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Ungarns Hausarztversorgung in der Krise: Zahl unbesetzter Praxen steigt seit 2010

Ungarn: Zahl der Haus- und Kinderärzte 2000–2025
Zahl der Hausärzte und niedergelassenen Kinderärzte in Ungarn (2000–2025) Copyright  MTI/területdiagram
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Von Horváth Ferenc
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Seit 2010 ist die Zahl der Hausärzte in Ungarn um 15 Prozent gesunken. Viele Praxen bleiben jahrelang unbesetzt, manche sogar seit Jahrzehnten.

Nach Daten des ungarischen Statistikamtes KSH nimmt die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte in Ungarn seit 2010 kontinuierlich ab. Hauptgrund sind die Alterung der Ärzteschaft und der fehlende Nachwuchs für jene Ärztinnen und Ärzte, die in den Ruhestand gehen. Bis 2024 sank die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte im Vergleich zu 2010 um 15 Prozent.

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Die schrumpfende Bevölkerung Ungarns gleicht diese Entwicklung nur teilweise aus. Die Einwohnerzahl ging im selben Zeitraum um fünf Prozent zurück. Gleichzeitig belastet die alternde Bevölkerung die hausärztliche Versorgung stärker. Das Durchschnittsalter stieg um 2,8 Jahre. Dadurch hat sich das Patientenaufkommen pro Hausarzt innerhalb von 14 Jahren um 20 Prozent erhöht. 2024 musste eine Hausärztin oder ein Hausarzt im Schnitt fast 14.000 Menschen pro Jahr versorgen.

Selbst bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden in der Sprechstunde bleiben rechnerisch nur etwa 7,5 Minuten pro Patientin oder Patient. Das bedeutet eine außergewöhnlich hohe Belastung. In der Realität ist die Lage noch schwieriger: Fahrten zwischen Gemeinden und umfangreiche Verwaltungsaufgaben kosten zusätzliche Zeit. Die genannten Minuten pro Patient lassen sich oft nur durch Überstunden erreichen.

Zahl der Hausärzte und jährliches Patientenaufkommen je Hausarzt, 2010 und 2024
Zahl der Hausärzte und jährliches Patientenaufkommen je Hausarzt, 2010 und 2024 forrás: KSH

701 Gemeinden ohne besetzte Hausarztpraxis

Die Finanzierung der Hausärzte hat mit dem steigenden Bedarf nicht Schritt gehalten. Zwar profitierten auch sie von den Gehaltserhöhungen für Ärztinnen und Ärzte nach der Pandemie. Um die volle Erhöhung zu erhalten, mussten sie jedoch eine sogenannte Praxisközösség, also eine Praxisgemeinschaft, gründen. Das war vielerorts kaum machbar und brachte zusätzliche Belastungen mit sich.

Der Bericht zeigt, dass der Rückgang nicht überall gleich stark ausfällt. Manche Regionen Ungarns sind deutlich stärker vom Hausärztemangel betroffen als andere. Derzeit sind mehr als 762 Hausarztpraxen unbesetzt. Fast 15 Prozent aller Praxen werden nur über Vertretungen abgedeckt. Besonders kritisch ist die Lage in der Kinderversorgung: In 17,5 Prozent der Kinderarztpraxen arbeitet keine hauptberufliche Ärztin oder kein hauptberuflicher Arzt.

Zahl der unbesetzten Praxen nach Dauer der Vakanz
Zahl der unbesetzten Praxen nach Dauer der Vakanz GKI számítás

In kleineren Gemeinden teilen sich oft mehrere Dörfer eine Praxis. Insgesamt gibt es daher in 701 Orten keine dauerhaft besetzte Arztpraxis, sondern nur Vertretungslösungen.

Entscheidend ist auch, wie lange die Stellen bereits vakant sind. In Ungarn sind 90 Prozent der unbesetzten Praxen seit mehr als einem Jahr ohne Hausarzt, 74 Prozent seit mehr als zwei Jahren. 37 Prozent stehen seit mehr als fünf Jahren leer, 15 Prozent seit mehr als zehn Jahren und drei Prozent bereits seit über 20 Jahren.

Mehr als 800 Gemeinden ohne besetzte Kinderarztpraxis

Bei den Kinderärztinnen und Kinderärzten sind die Probleme noch gravierender. Darauf weist eine aktuelle Auswertung der im Juli 2026 veröffentlichten Daten der Országos Kórházi Főigazgatóság hin, der Nationalen Generaldirektion für Krankenhäuser. In mehr als 800 Gemeinden ist keine Kinderarztpraxis besetzt. Das betrifft praktisch das ganze Land. Die Lage wirkt noch angespannter, weil viele kinderärztliche Sprechstunden tatsächlich von gewöhnlichen Hausärztinnen und Hausärzten übernommen werden. Sie führen Mischpraxen und behandeln neben Erwachsenen auch Kinder.

Unbesetzte kinderärztliche Praxen in Ungarn, Juli 2026
Unbesetzte kinderärztliche Praxen in Ungarn, Juli 2026 Forrás: OKFŐ

Immer mehr Patienten brauchen bessere Grundversorgung

Zusammengefasst zeigen die Zahlen: Es gibt immer weniger Hausärztinnen und Hausärzte, während ihre Belastung gleichzeitig steigt. Eine kleiner werdende Gruppe muss eine wachsende Zahl von Patientinnen und Patienten betreuen. Vertretungstätigkeiten werden zudem finanziell kaum ausgeglichen. Auch der Druck, sich zu Praxisközösségen zusammenzuschließen, bringt nicht überall Verbesserungen. Oft lassen die lokalen Gegebenheiten diesen Weg gar nicht zu.

Die bisherigen Maßnahmen lösen das Strukturproblem nicht: Immer mehr Menschen bräuchten eine immer bessere hausärztliche Grundversorgung. Weil die Hausärzteschaft stark überaltert ist, sind die Perspektiven entsprechend düster.

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