Von fünf Wochen bis gar kein Urlaub: Europas Regierungschefs verbringen den Sommer sehr unterschiedlich. Besonders Spaniens Premier Pedro Sánchez sticht heraus.
Pedro Sánchez nimmt zwischen dem 28. Juli und dem 31. August Urlaub – so lange wie noch nie seit seinem Amtsantritt. Der spanische Regierungschef bleibt ofiziellen Terminen insgesamt fünf Wochen fern. Damit liegt er deutlich über der üblichen Auszeit der meisten europäischen Regierungschefs, wie ein Vergleich der Ferienzeiten des Portals „El Confidencial“ zeigt.
In dieser Zeit teilt Sánchez seinen Urlaub zwischen den offiziellen Residenzen Las Marismillas im Umfeld des Nationalparks Doñana in der Provinz Huelva und La Mareta auf Lanzarote auf.
Die Sommerpause fällt in eine Phase politischen Drucks auf die Regierung von Pedro Sánchez. Das Kabinett sieht sich einem Umfeld ausgesetzt, das von mehreren laufenden Ermittlungen gegen seine Ehefrau Begoña Gómez und seinen Bruder David Sánchez geprägt ist – sowie von verschiedenen Verfahren zu mutmaßlicher Korruption im Umfeld der seiner Partei PSOE.
Insgesamt laufen neun Ermittlungsverfahren, die für das Umfeld des Regierungschefs eine bislang beispiellose Situation schaffen.
Sánchez hat europaweit die meisten Urlaubstage
Der Abstand zu anderen europäischen Staats- und Regierungschefs ist groß. Nach der Auswertung von „El Confidencial“ gönnt sich der spanische Regierungschef fünf Wochen Auszeit. Die meisten seiner Kollegen beschränken ihren Urlaub dagegen auf rund 15 Tage.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron plant zwei bis drei Wochen Urlaub. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni und der deutsche Kanzler Friedrich Merz ziehen sich höchstens für eine bis zwei Wochen aus dem politischen Alltag zurück.
Nicht nur die Länge, auch die Art des Urlaubs unterscheidet sich. Macron nutzt die offizielle Präsidentenresidenz für seine Sommerpause. Meloni und Merz entscheiden sich dagegen für private Unterkünfte.
Die italienische Regierungschefin verbringt die freien Tage mit ihrer Familie, ohne auf staatliche Residenzen oder andere öffentliche Ressourcen zurückzugreifen. Bundeskanzler pendelt demnach zwischen seiner Wohnung und seinem Feriendomizil in Bayern.
Am ehesten kommt Sánchez beim Ferienumfang auf die nordischen Regierungschefs. Der Schwede Ulf Kristersson und der Finne Petteri Orpo planen drei bis vier Wochen Urlaub. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen nimmt sich rund drei Wochen frei.
Die mit der kürzesten Auszeit
Zu den Staats- und Regierungschefs mit der geringsten Auszeit gehört Portugals Premier Luís Montenegro. Er will nur eine Woche Urlaub an der Algarve verbringen. Der Grieche Kyriakos Mitsotakis kürzt seine Ferien ebenfalls auf wenige Tage in seiner Familienresidenz auf der Insel Kreta.
Einige Regierungschefs verzichten in diesem Sommer ganz auf Urlaub. Dazu zählt der britische Keir Starmer, der mitten in der politischen Übergangsphase steckt, nachdem er seinen Rücktritt angekündigt hat. Auch die Regierungschefs von Rumänien, Zypern, Litauen, Slowenien, Bulgarien und Lettland bleiben im Amt, entweder wegen politischer Instabilität oder weil sie erst vor Kurzem das Regierungschefsamt übernommen haben.