In einem Video auf Social Media kündigen angebliche Hisbollah-Kämpfer Anschläge in Frankreich an. Doch das Video ist offensichtlich Fake; Forschende sehen die Handschrift der Desinformationskampagne einer bekannten Gruppe aus Russland.
Storm-1516 ist eine mit Russland verbundene Kampagne, die regelmäßig erfundene Behauptungen über Europa und den Westen verbreitet. Sie tritt in ganz unterschiedlichen Formen auf.
Jetzt könnte die Gruppe nach Angaben von Forschenden hinter einem Video in sozialen Netzwerken stehen, in dem mit Anschlägen in Frankreich gedroht wird. Mutmaßliche Kämpfer der vom Iran unterstützten libanesischen Miliz Hisbollah kündigen darin Anschläge auf französischem Staatsgebiet an - kurz vor den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli 2026.
In dem Video posieren drei vermummte Männer in Militäruniform vor einer Puppe eines Soldaten der Französischen Fremdenlegion. Sein Gesicht ist in den Farben der französischen Flagge bemalt.
Die Männer warnen vor einem "Blutvergießen" am 14. Juli, falls Frankreich weiter Waffen an das "zionistische Regime“ liefert. Die Formulierung zielt offensichtlich auf Israel.
Am Ende des Clips trennt einer der Männer der Puppe mit einem Messer den Kopf ab.
Was über das Video bekannt ist
Das Video kursierte zunächst auf Telegram, bevor es auf X und Facebook geteilt wurde. Allein über X-Posts kam der Clip auf fast eine Million Aufrufe.
In dem von The Cube, dem Faktencheck-Team von Euronews, analysierten Material nennen die Männer keine Organisation, zu der sie gehören. Auf dem Ärmel ihrer Uniform ist jedoch ein Abzeichen zu sehen, das dem der Hisbollah ähnelt. Deren bewaffneter Arm wird von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft.
Auch Beiträge in sozialen Medien bezeichnen die Männer als Hisbollah-Kämpfer.
Zugleich gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass das Video gestellt ist. So fehlt etwa das Logo der Gruppe, das üblicherweise in von ihr verbreiteten Inhalten zu sehen ist.
Kolleginnen und Kollegen der arabischsprachigen Euronews-Redaktion erklären, der Sprecher klinge nach einem arabischen Dialekt aus der Levante, nicht nach libanesischem Arabisch. Außerdem mache der Sprecher mehrere Grammatikfehler. Auch das deutet darauf hin, dass das Video nicht von der Hisbollah stammt.
Faktenchecker der Nachrichtenagentur AFP berichten, dass der Clip über eine Reihe von Posts verbreitet wurde, die gleichzeitig von einem Netzwerk mehrerer Accounts veröffentlicht wurden, das regelmäßig prorussische Narrative verbreitet.
Zu diesem Netzwerk gehören Konten, die der Allianz der Sahelstaaten wohlgesonnen sind. Dem Staatenbund gehören Mali, Niger und Burkina Faso an, er unterhält Verbindungen zum Iran und tritt offen antiwestlich auf.
Faktencheck-Teams berichten außerdem, dass das Video von anti-israelischen Accounts verbreitet und von Nutzerinnen und Nutzern aufgegriffen wurde, die regelmäßig Verschwörungstheorien weiterleiten.
Storm-1516: Die vielen Gesichter der Desinformationskampagne
Das Video weist Ähnlichkeiten zu anderen Inhalten auf, die mit der Desinformationskampagne Storm-1516 verbunden sind, sowie zu Falschmeldungen, die sich gegen die Ukraine und westliche Staaten richten.
Das Netzwerk produziert sehr unterschiedliche Inhalte. Die Gruppe gibt sich als europäische Journalistinnen, Journalisten und Medien aus, bezahlt Schauspieler, die als falsche Whistleblower auftreten, und setzt zunehmend KI-generierte Inhalte ein.
Forschende verweisen auf Parallelen zwischen dem jüngsten Fake-Clip über die Hisbollah und anderem Russland-nahem Material. Dazu gehört ein Video, das vom Projekt Gnida, einer anonymen Forschungsgruppe zu russischen Einflussoperationen, bereits im Januar 2025 markiert wurde.
In dem betreffenden Video behaupten Personen, zur islamistischen Gruppe HTS zu gehören, die früher von Syriens heutigem Präsidenten Ahmed al-Sharaa geleitet wurde. Sie drohen, die Pariser Kathedrale Notre-Dame niederzubrennen, falls die französischen Behörden Brahim Aouissaoui freilassen. Aouissaoui, ein tunesischer Staatsbürger, tötete 2020 bei einem Anschlag in Nizza drei Menschen.
Ein weiteres Beispiel ist ein Video, in dem angeblich die islamistische Hamas Anschläge in Frankreich vor den Olympischen Spielen in Paris 2024 androht. Das Threat Analysis Center von Microsoft untersuchte den Clip und kam zu dem Schluss, dass er mit den bekannten Taktiken von Storm-1516 übereinstimmt. Die Hamas bestreitet, das Video produziert zu haben.