Nach Angaben der französischen Gerichtsmedizin gehören die in Orange gefundenen Leichenteile zu fünf Babys. Der Lebensgefährte der mutmaßlichen Mutter hatte die Leichen gefunden.
Die mutmaßlicheMutter der fünf toten Babys, die nach der Geburt eines weiteren Kindes in der französischen Stadt Orange gefunden wurden, lebt mit ihrem Partner in einer Wohnung im Zentrum. Die Frau ist am 29. Juli in Polizeigewahrsam genommen worden, das teilte die Staatsanwaltschaft in Carpentras der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Behörde hat das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Avignon übergegeben, die nun wegen Mordes an Minderjährigen unter 15 Jahren ermittelt.
Der Lebensgefährte der Frau hat die Leichen entdeckt, nachdem seine Lebensgefährtin ihre jüngste Schwangerschaft offenbar geleugnet hatte.
Der 32-jährige Mann sei „verstört, weil erneut erst sehr spät eine Schwangerschaft seiner Partnerin erkannt worden war; sie hatte [Sonntag] zu Hause entbunden, bevor sie ins Krankenhaus gebracht wurde“.
In seiner Wohnung machte er sich auf die Suche und fand in versteckten Kisten menschliche Überreste. Der Mann informierte daraufhin das Krankenhaus in Orange, das wiederum die Staatsanwaltschaft alarmierte.
Jugendhilfe eingeschaltet, Neugeborenes vorläufig in Obhut
Nach Einschätzung eines Gerichtsmediziners sind es die Knochen und Leichenteile von fünf Säuglingen.
Die ebenfalls 32 Jahre alte Mutter soll am Sonntag zu Hause ein gesundes Baby geboren haben. Der kleine Junge wird zunächst in die Obhut der Behörden übergeben.
Das Paar hat außerdem zwei Kinder im Alter von acht und neun Jahren. Es lebt im zweiten Stock eines Altbaus, nur wenige Schritte vom antiken Theater von Orange entfernt.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft erklärte der Mann, er habe „von möglichen Schwangerschaften seiner Partnerin nichts gewusst“ und wurde auf freien Fuß gesetzt.
Die Staatsanwaltschaft hat für die beiden älteren Kinder die Jugendhilfe eingeschaltet, um ihre Situation zu beurteilen. Für den am Sonntag geborenen Jungen ordnete sie eine vorläufige Unterbringung an, mit Blick auf die Entscheidung eines Jugendrichters.
Im schwerwiegendsten Fall von Kindermord in Frankreich hat die ehemalige Pflegehelferin Dominique Cottrez acht Neugeborene getötet. Die Kinderleichen wurden 2010 entdeckt – sie waren im Garten ihrer Eltern vergraben und in einer Garage versteckt. Die Frau wurde war 2015 im Alter von 51 Jahren zu neun Jahren Haft verurteilt.
Das Thema "verdrängte Schwangerschaften" ist komplex und Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. In Deutschland bietet die Bundesstiftung Mutter und Kind Hilfe an. Zudem gibt es Frauen-Beratungsstellen wie die der Caritas und sogenannte Babyklappen, in denen Mütter ihre Neugeborenen legen können.