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Lagarde exklusiv zu Euronews: "Ich trete nicht an" – Spekulationen in Frankreich wachsen

EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Euronews-Interview am 9. Juli 2026.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Euronews-Interview am 9. Juli 2026. Copyright  Euronews
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Von Sophie Claudet & Maria Tadeo
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Lagarde sagte Euronews im Exklusivinterview, sie werde nicht als Präsidentschafts-Kandidatin antreten und werde weiter für europäische Werte kämpfen. In Brüssel und Paris brodelt die Spekulation, sie könne die EZB vorzeitig verlassen, um im Wahlkampf mitzuwirken.

"Ich kandidiere für kein Amt, aber mir ist sehr wichtig, dass Europa geschützt ist, dass Europa der Rahmen bleibt, in dem die Mitgliedstaaten handeln, auch Frankreich“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die Französin ist, im Exklusivgespräch mit Euronews.

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Lagarde sagte, sie verfolge die Kampagne mit Blick auf die für April 2027 angesetzte Wahl genau. Sie hoffe, „dass sich die Vernunft durchsetzt und dass Frankreich – unabhängig davon, wer künftig an der Staatsspitze steht – seine Rolle als zentrales Mitglied Europas anerkennt“.

Europa sei „die einzige Bühne, auf der Mitgliedstaaten, Nationen und eben auch Frankreich tatsächlich eine bedeutende Rolle spielen können“, sagte sie in der Sendung The Europe Conversation.

Ihre Äußerungen kommen nach neuen Entwicklungen im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Am Dienstag hatte die Vorsitzende des Rassemblement National, Marine Le Pen, erklärt, sie wolle 2027 für das Präsidentenamt kandidieren, obwohl das Berufungsgericht in Paris eine Verurteilung wegen Veruntreuung von EU-Geldern im Zusammenhang mit Beschäftigungen im Europäischen Parlament bestätigt hatte.

Trotz der Verurteilung darf sie antreten, muss aber eine elektronische Fußfessel tragen. Le Pen kritisiert seit Langem die europäischen Institutionen und ihre supranationalen Befugnisse und wirbt für eine Rückkehr zu einem „Europa der Nationen“.

Ihre Partei gehört im Europäischen Parlament in Brüssel zur Rechtsaußen-Gruppe Patriots for Europe, die vom früheren ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gegründet wurde.

Am anderen Ende des politischen Spektrums hat auch Jean-Luc Mélenchon, Chef der Linksaußen-Bewegung La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich), seine Kandidatur angekündigt.

Eine Stichwahl zwischen Mélenchon und Le Pen gilt für die Präsidentschaftswahl 2027 als durchaus realistisches Szenario. Die Wähler stünden dann vor der Entscheidung zwischen zwei Parteien, die außerhalb des pro-europäischen Konsenses stehen. Beide erklärten, der Status quo habe versagt.

Als amtierende EZB-Präsidentin muss Lagarde politisch neutral bleiben. Auf die Frage, ob ein solches Szenario eine „existenzielle“ Bedrohung für Frankreich und, darüber hinaus, für die politische und wirtschaftliche Stabilität Europas darstellen könnte, sagte sie, sie hoffe, „dass der demokratische Prozess weitergeht“, und fügte hinzu: „In der Politik sind die nächsten acht Monate eine Ewigkeit.“

Unter den bisherigen Bewerbern gelten proeuropäische Zentristen wie Édouard Philippe und Gabriel Attal als wichtigste Gegengewichte zu Le Pen, liegen in Umfragen aber zurück.

Bevor sie an die Spitze der EZB und zuvor des Internationalen Währungsfonds rückte, leitete Lagarde das französische Finanzministerium unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Sie war die erste Frau an der Spitze einer G7-Volkswirtschaft und führte Frankreich durch die Finanzkrise 2008.

Lagarde hatte französischen Medien vergangene Woche gesagt, bei dieser Schicksalswahl müsse eine starke europäische Stimme hörbar sein. Auf Nachfrage schloss sie nicht aus, die EZB schon vor Oktober 2027 zu verlassen, wenn ihre Amtszeit regulär endet. Die heiße Phase des Wahlkampfs beginnt Anfang des kommenden Jahres.

In Brüssel beobachten viele Lagardes weitere Schritte genau. Ihre Ernennung war Teil eines Paketdeals, der auch Ursula von der Leyen an die Spitze der Europäischen Kommission brachte. Die Absprache sollte das Machtgleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland sichern.

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