Mindestens ein Viertel des Gerichts ist eingestürzt. Eine der drei Reinigungskräfte, die sich im Gebäude befanden, wurde leicht verletzt.
Im zentralen Bereich des Gerichtsgebäudes in Bozen ist am frühen Donnerstagmorgen ein Teil eingestürzt. Dabei wurde eine Reinigungskraft verletzt.
Der Einsturz betraf den zentralen Teil des Gebäudes. Er riss Flure, Gerichtssäle und Büros des Justizpalastes mit sich, von der obersten Etage bis hinunter zum Erdgeschoss. Mindestens ein Viertel des Gebäudes ist zerstört: In Trümmern liegen der Schwurgerichtssaal, zwei Säle im dritten Stock für Zivilverhandlungen und der Verbindungsgang zwischen Staatsanwaltschaft und Gericht.
Nach einer ersten Einschätzung gaben tragende Säulen in dem Bereich nach, in dem gerade saniert und erweitert wird. Das Gebäude stammt aus der Zeit des faschistischen Regimes.
Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich drei Reinigungskräfte im Gebäude. Eine von ihnen erlitt leichte Verletzungen, konnte das Gerichtsgebäude aber eigenständig verlassen.
„Zum Zeitpunkt des Einsturzes waren im Justizpalast nur drei Menschen, drei Reinigungskräfte. Nur eine wurde leicht verletzt. Wir können von einem Wunder sprechen, es hätte eine Tragödie werden können“, sagte die Präsidentin des Gerichts von Bozen, Francesca Bortolotti.
Beim Einsturz kamen keine Menschen ums Leben.
Feuerwehrmann: „Ich dachte an einen Anschlag“
Zur Unglücksstelle rückten Feuerwehr und Carabinieri aus.
„Als wir eintrafen, sahen wir, dass der gesamte zentrale Teil des Gerichtsgebäudes eingestürzt war. Ich habe zunächst an einen Anschlag gedacht. Nach den ersten Kontrollen war klar, dass es sich um einen Einsturz handelte“, berichtete Christian Auer, Leitender Brandinspektor des ständigen Feuerwehrkorps von Bozen.
Die Rettungskräfte haben das Gebiet gesichert und führen technische Kontrollen durch, um die Stabilität der betroffenen Gebäudeteile zu überprüfen.
Der Staatsanwalt Axel Bisignano erklärte: „Der gesamte zentrale Bereich des Gerichts ist komplett unbenutzbar. Es ist noch zu früh, um die Ursachen zu benennen. Jetzt geht es darum, den Dienst so schnell wie möglich wiederherzustellen und die Arbeitskräfte neu zu verteilen.“
Landeshauptmann: „Wir hatten Glück im Unglück“
Das Gebäude gehört seit 2018 der Autonomen Provinz Bozen. Für den Bau gibt es einen mehrjährigen Sanierungsplan, die Arbeiten liefen bereits.
„In welchem Ausmaß diese Maßnahmen mit dem Ereignis von heute zusammenhängen, muss sorgfältig geprüft werden. Das ist noch nicht abschließend geklärt“, sagte der Präsident der autonomen Provinz Bozen, Arno Kompatscher.
„Wir können nur feststellen, dass wir am Ende großes Glück im Unglück hatten“, so Kompatscher weiter.
„Es ist kaum auszudenken, was hätte passieren können, wenn dieser teilweise Einsturz zu einem anderen Zeitpunkt erfolgt wäre. Wir sind alle erleichtert, dass es keine Schwerverletzten und keine Todesopfer gibt. Das ist im Moment der wichtigste Punkt. Alles andere lässt sich wieder in Ordnung bringen.“