Die EU verschärft ihr Vorgehen gegen chinesische Online-Plattformen - jetzt auch gegen AliExpress. Strenge Kontrollen und höhere Abgaben treffen Importe von Fast-Fashion-Anbietern wie Temu und Shein.
Die EU-Kommission hat AliExpress am Montag zu einer Geldstrafe von 550 Millionen Euro verurteilt. Denn die Plattform bewertet und begrenzt die Plattform Risiken im Zusammenhang mit dem Verkauf illegaler, unsicherer und gefälschter Produkte nicht ausreichend.
Kurz zuvor hatte die EU eine Pauschalabgabe von drei Euro auf Pakete mit einem Wert von weniger als 150 Euro eingeführt, die bislang zollfrei in die Union gelangten. Der Schritt dürfte die Geschäftsmodelle der chinesischen Onlinehändler AliExpress, Shein und Temu deutlich verändern.
Die Geldstrafe gegen AliExpress ist der jüngste Schritt in einem Verfahren, das 2024 wegen eines möglichen Verstoßes gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) begonnen hat. Nach Ansicht der Kommission hat AliExpress kein wirksames System geschaffen, um illegale Produkte zu erkennen und zu entfernen. Zugleich unterschätzt das Unternehmen laut EU die Lücke zwischen der Zahl der verfügbaren menschlichen Kontrolleure und dem Umfang ihrer Aufgaben.
Die Prüfroutinen zur Produktsicherheit auf der Plattform gelten zudem als anfällig für Missbrauch. Laut Kommission stufen unseriöse Händler Waren falsch ein, um von weniger strengen Vorgaben zu profitieren.
Gefährliches Spielzeug und nicht geprüfte Kosmetikprodukte
Nach Erkenntnissen der Kommission zirkulieren weiterhin große Mengen illegaler Produkte über AliExpress, darunter unsichere Spielwaren und gefährliche Kosmetika. Trotz Moderationsbemühungen bleiben manche Angebote noch wochenlang online, obwohl sie gemeldet wurden.
Die Kommission stellte außerdem fest, dass AliExpress seine Sanktionsregeln nicht konsequent anwendet. Händler, die illegale Produkte verkaufen, können ihre Shops demnach auch nach Strafen weiter auf der Plattform betreiben.
Auch das Markenautorisierungssystem des Unternehmens, das den Verkauf von Fälschungen verhindern soll, sieht die Kommission als wirkungslos und nicht ausreichend belastbar. Verkäufer können Schutzmechanismen umgehen und gefälschte Waren anbieten.
EU-Kommission gibt AliExpress Zeit bis zum 20. Oktober
AliExpress hat nun bis zum 20. Oktober 2026 Zeit, einen Maßnahmenplan vorzulegen. Darin muss das Unternehmen darlegen, wie es die Bedenken der Kommission ausräumt. Die EU-Kommission will dann innerhalb von zwei Monaten nach Eingang des Plans entscheiden, ob weitere Schritte nötig sind.
Auf Anfrage von Euronews erklärte AliExpress, man habe erheblich in Risikobewertung und -begrenzung, Produktsicherheit und Verbraucherschutz investiert.
"Wir sind mit der heutigen Entscheidung und der unverhältnismäßigen Geldstrafe nicht einverstanden. Sie spiegelt weder unser etabliertes Regelwerk noch die erheblichen, proaktiven Verbesserungen angemessen wider, die wir umgesetzt haben“, teilte das Unternehmen mit. "Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig und erwägen alle verfügbaren Optionen.“