Die polnische Spionageabwehr hat einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums festgenommen. Er soll über Monate hinweg für russische und belarussische Geheimdienste tätig gewesen sein.
Gegenspionagebehörden haben im polnischen Verteidigungsministerium einen Beamten festgenommen. Er steht im Verdacht, für russische Geheimdienste spioniert zu haben.
Die Ermittlungen liefen bereits seit mehreren Monaten. Der Einsatz fand gegen 8 Uhr morgens in der Niepodległości-Allee in Warschau statt. Beamte des Militärischen Abschirmdienstes (SKW), unterstützt von der Militärpolizei, führten den Mann aus dem Ministeriumsgebäude ab.
Wie das Nachrichtenportal Onet berichtet, handelt es sich um einen langjährigen Mitarbeiter der Abteilung für Verteidigungsstrategie und -planung, der seit mehr als drei Jahrzehnten im Ministerium tätig war.
Vorwurf der Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten
Der Festgenommene steht im Verdacht, mit ausländischen Geheimdiensten kooperiert und für die Russische Föderation tätig gewesen zu sein.
Staatsanwaltschaft und Militärischer Abschirmdienst bestätigten offiziell die Durchführung strafprozessualer Maßnahmen. Der Mann wird derzeit von der achten Abteilung für militärische Angelegenheiten der Bezirksstaatsanwaltschaft in Warschau vernommen.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurde der Fall über längere Zeit beobachtet. Die vom Militärischen Abschirmdienst gesammelten Beweise sollen eine "solide Grundlage" für die Erhebung von Anklagepunkten bilden.
Der Verdächtige soll direkte Kontakte zu Personen unterhalten haben, die als Vertreter östlicher - also russischer und belarussischer - Geheimdienste identifiziert wurden.
Details zu dem gesammelten Beweismaterial haben die polnischen Behörden bislang nicht veröffentlicht.
Bedeutung für die Sicherheit Polens und der NATO
Vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine und der zunehmenden Aktivität russischer Geheimdienste in Europa kommt dem Fall besondere sicherheitspolitische Bedeutung zu.
Russland äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
Auch die russische Botschaft in Warschau reagierte nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Für Polen, ein zentrales NATO-Mitglied an der Ostflanke des Bündnisses, könnten derartige Vorfälle ein erhöhtes Risiko für die operative und strategische Sicherheit darstellen – insbesondere mit Blick auf laufende Rüstungsinvestitionen, unter anderem über das SAFE-Instrument.
Die Behörden kündigten an, die Ermittlungen fortzusetzen. Weitere Festnahmen oder formelle Anklagen in den kommenden Wochen werden nicht ausgeschlossen.