Wer nervenaufreibende, schnelle Fußballspiele schaut, braucht Konzentration. Das gilt auch online: Rund um die WM kursieren immer mehr Fälschungen von Fotos und Videos.
Die Weltmeisterschaft hat offiziell begonnen – und mit ihr eine Welle von KI-generierten Falschinformationen. Sie reicht von erfundenen Fans auf den Tribünen über fingierte politische Auftritte bis hin zu falschen Zitaten, die Spielerinnen und Spielern zugeschrieben werden.
Ein besonders verbreitetes Bild erzielte in einem Beitrag auf X mehr als drei Millionen Aufrufe. Es zeigt einen Fußballfan, der Adolf Hitler ähnelt und angeblich am 14. Juni beim Spiel Deutschland gegen Curaçao im Stadion war.
Das Foto verbreitete sich auch auf Facebook, Instagram, Threads und Reddit. Nutzer posteten es auf Englisch, Spanisch und Russisch, manche Beiträge erreichten Tausende Aufrufe.
In Wirklichkeit ist das Bild digital manipuliert. Eine Auswertung des Originalmaterials, das die ARD veröffentlicht hat, zeigt: Der echte Fan sieht dem Mann auf dem Foto überhaupt nicht ähnlich.
Eine Prüfung mit dem Bild-Analysetool von OpenAI ergab zudem ein SynthID-Wasserzeichen. Es bestätigt, dass die Aufnahme „von OpenAI stammt“ und damit mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt oder verändert wurde.
Ein weiteres Bild zeigt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu angeblich auf der Tribüne beim Spiel Argentinien gegen Österreich am 22. Juni.
Glaubhafte Hinweise darauf, dass Netanjahu tatsächlich vor Ort war, gibt es jedoch nicht. Auch dieses Foto weist Merkmale dafür auf, dass es per KI erzeugt oder bearbeitet wurde.
Fußballprofis im Visier falscher Bildunterschriften
Ein anderer Beitrag auf X mit rund drei Millionen Aufrufen behauptete, der schwedische Fußballer Lucas Bergvall habe Journalisten gesagt, alle Frauen, die in ihn verliebt seien, sollten „aufhören, für Masseneinwanderung zu stimmen“.
Der Clip stammt jedoch gar nicht von der Weltmeisterschaft. Die Aufnahmen lassen sich auf den März zurückverfolgen, als der schwedische Sportsender Viaplay sie bei TikTok hochlud.
In dem Interview sagt Bergvall tatsächlich nichts über Migration.
Stattdessen beantwortete er Fragen vor dem mit Spannung erwarteten WM-Qualifikationsspiel Schwedens gegen Polen, das Schweden mit drei zu zwei gewann.
„Wie du sagst, es ist schön, im letzten Spiel dabei sein zu können“, antwortete Bergvall damals auf die Frage nach seiner Rolle. „Gegen Polen entscheidet der Trainer, wer spielt. Aber ich bin bereit – egal, ob ich in der Startelf stehe oder gar nicht zum Einsatz komme. Es fühlt sich gut an.“
Keir Starmer im Kroatien-Trikot?
Seit Beginn der Weltmeisterschaft kursiert ein weiteres falsches Bild in sozialen Netzwerken. Es zeigt den scheidenden britischen Premierminister Keir Starmer im Trikot Kroatiens neben der früheren stellvertretenden Premierministerin Angela Rayner.
Tatsächlich ist auch dieses Foto bearbeitet.
Eine Rückwärtssuche im Netz führte zu dem Originalfoto. Angela Rayner hatte es im Juni 2024 auf X veröffentlicht, später griffen Medien wie die Zeitung The Telegraph das Bild auf.
Auf der ursprünglichen Aufnahme, die rund um die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland entstand, trägt Starmer ein weißes T‑Shirt, Rayner ein England-Trikot.
Mit KI manipulierte Bilder des iranischen Teams
In sozialen Medien ging ein Bild viral, das angeblich ein Mitglied des iranischen WM-Kaders zeigt. Der Spieler hält einen rosa Rucksack in die Höhe. Nutzer präsentierten das Foto als Geste für die Schulkinder, die bei einem tödlichen Angriff auf die iranische Stadt Minab am 28. Februar ums Leben kamen.
Eine Version des Bildes erzielte auf X mehr als zwei Millionen Aufrufe. In der Bildunterschrift heißt es, der Spieler erweise „den 168 von Donald Trump ermordeten Schulmädchen“ die Ehre.
Das Motiv verbreitete sich zudem weiter auf X und Bluesky, weitere Beiträge erreichten jeweils Tausende Aufrufe.
Tatsächlich brachten iranische Fußballer im März beim Testspiel gegen Nigeria in der Türkei Kinder‑Rucksäcke mit auf den Platz.
Dieses konkrete Bild ist jedoch eine Fälschung. Das lässt sich nachprüfen: Der abgebildete Spieler gehört nicht zum iranischen Kader, außerdem stimmt seine Spielkleidung nicht mit dem offiziellen WM-Trikot der iranischen Mannschaft überein.
Auch das Stadion unterscheidet sich von der Arena in Los Angeles, in der die Partie ausgetragen wurde. Das Prüfwerkzeug von OpenAI stellte zudem fest, dass das Bild ein SynthID enthält.
Weder die USA noch Israel haben die Verantwortung für den Angriff übernommen, US‑Präsident Donald Trump deutete zunächst an, Iran trage die Schuld.
Recherchen der New York Times und der Investigativplattform Bellingcat ergaben Hinweise darauf, dass bei dem Angriff ein US‑Marschflugkörper vom Typ Tomahawk eingesetzt wurde.
Trump erklärte am Mittwoch, möglicherweise werde nie geklärt, wer für den Angriff verantwortlich sei. Das Pentagon leitete eine interne Untersuchung innerhalb des US‑Militärs ein, deren Ergebnisse bislang nicht veröffentlicht wurden.