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Aufschrei der Hausärzte gegen neue Merz-Regeln zur Krankschreibung

In einer Hausarztpraxis in Deutschland - Archivbild
In einer Hausarztpraxis in Deutschland - Archivbild Copyright  KAI-UWE KNOTH/AP
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Von Kirsten Ripper & Euronews mit Deutsches Ärzteblatt, AP
Zuerst veröffentlicht am
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Besonders die Notwendigkeit, ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen zu müssen, kritisieren viele Ärzte in Deutschland. Doch Kanzler Friedrich Merz verteidigt die Reformpläne seiner Koalition.

Eine "absolute Katastrophe“ nennen die Vorsitzenden des Verbandes des Hausärztinnen und Hausärzte Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Blumenthal-Beier die Koalitionspläne zu den Krankschreibungen. "Ohne jegliche Evidenz nimmt die Koalition die komplette Überlastung unserer Praxen billigend in Kauf."

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Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, sehen die Hausärzte eine Bürokratiewelle auf sie zurollen, die sie kaum bewältigen könnten, wenn die telefonische Krankschreibung abgeschafft und die verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag eingeführt werde. Bisher ist die AU ab dem vierten Tag vorgeschrieben.

"Dass dadurch Krankheitstage reduziert werden, ist eine Illusion", meinen Buhlinger-Göpfahrth und Blumenthal-Beier.

Viele rechnen damit, dass die Beschäftigten, wenn sie ohnehin zum Arzt gehen müssen, sich dann statt vielleicht einem für mindestens drei Tage krankschreiben lassen.

Überflutete Praxen und Rücknahme der Entbürokratisierung

Zur Abschaffung der telefonischen AU sagt Blumenthal-Beier: "Zig Statistiken und Untersuchungen der Krankenkassen zeigen eindeutig, dass die Telefon-AU nicht zu mehr Krankschreibungen geführt hat."

Einer der ganz wenigen sinnvollen Entbürokratisierungsmaßnahmen im Gesundheitswesen werde "mit einem Schlag den Garaus“ gemacht, kritisiert Blumenthal-Beier. "Unsere Praxen würden in Folge überflutet mit Patientinnen und Patienten, die keine Versorgung vor Ort benötigen und die besser im Bett aufgehoben wären."

Der seit der Corona-Pandemie deutschlandweit bekannte Pneumologe Cihan Celik aus Darmstadt sagt zur geplanten Gesundheitsreform: "Die Koalition hat sich Gedanken über den hohen Krankenstand im Land gemacht und präsentiert die denkbar schlechteste Lösung: eine, die alle Seiten belastet (Patienten, Praxen, Kollegen), ohne nur ein Problem zu lösen."

Merz: "Beschäftigte können mit Arbeitgebern andere Regelungen vereinbaren"

Der Kanzler verweist im Interview mit Maybrit Illner darauf, dass in Bezug auf die Krankschreibungen in Zukunft dieselbe Regelung gelten solle, wie es sie vor der Corona-Pandemie gab. Damals habe es auch "keinen Aufschrei" gegeben. Seit der Neuregelung nach Covid seien die Krankschreibungen laut Merz "deutlich angestiegen".

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag hatte der Regierungschef von einer "harten Entscheidung" gesprochen - denn offenbar hatte Merz schon mit Kritik gerechnet.

Zudem sagte der Kanzler im ZDF: "Beschäftigte können mit ihren Arbeitgebern andere Regelungen vereinbaren."

Die neue Rolle der Hausärzte

Angesichts der alternden Gesellschaft in Deutschland rechnen viele damit, dass es bald nicht mehr genug Hausärzte geben könne. Schon jetzt ist es nicht nur in ländlichen Regionen oft schwierig, einen Hausarzt zu finden.

Dabei ist in den Reformplänen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das sogenannte Primärarztsystem vorgesehen, das den Hausärzten eine besondere Rolle zuweist. Sie sollen nämlich - wie beispielsweise in Frankreich üblich - alle Facharztbesuche koordinieren. Kritischen Stimmen zufolge könnten die Allgemeinmediziner durch die Krankschreibungen aber zum Nadelöhr werden, das von den Patienten kaum noch zu durchqueren ist.

Laut einer Ende Mai 2026 veröffentlichten Umfrage für den Hausärzteverband befürchteten 77 Prozent der Befragten in Deutschland negative Auswirkungen der geplanten Sparmaßnahmen auf die hausärztliche Versorgung.

Knapp 60 Prozent der Befragten hatten Angst davor, dass die Mediziner weniger Zeit für ihre Patienten haben werden. Ebenfalls rund 60 Prozent rechneten schon vor den neuen Reformplänen in Zukunft mit längeren Wartezeiten.

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