen" werde.
"Ich sage immer: Wir in Europa sind nicht aufzuhalten, wenn wir unsere Kräfte bündeln. Ich nehme bei unseren Staats- und Regierungschefs einen starken Willen wahr, diesen Herausforderungen weiterhin gemeinsam zu begegnen."
Calviño betonte außerdem, dass die Bank trotz neuen Schwungs im Verteidigungssektor ihren Schwerpunkt auf Technologie- und Klima-Investitionen beibehalten werde. Die EIB wolle ihre Rolle als "Klimabank" weiter festigen.
"Ich habe den Eindruck, dass die EIB nicht nur Europas Klimabank ist, sondern die Klimabank der Welt. In vielen anderen Rechtsräumen mag die Sichtweise eine andere sein. Aber in der Realität investieren auch private Unternehmen in die klimafreundliche Transformation, denn das ist nicht nur richtig, sondern auch klug."