In einem X-Beitrag vom 21. Juli warf Kreml-Gesandter Kirill dem früheren britischen Premier Boris Johnson vor, er habe Friedensbemühungen zwischen Russland und der Ukraine gegen Geld sabotiert. Belege stützen das jedoch nicht.
Ein russischer Regierungsvertreter hat eine irreführende Erzählung über das Scheitern der frühen Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine neu aufgewärmt. Er behauptet, der frühere britische Premierminister Boris Johnson habe einen Entwurf für ein Abkommen nach einer Spende in Höhe von einer Million Pfund (1,17 Millionen Euro) eines Militärdrohnen-Herstellers torpediert.
Der Gesandte des Kreml, Kirill Dimitriev, verbreitete am 21. Juli einen Beitrag auf X. Darin behauptete er, Johnson habe die gescheiterten Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine „sabotiert“ – offenbar eine Anspielung auf die im März 2022 in Istanbul abgebrochenen Verhandlungen.
„Nur eine freundliche Erinnerung: Boris Johnson hat das unterschriftsreife Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine sabotiert, nachdem er eine Spende über eine Million Pfund von einem Militärdrohnen-Hersteller erhalten hatte“, schrieb er auf X.
Dimitriev veröffentlichte seine Aussage als Reaktion auf einen Beitrag von Johnson. Darin wirft Johnson dem neuen britischen Außenminister Ed Miliband vor, mit früheren außenpolitischen Entscheidungen in seiner Zeit als Vorsitzender der Mitte-links-Partei Labour den Weg für Russlands Großangriff auf die Ukraine geebnet zu haben.
Bei dem sogenannten „Drohnenhersteller“, auf den sich Dimitriev vermutlich bezieht, handelt es sich um Christopher Harborne. Der britische Geschäftsmann, politische Geldgeber und Investor hält Anteile an einem Unternehmen, das nach Medienberichten militärische Ausrüstung an die Ukraine liefert.
Im November 2022, zwei Monate nachdem Johnson sein Amt verlassen hatte, spendete Harborne dem ehemaligen Premierminister eine Million Pfund.
Aus durchgesickerten Unterlagen geht hervor, dass der Investor Johnson später bei einer Reise in die Ukraine begleitete und dabei im September 2023 Spitzenvertreter des Landes traf. Das berichtete ein Artikel von The Guardian vom 10. Oktober 2025.
Der Beitrag konzentrierte sich auf Transparenzfragen rund um Harbornes Spende von einer Million Pfund an Johnsons Büro und die gemeinsame Reise in die Ukraine. Eindeutige Schlussfolgerungen zog der Artikel jedoch nicht.
Am 12. Oktober 2025 veröffentlichte die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS dennoch einen Artikel mit der Überschrift „Boris Johnson könnte die Verlängerung des Konflikts in der Ukraine aus Geldgründen unterstützt haben“ und berief sich dabei auf einen Bericht von The Guardian.
Ein weiterer Beitrag des staatlichen russischen Senders Channel One vom 13. Oktober trug die Überschrift: „The Guardian behauptet, Boris Johnson habe Geld erhalten, um Gespräche zwischen Moskau und Kyjiw zu torpedieren.“
Der Beitrag machte Johnson zudem für das Scheitern der Friedensverhandlungen in Istanbul im Frühjahr 2022 verantwortlich. In Wirklichkeit erwähnte The Guardian diese gescheiterten Gespräche jedoch ebenso wenig wie das Wort „Bestechung“, beide kommen nur in dem Artikel von Channel One vor.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Behauptungen ausdrücklich zurückgewiesen, Johnson habe die Gespräche in Istanbul durch Druck auf ihn zum Abbruch bringen wollen. Er nannte diese Darstellung „unlogisch“.
„Es gab mehrere Vorstöße mit Ultimaten, und ich habe dem nie zugestimmt“, sagte Selenskyj in einem Interview mit The Guardian im Februar 2025. „Das passt nicht zu irgendeiner Logik, wovon genau hätte er [Johnson] uns denn abbringen sollen?“
Johnson selbst hat diese Behauptungen als „russische Propaganda“ zurückgewiesen. Er reiste mehrmals in die Ukraine, sowohl während seiner Amtszeit als Premierminister als auch danach.
Die Erzählung, der Westen wolle den Krieg in der Ukraine, verbreitet der Kreml seit Langem, um die Verantwortung für den eigenen Angriff abzuwälzen.